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Freie Tage wurden abgesagt: Bei VW sind wegen der Abwrackprämie die Auftragsbücher randvoll.

Auto-Konjunktur: Die Abwrackparty geht weiter

München - Die betroffenen Hersteller jubeln über die Verlängerung der Abwrackprämie. Doch Experten warnen vor einem bösen Erwachen.

Die Abwrackparty geht wohl weiter, und sie ist vor allem für einen Manager ein Fest – VW-Chef Martin Winterkorn. Fast ein Drittel der bisher 570 000 mit Hilfe der Prämie verkauften Autos rollen in den Werken von Europas größtem Autobauer vom Band. BMW und Daimler schauen dagegen in die Röhre. Bei ihnen wurden nur 5600 Kaufverträge für Neu- und Jahreswagen mit Umweltprämie abgeschlossen.

Seit Monaten kämpft die Branche mit dramatischen Absatzeinbrüchen. Die Reaktionen: Produktionsdrosselung, Arbeitsplatzabbau, Kurzarbeit. Für den Bamberger Autoexperten Wolfgang Meinig ist das kein Grund, ihr unter die Arme zu greifen: „Die Autoindustrie muss selbst mit ihren Problemen fertig werden.“

Ein anderer Kritikpunkt ist, dass die Hilfen zum Großteil an der Branche in Deutschland vorbeilaufen. Nur ein Viertel der in Deutschland produzierten Fahrzeuge wird auch hierzulande verkauft, sagt der Autoexperte Willi Diez. „Mit der Abwrackprämie können aber etwa 20 000 deutsche Arbeitsplätze bei Herstellern, Zulieferern und Händlern gesichert werden.“ IG-Metall-Chef Berthold Huber feiert die Prämie: „Sie verschafft Zeit für die Bewältigung der strukturellen Probleme der Branche und die Sicherung von Beschäftigung.“

Neben VW und Opel profitieren vor allem ausländische Hersteller. Ganz vorne dabei sind Renault/Dacia, Toyota und Fiat. Der Verband der Internationalen Automobilhersteller (VDIK) lobt denn auch die Aufstockung. „Das ist die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt“, sagt VDIK-Präsident Volker Lange. Die Maßnahme fördere auch den Klimaschutz. Sie helfe, „die 15 Millionen alten Stinker, die älter sind als neun Jahre, von der Straße zu kriegen.“

Jubel auch bei VW: „Diese Maßnahme ist das derzeit beste Programm zur Sicherung von Arbeitsplätzen, zum Schutz der Umwelt und für die Kunden“, verkündet eine Sprecherin. In Wolfsburg wurden vier für März geplante produktionsfreie Tage wieder abgesagt – 170 000 Kaufverträge wurden gezählt. Auch bei Skoda sorgen die Hilfen für glänzende Augen: Mit 62 000 Kaufverträgen liegt die Marke hinter der Mutter auf Platz zwei.

Beim zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) sind fast 358 000 Anträge auf Umweltprämie eingegangen. Viele dürften noch folgen, da nach den Zahlen des ZDK ja bereits rund 570 000 Kaufverträge wegen der Unterstützung aus Berlin unterzeichnet wurden.

Zu den Gewinnern gehören Händler. Im vergangenen Jahr haben viele Betriebe rote Zahlen geschrieben. „Die brauchen jetzt mal ’nen Schluck aus der Pulle“, sagt ZDK-Sprecher Helmut Blümer. Die Verlängerung nehme die Unsicherheit aus dem Markt. „Viele Kunden haben in den vergangenen Tagen die Händler gefragt, ob sie noch von der Prämie profitieren können.“

Weniger Rummel bei den Premiumherstellern: „Der typische BMW-Kunde fährt normalerweise kein Auto, das weniger als die 2500 Euro Abwrackprämie wert ist“, sagt ein Sprecher. Statt der Verlängerung hätte BMW daher lieber die Förderung des Kaufs von verbrauchsärmeren Neuwagen gesehen. Ähnlich sieht das auch die Konkurrenz. Daimler-Chef Dieter Zetsche warnt vor einem Absatzeinbruch, wenn die Förderung ausgelaufen ist.

Experten befürchten ein schlimmes Erwachen nach der Abwrackparty – mit einem Kater. „Wir werden die Quittung zur Unzeit bekommen“, warnt Experte Meinig. „Danach kommt der Einbruch.“

Stefanie Baumer / Johannes Wagemann

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