Autobranche auf der Bremse: VW streicht 10 000 Stellen, Ford 1300

- Wolfsburg - Der Ausverkauf von Arbeitskraft geht weiter. Vor allem das einstige Aushängeschild der deutschen Wirtschaft will möglichst viele Mitarbeiter loswerden: die Auto-Industrie. Spitzenreiter ist nun der Branchenchampion Volkswagen.

Einmal war von 14 000 Stellen die Rede, einmal von 10 000 bis 30 000. Konkrete Zahlen wurden stets als unzutreffend dementiert. Die Karten in dieser Sache legte VW nie auf den Tisch. Doch nun kristallisiert sich heraus, dass Volkswagen in seinen fünf westdeutschen Werken innerhalb von drei Jahren insgesamt bis zu 10 000 Mitarbeiter loswerden will - mehr als jeder andere Hersteller in Deutschland. Diese Zahl erfuhr jetzt die "Financial Times Deutschland".

Bei der gefeierten Einigung im Oktober zum Bau des Geländewagens Marrakesch in Wolfsburg (das Auto sollte nach Plänen des Konzerns in Portugal gebaut werden), war von Stellenabbau nicht die Rede, sondern lediglich davon dass 1000 Arbeitsplätze gerettet seien. Und betriebsbedingte Kündigungen wurden bei VW weiterhin ausgeschlossen. Erkauft wurde beides durch den Verzicht der Mitarbeiter auf Geld und Freizeit.

Doch dies hat zu keiner Zeit bedeutet, dass das Management auf die Verringerung des Personals verzichtet. Nur muss sich der Wolfsburger Konzern die Sache nun Einiges kosten lassen. Von bis zu 175 000 Euro Abfindung ist die Rede, der Nutzung von Vorruhestand und Altersteilzeit. Im Durchschnitt aber sind es weit weniger: In Gewerkschaftskreisen ist von 60 000 Euro pro abgebautem Arbeitsplatz die Rede. Insgesamt spricht VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch von weniger als 400 Millionen Euro, die die Aktion den Konzern in diesem Jahr kosten soll. Lediglich einen "größeren Betrag" ohne konkrete Zahlen nannte er für 2006 und überhaupt keinen Anhaltspunkt für 2007.

Damit wenden die Wolfsburger weniger Geld auf, um mehr Menschen loszuwerden als Mercedes, wo für den geplanten Abbau von 8500 Jobs 950 Millionen Euro ausgegeben werden. Doch ist in Stuttgart von Abfindungen die Rede, die in Einzelfällen sogar bis zu 275 000 Euro reichen können. Der Durchschnitt liegt bei 111 000 Euro.

Die Autoindustrie, einmal das Kernstück der deutschen Wunder-Wirtschaft, befindet sich, wohin man (derzeit noch außerhalb Bayerns) blickt, auf dem Rückmarsch: Denn auch Ford will nach dem Abbau von 1500 Stellen in den letzten Jahren weiteres Personal loswerden: Bis zu 1300 Menschen (von noch 25 500) sollen möglichst noch vor Jahresende von den Gehaltslisten gestrichen werden. Auch hier vor allem durch Abfindungen und Vorruhestand. Was sich der deutsche Ableger des drittgrößten Autobauers der Welt den Abschied kosten lässt, wurde nicht genannt. Doch zum schon geltenden Abfindungsmodell wird nun jedem ausstiegswilligen Arbeitnehmer eine Zusatzzahlung von 20 000 Euro angeboten.

Allerdings liegt neben dem Zuckerbrot die Peitsche: Ist das Ziel zum Jahresende nicht erreicht, drohen Kündigungen. "Wir sind zum Handeln gezwungen", sagt der Kölner Ford-Sprecher Erik Walner. Die Mitarbeiter versuchte er zu beruhigen: "Das ist kein Automatismus für betriebsbedingte Kündigungen." Aber die Wut der Arbeitnehmer wurde nicht nur durch das Wort Kündigung ausgelöst. Ihnen passt die Richtung nicht: Da werde abgebaut, ohne dass sichergestellt sei, dass die Fabriken dann noch laufen, kritisiert der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Dieter Hinkelmann.

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