Autofahrern blüht ein teurer Sommer

Steigende Preise an der Zapfsäule: - Den Wagen aufzutanken wird noch teurer. Nachdem die Benzinpreise gerade auf einen neuen Jahreshöchststand geklettert sind, rechnen Experten mit weiteren Steigerungen in den nächsten Wochen. Ursache sind weniger illegale Preisabsprachen, sondern der Benzindurst der USA.

München - Alle Jahre wieder das gleiche Bild an den deutschen Tankstellen. Im Winter und Frühling dümpeln die Spritpreise vor sich hin, um dann regelmäßig zu Beginn der Schulferien an Ostern, Pfingsten und im August nach oben zu springen. Auch 2007 zeichnet sich dieser Zyklus ab: Kostete Superbenzin im Januar durchschnittlich 1,23 Euro, stieg die Preiskurve im April auf 1,32 und diese Woche, kurz vor Beginn der Pfingstreisewelle, auf bis zu 1,42 Euro. Normalbenzin und - etwas gedämpfter - Diesel machten die Ausschläge mit. Es dürften nicht die letzten gewesen sein.

"Wir halten einen weiteren Anstieg der Spritpreise in diesem Sommer für möglich", sagte der Energie-Analyst der Deutschen Bank, Josef Auer, unserer Zeitung. Er schließt 1,50 Euro pro Liter nicht aus. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin spricht nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" gar von bis zu 1,70 Euro. Der bisherige Rekord für Superbenzin liegt bei 1,44 Euro. Er wurde im September 2005 erreicht, nachdem der Wirbelsturm "Katrina" Bohrinseln und Raffinerien in den USA schwer beschädigt hatte.

Auch heuer hagelt es wegen der Preisrally wieder Kritik auf die Mineralölkonzerne. Politiker und Automobilklubs werfen BP, Shell und Co. vor, pünktlich zur Urlaubszeit ihre Marktmacht auszunutzen und gemeinsam die Preisschraube hochzudrehen. "Die bekommen den Hals nicht voll", sagt die Grünen-Politikerin Bärbel Höhn. Doch für illegale Machenschaften gibt es keinerlei Beweise: "Wir haben keine Hinweise auf Preisabsprachen", heißt es beim Kartellamt in Bonn.

Ohnehin sehen Fachleute für die Teuerung an der Zapfsäule gerade heuer andere Ursachen. Zunächst haben drei Prozent mehr Mehrwertsteuer und die Pflicht zur Beimischung von Biokomponenten in Benzin und Diesel die Preisbasis seit Januar angehoben, wie der Verband für Mineralölwirtschaft (MWV) in Hamburg erklärt. Das machte sich zunächst kaum bemerkbar, weil die Mutter allen Kraftstoffs, das Rohöl, zum Jahresbeginn ungewöhnlich niedrig notierte. Doch die Fasspreise haben seitdem je nach Sorte um ein Fünftel zugelegt und ein weiterer Anstieg ist wegen anhaltender Spannungen in Förderländern wie dem Iran und Nigeria wahrscheinlich.

Der entscheidene Grund für das jährlich wiederkehrende Preishoch an den Tankstellen ist jedoch der Beginn der Reisezeit in den USA. Im Sommer legen auch dort die Einwohner mit ihren meist wenig sparsamen Autos größere Strecken zurück. Doch weil die US-Raffinerien seit längerem nicht mehr fähig sind, die hohe Nachfrage zu befriedigen, decken sich Rohstoff-Händler vor allem in Europa ein. Allein im vergangenen Jahr importierten sie 20 Millionen Tonnen Benzin, was nach MWV-Angaben dem deutschen Jahresverbrauch entspricht.

Sorge um den wirtschaftlichen Aufschwung machen sich Volkswirte wegen der hohen Spritpreise in Deutschland bislang nicht. "Das ist nichts, was uns Probleme macht", sagte der Energie-Experte des Wirtschaftsinstituts IW in Köln, Hubertus Bardt. Zumal sich die Verbraucher wegen des milden Winters Heizkosten gespart haben und das Budget damit geschont wurde. Einen schwachen Trost für Autofahrer hat Bardt zudem parat: "Die Preise werden wohl gegen Ende des Sommers wieder sinken."

Wie den hohen Spritpreisen entkommen?

Beim Tanken günstiger davonkommen können Pfingsturlauber oder Bewohner in den bayerischen Grenzregionen. Denn wegen eines niedrigeren Steueranteils sind im benachbarten Ausland Benzin und Diesel teils deutlich billiger zu haben, obwohl auch dort die Preise in den vergangenen Wochen angezogen haben. Am wenigsten müssen Autofahrer laut einer Preisübersicht des ADAC in Tschechien bezahlen. Ein Liter Super kostete dort diese Woche im Schnitt 1,04 Euro, Diesel war für 0,97 Euro zu zapfen. Deutlich niedriger sind die Entgelte für Kraftstoff auch in der Schweiz (1,05/ 1,05), in Österreich (1,07/0,98), Kroatien (1,09/1,00) und auch in Frankreich (1,31/1,16).

Der TÜV Süd weist allerdings darauf hin, dass die Begriffe für die Benzinqualität in anderen Ländern anders gestaffelt sein können. "Was in Italien oder Tschechien als Super bezeichnet wird, muss nicht unbedingt das gewohnte Super sein", erklären die Fachleute. Um auf Nummer Sicher zu gehen, sollte Benzinkraftstoff nach der Oktanzahl (ROZ) und Dieselkraftstoff nach der Cetanzahl (CZ) ausgewählt werden. Welche Qualität das eigene Fahrzeug genau benötigt, steht in der Regel auf der Innenseite des Tankdeckels und auch in der Betriebsanleitung.

Vergleichsweise günstig tanken können Verbraucher allerdings auch in Deutschland. Deutsche-Bank-Fachmann Josef Auer weist darauf hin, dass hierzulande sogenannte freie Tankstellen häufig billiger sind als die Marken-Stationen von Esso, Shell oder BP. Solche freien Tankstellen finden sich nach seinen Aussagen häufig in Gewerbegebieten bei größeren Supermärkten.

Den Geldbeutel schonen können Autofahrer auch durch intelligente Fahrweise. Fachleute des Bundesverkehrsministeriums empfehlen beispielsweise mit niedriger Drehzahl zu fahren und schnell in den nächsthöheren Gang zu schalten. Außerdem raten sie gleichmäßig zu fahren, im Verkehrsfluss "mitzuschwimmen" und frühzeitig den Fuß vom Gaspedal zu nehmen, wenn erkennbar ist, dass nicht weitergefahren werden kann. Wenig Gepäck im Auto und das Abschalten des Motors in Staus oder an Bahnübergängen senken den Verbrauch zusätzlich. Insgesamt sei es möglich, den Spritbedarf durch clevere Fahrweise um bis zu ein Viertel zu reduzieren, heißt es auf www.neues-fahren.de, wo sich auch weitere Tipps und Hinweise finden.

Banal, aber durchaus wirkungsvoll ist ein Aufruf des Verkehrsclub Deutschland (VCD): Die Bundesbürger sollten das Auto so häufig wie möglich stehen lassen und auf Bus, Bahn oder Fahrrad umsteigen oder ganz einfach zu Fuß zu gehen. "Jede eingesparte Autofahrt schont nicht nur das Portemonnaie, sondern reduziert auch den Ausstoß von Schadstoffen und Treibhausgasen", erklärt Hermann-Josef Vogt vom Bundesvorstand des VCD. Die Hälfte aller mit dem Auto zurückgelegten Wege sei kürzer als sechs Kilometer, fünf Prozent sogar kürzer als ein Kilometer. Vogt: "Gerade auf Kurzstrecken ist der Treibstoffverbrauch beim Auto besonders hoch, da der Motor noch nicht warm ist. Gleichzeitig sind das aber Entfernungen, die man gut zu Fuß oder mit dem Rad zurücklegen kann."

fe/ap/dpa

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