Autofahren deutlich teurer, aber in den 60er-Jahren war es schlimmer

- Wiesbaden - Autofahren in Deutschland ist in den vergangenen zwei Jahren deutlich teurer geworden. Die Kosten rund ums Auto seien erheblich stärker gestiegen als die Verbraucherpreise insgesamt, berichtete das Statistische Bundesamt. Vor allem die gestiegenen Steuern und Energiekosten seien dafür verantwortlich.

Die deutlichste Verteuerung gab es beim Dieselkraftstoff mit gut 31 Prozent. Der Staat verlangte durchschnittlich 26 Prozent mehr Kfz-Steuer, während Versicherungen um 6,4 Prozent billiger wurden. Die allgemeine Teuerung betrug im gleichen Zeitraum 4,0 Prozent. Wichtigster Grund waren die Spritpreise. Dabei seien die Rekordpreise der vergangenen zwei Wochen noch nicht berücksichtigt.

Allerdings sind die aktuellen Benzinpreise differenziert zu sehen. In absoluten Zahlen haben die Preise ein Rekordhoch erreicht, relativ war der Kraftstoff in den 60er-Jahren viel teurer. Unter Berücksichtigung der Einkommen, der Benzinpreise und auch des Spritverbrauchs war die Belastung der Automobilisten auch in den 70er- und 80er-Jahren laut Statistik etwa auf heutigem Niveau. Nur in den 90er Jahren hatten die Autofahrer eine Atempause. "Im Langzeitvergleich ist Autofahren heute eher günstiger als vor 20 oder 30 Jahren", bestätigt ein Experte des Instituts für Kraftfahrtwesen an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule.

Entscheidend sind die Einkommen. Und da sah es speziell in den 60er Jahren schlecht aus: Der Industriearbeiter verdiente laut Statistischem Bundesamt 1965 im Durchschnitt 418 Euro brutto im Monat. Der Liter Normalbenzin kostete laut Aral-Preisdatenbank etwa 29,3 Cent. Das bedeutet, dass ein Arbeiter rechnerisch 0,07 Prozent seines Lohns für den Liter Benzin ausgeben musste. Für eine 50-Liter-Tankfüllung musste er also bei einem Stundenlohn von 2,17 Euro fast sieben Stunden arbeiten.

Heute muss er "nur noch" mehr als vier Stunden für eine solche Menge arbeiten. Noch gar nicht berücksichtigt ist dabei der Verbrauch. Ein Ford Granada, Baujahr 1975, brauchte rund 13 Liter auf 100 Kilometer. "Und das war eher mit Rückenwind gerechnet", sagt der Antriebs-Experte der RWTH, Martin Schüssler. Ein vergleichbarer Ford Mondeo braucht trotz größerer Leistung heute knapp die Hälfte.

Die Wut der Autofahrer wird verständlicher, wenn man den Langzeittrend bedenkt: Angesichts der stark steigenden Einkommen ist seit den 70er Jahren das Tanken von Jahrzehnt zu Jahrzehnt immer etwas leichter gefallen. Ein 50-Liter-Tank schlug 1975 mit etwa 21 Euro zu Buche, bei einem Arbeiter-Stundenlohn von fünf Euro bedeutete das rund vier Stunden Arbeit. 1995 kostete eine solche Benzinmenge 38 Euro. Das war bei einem Stundenlohn von 13,04 Euro in knapp drei Stunden "hereingearbeitet".

Beim genauen Blick auf das Verhältnis Einkommen-Literpreis fällt auf, dass ein Angestellter vor 20 Jahren (Monatssalär 1757 Euro) 0,040 Prozent seines Geldes für den Liter Sprit ausgab. Das ist prozentual genauso viel wie heute bei einem Durchschnittsgehalt von 3384 Euro. Tatsächlich deutlich schlechter stehen die Arbeiter da. Für sie ist der Kraftstoff auf Grund des geringeren Einkommens fast wieder so teuer wie in den 60er Jahren.

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