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Bernie Ecclestone musste um sein Lebenswerk bangen.

Autohersteller hatten konkrete Pläne für Formel 1-Konkurrenz

München - BMW, Mercedes und andere Autohersteller haben Anfang des Jahrtausends an einer Konkurrenzveranstaltung zur Formel 1 getüftelt. Das bestätigten Zeugen am Montag im Schmiergeldprozess gegen den Banker Gribkowsky. Rennchef Ecclestone wäre seinen Job dann wohl los gewesen.

Im Prozess um Schmiergeldzahlungen beim Formel 1-Verkauf gegen den Banker Gerhard Gribkowsky haben Top-Manager bestätigt, dass es vor einigen Jahren konkrete Pläne für eine Konkurrenzveranstaltung der Autohersteller zu der Rennserie gab. “Das war ein fertiger Geschäftsplan“, sagte der langjährige BMW-Vorstand Burkhard Göschel am Montag als Zeuge vor dem Landgericht München.

Die Autohersteller wollten mehr Geld an den Rennen verdienen, als es bei der Formel 1 mit ihrem eigenwilligen Chef Bernie Ecclestone möglich war, und waren wohl auch die schwierigen Verhandlungen mit dem Briten leid. Die Hersteller seien unzufrieden gewesen mit der “Einnahmenverteilung“, sagte der damalige Leiter der Mercedes Car Group und heutige Metro-Chef Eckhard Cordes. Auch der frühere DaimlerChrysler-Vorstand Jürgen Hubbert hatte als Zeuge in dem Prozess bereits von dem Konkurrenzprojekt Grand Prix World Championship berichtet, das den Teams der Autohersteller mehr Rechte einräumen sollte als die Formel 1.

Ecclestone musste um sein Lebenswerk bangen.

“Es war klar, dass er das als Bedrohung gesehen hat - eindeutig“, sagte Göschel. Auch für die Bayern LB wäre die Konkurrenzveranstaltung fatal gewesen, da ihre Anteile an der Rennserie massiv an Wert verloren hätten. Letztlich kam das Projekt aber nicht zustande, weil zunächst Ferrari und dann auch andere Hersteller ausscherten. Welche Rolle Ecclestone dabei im Hintergrund spielte, ist unklar.

Dem mächtigen Boss der Rennserie waren nach Ansicht der Staatsanwaltschaft auch die Banken als Anteilseigner der Formel 1 ein Dorn im Auge. Ecclestone soll dem Banker Gribkowsky deshalb 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld gezahlt haben, damit er die Formel 1-Anteile der Bayern LB an seinen Wunschkäufer CVC veräußert und damit weiter Chef bleiben konnte. Der BayernLB und anderen Banken war die Beteiligung 2002 als Pfand für die Pleite des Medienkonzerns Kirch zugefallen.

Als Zeuge vor Gericht hatte Ecclestone die Zahlungen in der vergangenen Woche zwar eingeräumt, sie aber als eine Stillhalteprämie dafür dargestellt, dass Gribkowsky ihn nicht bei den Steuerbehörden anschwärzt und ihm damit eine Nachzahlung in Milliardenhöhe einbrockt.

Nasser wollte Gribkowsky mit üppigem Bonus belohnen

Am Nachmittag wurde der ehemalige Bayern LB-Verwaltungsratsvorsitzende Siegfried Naser als Zeuge gehört. Der wollte den Ex-Vorstand Gerhard Gribkowsky für seine Leistung beim Verkauf der Formel 1-Anteile im Jahr 2006 mit einem üppigen Bonus belohnen. Gribkowsky habe eine außerordentliche Leistung erbracht, als er die Anteile der Bank für 840 Millionen Dollar verkaufte, sagte der frühere Verwaltungsratsvorsitzende am Montag als Zeuge im Prozess um Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe vor dem Landgericht München. “Für uns war das wie ein Sechser im Lotto.“

Dem Wunsch Gribkowskys nach einer Sonderzahlung wollte er deshalb gerne nachgekommen und ihm eine Prämie von 250 000 bis 500 000 Euro zahlen. Der damalige Chef der Bank, Werner Schmidt, lehnte aber ab. Bei ihm hatte Gribkowsky zuvor bereits erfolglos um eine deutlich höhere Prämie gebeten. Naser lobte die Leistungen Gribkowskys vor Gericht in den höchsten Tönen. Menschlich und fachlich habe es keinelrei Einwände gegeben, er sei der perfekte Risiko-Manager gewesen. Bei der Kreditvergabe sei er höchstens manchmal zu streng gewesen. Gribkowsky steht seit Ende Oktober vor Gericht, weil er bei dem Formel 1-Verkauf 44 Millionen Dollar Bestechungsgeld von Rennchef Bernie Ecclestone kassiert haben soll.

dpa

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