Autobauer starten Öko-Aufholjagd

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Frankfurt (dpa) - Die deutsche Autoindustrie setzt zur Aufholjagd bei umweltfreundlichen Modellen an und erhofft sich davon einen Schub für den schwächelnden Heimatmarkt. Auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) zeigen die Hersteller erstmals extrem sparsame Fahrzeuge.

Vertreten sind dabei nicht nur sämtliche Modelle vom Kleinwagen bis zur Luxuskarosse, sondern auch die ganze Palette von Antrieben: Dieselaggregate, Benziner, elektrisch getriebene Hybridfahrzeuge oder Kombinationen. Auch im Lager der Zulieferer wird die Klimaschutzdebatte zunehmend als Chance betrachtet.

Nachdem sich die japanische Konkurrenz schon lange mit einem umweltfreundlichen Image etabliert hat, wollen die deutschen Hersteller nun nachziehen, wie am ersten Pressetag der IAA (13. bis 23. September) in Frankfurt deutlich wurde. Sparmodelle mit wenig Spritverbrauch sollen die Verbraucher locken, die nach der Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn und wegen der Klimadebatte weggeblieben sind.

Zudem suchen die Hersteller angesichts der Schwäche auf dem Deutschland- und US-Markt nach neuen Absatzmöglichkeiten in den Autoboom-Regionen Asien und Osteuropa. Opel will künftig in Russland produzieren, die Automobilzulieferer Bosch und ZF Friedrichshafen bauen ihr Geschäft in Asien aus.

DaimlerChrysler-Chef Dieter Zetsche stellte in Frankfurt 19 Automodelle mit neuen besonders verbrauchsarmen Antrieben vor. "Wir wissen, was die Kunden und die Welt von uns erwarten", sagte der Automanager. In der Kombination von Diesel und Hybrid werde eine S- Klasse künftig nur noch mit 5,4 Liter Treibstoff auskommen. Forschungschef Thomas Weber zeigte ein Forschungsfahrzeug mit einem "Diesotto"-Motor, der die Vorzüge von Diesel (Sparsamkeit) und Ottomotor (Sauberkeit) vereine und 5,3 Liter Benzin verbrauche.

Der US-Hersteller Ford, der im Heimatmarkt unter seinen Spritfressern leidet, will in Europa mit betont umweltfreundlichen Autos punkten. Europachef John Fleming stellte die neue Reihe "ECOnetic" vor, bei der mit herkömmlichen Ford-Modellen niedrigere Schadstoffwerte von künftig weniger als 100 Gramm CO2-Ausstoß erzielt werden sollen - deutlich weniger als die EU-Kommission verlangt.

Weil neue Antriebe in der Entwicklung viel Geld kosten, denken Hersteller über neue Einnahmequellen nach. "Wir haben in den vergangenen Jahren hunderte Millionen Euro unter anderem in die Entwicklung effizienter Motoren gesteckt", sagte BMW-Chef Norbert Reithofer. Dieser Trend werde angesichts immer schärferer Abgasvorschriften voraussichtlich auch anhalten. Um die Kosten im Griff zu behalten, liebäugelt BMW nun damit, die Aggregate oder andere Komponenten auch an andere Hersteller zu verkaufen. "Das ist ein interessanter Geschäftszweig." Nähere Angaben machte er zunächst aber nicht. BMW kündigte eine ganze Reihe neuer Modelle an, unter anderem den neuen Geländewagen X6, der von 2009 an auch als Hybrid zu haben sein soll - mit 20 Prozent weniger Verbrauch.

Nach der Krise präsentiert sich Volkswagen mit neuem Selbstbewusstsein: Europas größter Autobauer Volkswagen will in den nächsten Jahren Absatz und Gewinn kräftig steigern. VW-Chef Martin Winterkorn kündigte bis 2010 zwölf neue Autos im Konzern an. Dies seien ganz neue Produkte, zumeist in Segmenten, in denen VW bisher noch nicht vertreten sei. Die Rendite will Winterkorn in ein bis drei Jahren in zweistellige Höhen bringen.

Der Europa-Chef des Opel-Mutterkonzerns General Motors (GM), Carl-Peter Forster, versicherte, die Pläne für den russischen Markt gefährdeten keine Arbeitsplätze in Deutschland. "Wir haben Mühe, die Nachfrage vor Ort zu befriedigen - und der Export von Russland nach Westeuropa lohnt sich nicht."

Unterdessen setzen die Japaner nach ihren Erfolgen auf dem US-Markt zur Offensive in Europa an. 2007 rechne Toyota in Europa mit rund 1,22 Millionen verkauften Fahrzeugen, sagte Europa-Chef Tadashi Arashima. 2008 soll der Absatz dann nochmals um rund fünf Prozent steigen. Dafür soll vor allem die rege Nachfrage in Osteuropa sorgen. In den ersten acht Monaten war der Absatz von Toyota und der Luxusmarke Lexus im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 850 000 Einheiten gestiegen.

Auch Honda schraubte sein Absatzziel für Europa nach oben. Punkten wollen die Japaner weiterhin vor allem mit umweltfreundlichen Antrieben. Der Anteil von Hybridfahrzeugen bewege sich zwar noch in bescheidenem Rahmen, sagte ein Honda-Sprecher auf Anfrage. Die Tendenz zeige aber steil nach oben.

Die weltweite Nummer eins der Zulieferer, Bosch, geht fest davon aus, dass das Geschäft rund ums Kraftstoffsparen wachsen wird. Auch vom zweiten Megatrend, dem anhaltende Autoboom in Asien und Osteuropa, profitieren die großen Zulieferer mit vollen Kassen. Bosch rechnet daher für 2007 mit fünf Prozent Umsatzplus auf rund 46 Milliarden Euro, ZF Friedrichshafen sogar mit einem Plus von acht Prozent auf 8,4 Milliarden Euro.

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