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Anschauen ja, kaufen nein: VW kann derzeit keine Hybridmodelle liefern. 

Engpass durch neues Abgasverfahren

Autohersteller mit großen Lieferengpässen aufgrund von WLTP

Der neue Prüfzyklus WLTP soll bezüglich Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß Antworten liefern, die näher an der Realität sind. Die Hersteller stehen deswegen aber im Genehmigungsstau.

Wolfsburg - Der Autokauf bleibt für Volkswagen-Kunden in vielen Fällen ein Geduldspiel - wegen der aktuellen Probleme mit neuen Abgastests teilweise auch bei besonders umweltfreundlichen Fahrzeugen. Für Autos mit Hybrid- und Erdgas-Antrieb würden derzeit gar keine Bestellungen angenommen, sagte ein Sprecher. Zuvor hatte die "Welt am Sonntag" über das Thema berichtet. Der Bestellstopp bei diesen Antriebsarten hängt VW zufolge allerdings auch mit Modellwechseln und technischen Umstellungen zusammen. Hybrid-Fahrzeuge seien voraussichtlich 2019, Erdgasautos bereits im vierten Quartal 2018 wieder bestellbar, sagte der Sprecher.

Auf lange Lieferzeiten von derzeit bis zu sieben Monaten müssen sich dem Sprecher zufolge Käufer reiner Elektrofahrzeuge einstellen. Er sprach von einer "recht hohen Nachfrage", wegen der bereits mehrfach die Kapazitäten erhöht worden seien. "Aber natürlich nehmen wir weiter Bestellungen für E-Fahrzeuge an", sagte der Sprecher.

VW wie auch andere Hersteller schaffen es derzeit nicht, alle Fahrzeuge nach dem neuen Abgastest WLTP ("Worldwide Harmonized Light Vehicles Test Procedure") zertifizieren zu lassen. Bei VW werden daher nach früheren Angaben konzernweit voraussichtlich 200.000 bis 250.000 Autos verspätet gebaut und geliefert. "Wir werden über drei Monate voraussichtlich 30 bis 50 Prozent weniger Varianten anbieten können", sagte VW-Chef Herbert Diess vor wenigen Tagen. Insgesamt müssen mehr als 260 Motor- und Getriebekombinationen nachgemessen und neu zugelassen werden.

Autobranche macht Politik für Probleme verantwortlich

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) rechnet nach Angaben vom Juni damit, dass noch mehr als 500 Genehmigungen ausstehen. Kritiker werfen den Autoherstellern vor, sie hätten nicht rechtzeitig auf die neue Lage reagiert.

Die Branche selbst macht die Politik für die Probleme verantwortlich: Die Hersteller hätten erst vor elf Monaten die Verfahrensbeschreibung erhalten, "ein relativ kurzer Zeitraum", kritisierte VDA-Präsident Bernhard Mattes vor einigen Wochen. Zudem seien neue Partikel-Grenzwerte früher erlassen worden als sonst üblich. "Das hat bei vielen Herstellern dazu geführt, dass sie Benzinmotoren zusätzlich mit einem Partikelfilter ausrüsten mussten."

Die EU hatte festgelegt, dass künftig für Verbrauchs- und Emissions-Messungen WLTP verbindlich wird - mit Wirkung zum 1. September 2018. Zusätzlich wird ein Jahr später zum 1. September 2019 noch ein Realtest verbindlich, bei dem im Fahrbetrieb auf der Straße gemessen wird ("Real Driving Emissions", RDE). Bei WLTP geht es um eine bessere Abbildung des tatsächlichen Verbrauchs sowie der Schadstoff- und CO2-Emissionen. Die Einführung der neuen Abgasgesetzgebung erfordert eine Umstellung der Modellpalette auf Ottopartikelfilter und eine Neutypisierung.

Vor einigen Tagen sorgte diese Meldung für Aufsehen: Die Autobauer versuchen sich anscheinend mit höheren Angaben bei Abgastests geringere Anstrengungen bei den EU-Einsparungszielen zu erschleichen. Das lassen neueste Ergebnisse vermuten.

dpa

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