Das Auto der Zukunft findet selbst in die Garage und ruft Ampeln an

- München - Der Fahrer hält vor seiner Garage, steigt bequem aus und drückt auf einen Knopf am Zündschlüssel. Er sperrt ab, könnte man meinen - gefehlt. Denn nun geschieht Merkwürdiges. Das Garagentor öffnet sich. Der Motor des Autos startet erneut. Das Warnblinklicht leuchtet auf. Wie von Geisterhand bewegt sich die breite Karosse perfekt zwischen Regalen und Gartengeräten in die Garage.

Das ist Zukunftsmusik, wird aber von den Autoherstellern schon erprobt. Zwar hat der 7er-BMW, der für den Münchner Autohersteller die vollautomatische Garageneinfahrt übt, den Kofferraum noch voller Rechner. Doch in wenigen Jahren wird die Funktionalität bereits in winzige Chips zu packen sein oder sie wird einfach als Software auf dem Bordcomputer aufgespielt.

Dann könnte es bei teuren Fahrzeugen einfach dazugehören, dass der Fahrer morgens aus dem Haus kommt und ihm das Auto bereits aus der Garage entgegenkommt, in die es am Vorabend einparken musste. In zehn Jahren könnte es soweit sein. Sogar früher, wenn Autofahrer bereit sind, dafür zu zahlen, wie Michaela Müller von BMW sagt.

Elektronisches Auge beachtet Tempo-Schilder

Reine Komfort-Ausstattungen kommen eher später, was der Sicherheit dient, ist dringlicher. Das begann vor drei Jahrzehnten mit Antiblockiersystemen, gehört - wie der Schleuderverhüter ESP - heute bereits oft zur Kleinwagen-Grundausstattung. Abstandswarner gibt es in unterschiedlicher Form. Der Spurassistent, der beim Queren der gestrichelten Linie Alarm schlägt, wird von Citroë¨n bereits im Spitzenmodell C6 eingebaut.

Wenn die für solche Dinge notwendigen Abstandssensoren und Kameras bereits an Bord sind, kann man sie mit dem obligatorischen Bordcomputer vernetzen und dann auch für ganz andere Dinge nutzen - etwa die selbstständige Fahrt in die Garage. An Bremsassistenten, die das Auto verzögern, wenn man dem Auto des Vordermanns im Stau zu nahe kommt, arbeiten bereits fast alle Autohersteller und die entsprechenden Zulieferer. Mercedes hat entsprechende Autos bereits angekündigt.

BMW bereitet Autos auch darauf vor, dass sie im Stau oder im städtischen Stop-and-Go-Verkehr vorwärtskommen - ohne dass der Fahrer eingreifen muss.

Motor, Getriebe, Achsen, Lenkung - das war ursprünglich einmal die Technik, die in Autos integriert war. Das hat sich vervielfacht. Oft genug hängt der Komfortgewinn von der Leistungsfähigkeit der Computer an Bord ab. Wenn ohnehin Kameras laufend die Umgebung abtasten, kann ein leistungsfähiger Rechner leicht ein Tempo-80-Schild erkennen und die entsprechende Warnung vor Bußgeldern und Punkten ins Tachometer-Display einblenden. Vier Augen sehen eben mehr als zwei. Doch bei vielen aktuellen Autos reicht der Horizont über den sichtbaren Bereich hinaus. In den Karten des Navigationssystems können Geschwindigkeitsbegrenzungen gespeichert werden.

Der Fahrer bleibt Herr über seinen Wagen

Vor allem wird es möglich, bei unübersichtlichem Streckenverlauf die nächste Kurve samt passender Geschwindigkeit anzuzeigen oder dem Autofahrer, der gerade hinter einem Mähdrescher herzuckeln muss, die nächste Gelegenheit zum Überholen anzukündigen. Auch Kommunikation kann der Bordcomputer übernehmen. Das kann man sich so vorstellen: "Auto ruft Ampel, lohnt es sich, noch am Gas zu bleiben?" "Ampel ruft Auto, besser nicht, ich schalte gleich auf Gelb."

Das ganze findet natürlich in einer standardisierten Computersprache statt, die künftig möglichst viele Autos und sämtliche Verkehrsleitsysteme, verstehen sollten. In jedem Fall sendet der Bord-Computer seine Empfehlung an ein Anzeigegerät im Auto, das künftig immer häufiger ein "Head up Display" sein dürfte, das wichtige Informationen auf die Windschutzscheibe projiziert. Viele der Neuerungen, wie der Bremsassistent, der Autofahrer bei zu geringem Abstand zum Vordermann warnt, oder der Vibrationsalarm, der das Verlassen der Spur am Lenkrad spürbar macht, wird der Fahrer unmittelbar mitbekommen.

Andere Neuerungen laufen diskret im Hintergrund ab. So kann, wenn der Fahrer den Fuß vom Gas nimmt, das Bremssystem in Bereitschaft gehen. Automatisch baut sich Druck auf, der die Bremsbeläge so nah an die Scheibe heranführt, dass das Auto gerade noch nicht verzögert. Tritt der Fahrer auf die Bremse werden unter Umständen lebensrettende Hundertstelsekunden gewonnen.

Allerdings soll der Fahrer zu keinem Zeitpunkt aus seiner Verantwortung entlassen werden. Er bleibt, so BMW, Herr über das Fahrzeug. Und er kann alle Helfer außer Betrieb setzen, wenn ihm das Vibrieren im Lenkrad, oder das im Tacho eingeblendete Tempo-30-Schild und der aufgeregt blinkende Abstandswarner nur noch nerven.

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