Autoabsatz in China boomt

Peking - China bleibt der Wachstumsmotor der Autoindustrie. Das Reich der Mitte ist für einige deutsche Anbieter der wichtigste Markt - nach VW nun auch für BMW. In Indien ist die Gesamtlage schwieriger.

Die enorme Autonachfrage der Chinesen hat dem Absatz von Herstellern aus aller Welt im vergangenen Jahr einen kräftigen Schub gegeben. Davon profitieren auch deutsche Anbieter wie BMW und Mercedes. Im Dezember stiegen die Verkäufe von Personenwagen im Reich der Mitte rascher als erwartet um 21,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Das teilte der Branchenverband CAAM am Donnerstag in Peking mit. Damit legte der Pkw-Markt 2013 um 16 Prozent auf 17,93 Millionen Autos zu. Für 2014 werden 9 bis 11 Prozent prognostiziert.

Luxusautobauer wie Rolls-Royce oder Bentley konnten weltweit bei besonders zahlungskräftigen Kunden punkten. Und Audi und Porsche meldeten für das vorige Jahr erneut Bestwerte bei den Auslieferungen.

Der China-Boom brachte BMW 2013 ein Verkaufsplus von 19,7 Prozent in der Volksrepublik ein. Der Rivale Mercedes legte dort um 11 Prozent zu, will aber weiter aufholen. Mit einem massiven Ausbau ihres Vertriebsnetzes um 100 neue Händler in diesem Jahr sowie der Markteinführung neuer Modelle wollen die Stuttgarter Boden gutmachen.

Daimler-Vorstand Hubertus Troska räumte den Abstand zur schneller wachsenden Konkurrenz von BMW und Audi ein. „Ganz klar, da wollen wir nicht drumherum tanzen“, sagte der Manager. „Es gibt eine große Kluft.“ Er setze zunächst auf Umorganisation und bessere Marktpositionierung. Man habe gute Fortschritte gemacht und sei zuversichtlich. Troska dämpfte zwar die Erwartungen für 2014, zeigte sich für die weitere Zukunft aber optimistisch: „2015 wird stärker.“

Für die BMW-Gruppe fiel das Wachstum 2013 in China „deutlich höher als erwartet“ aus, wie Landeschef Karsten Engel sagte. Das Reich der Mitte stieg damit zum wichtigsten Markt für die Bayern auf. Jeder fünfte BMW weltweit wird heute schon in der Volksrepublik verkauft. Besonders im vierten Quartal habe der Absatz angezogen. Nach 303 000 Stück im Vorjahr habe BMW im vergangenen Jahr 362 500 Wagen verkauft. „Wir haben unsere Ziele übererfüllt“, sagte Engel in Peking. Für 2014 rechnet BMW vorsichtig mit etwas mehr als zehn Prozent Wachstum.

Auch Indien ist in den Planungen vieler Autobauer ein zentraler Zukunftsmarkt. Das Geschäft in dem Schwellenland entwickelte sich zuletzt jedoch insgesamt schleppender: 2013 sanken die Autoverkäufe zum zweiten Mal in Folge. Im Vergleich zum Vorjahr ging der Absatz um 7,2 Prozent zurück, wie der Verband der indischen Automobilhersteller SIAM mitteilte. Grund: Wegen hoher Zinssätze und der schwächelnden Wirtschaft verschöben viele Konsumenten den Autokauf, sagen Experten. Im vorigen Jahr wurden 2,56 Millionen Privatfahrzeuge ausgeliefert.

Ganz anders ist die Lage bei den teuersten Edelanbietern. Nach dem Wettbewerber Bentley gab auch die britische Luxusmarke Rolls-Royce Rekordverkäufe für 2013 bekannt. Insgesamt 3630 Fahrzeuge mit der markanten Kühlerfigur „Spirit of Ecstasy“ seien an wohlhabende Käufer in aller Welt gegangen, sagte der deutsche Chef der BMW-Tochter, Torsten Müller-Ötvös, in London - eine Steigerung um 1,5 Prozent und eine Zunahme des Absatzes im vierten Jahr in Folge.

Hauptmärkte für Rolls-Royce sind die USA und China - aber auch der Nahe Osten, wo mit 17 Prozent das größte Plus gelang. Volkswagens Luxus-Ableger Bentley verzeichnete ähnlich gute Verkäufe. Die Briten lieferten 2013 insgesamt 10 120 Wagen der Marke aus, in denen die Queen durch die Straßen Londons chauffiert wird. 2012 waren es 8510.

Aber auch bei den deutschen Premiumherstellern Audi und Porsche brummte das Geschäft. Die Ingolstädter setzten im Dezember deutlich mehr Autos ab und machten damit erneut ein Bestjahr perfekt. Die VW-Oberklasse-Marke übergab 2013 weltweit 1,576 Millionen Fahrzeuge an die Kunden - ein Plus von 8,3 Prozent. Konkurrent Daimler stellt seine globalen Absatzzahlen am Freitag vor, Erzrivale BMW folgt am Montag. Beide werden ebenfalls Rekorde vermelden.

Porsche reihte sich nahtlos ein. Die Stuttgarter VW-Tochter steigerte ihre weltweiten Auslieferungen im vergangenen Jahr um 15 Prozent auf einen Rekordwert von 162 145 Fahrzeugen. Vor allem der kompakte Geländewagen Macan, der in Leipzig gebaut wird, soll die Verkäufe in diesem Jahr weiter ankurbeln. Vorstandschef Matthias Müller rechnet damit, dass China auch für sein Unternehmen ab den Jahren 2015/2016 wichtigster Auslandsmarkt wird.

dpa

Rubriklistenbild: © AFP

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