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Stillstand: Nach Leipzig bleiben auch in den bayerischen BMW-Werken kommende Woche die Bänder stehen.

Autokrise trifft Zulieferer: Weihnachts-Zwangspause und Kurzarbeit

München - Die Autoindustrie darbt. Nach den Produktionskürzungen großer Hersteller schlägt die Auftragsflaute auch auf die Zulieferindustrie durch.

Die Zulieferer werden mit in den Strudel der Krise bei den Autobauern gezogen. Verlängerte Weihnachtsferien, stillstehende Bänder und Gewinnwarnungen – die ständig neuen Hiobsbotschaften aus den Werken von Herstellern wie Daimler oder BMW treffen viele Zulieferer mit voller Wucht. Die Liste der Zulieferer, die den Gegenwind bereits zu spüren bekommen, wird fast täglich länger. Prognosen für das laufende Jahr werden korrigiert, befristete Beschäftigungsverhältnisse nicht verlängert und Werke für einzelne oder mehrere Tage stillgelegt.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer zeichnet ein düsteres Bild für die rund 700 Zulieferer-Betriebe mit rund 350 000 Beschäftigten in Deutschland. Die Absatzkrise könnte seiner Einschätzung nach rund 50 000 Arbeitsplätze gefährden. In den nächsten zwei Jahren könnten seiner Ansicht nach bis zu 20 Prozent der Autozulieferer Insolvenz anmelden.

„Wir spüren einen deutlichen Rückgang bei den Abrufzahlen“, berichtet ein Unternehmenssprecher von Bosch. Die Produktion im Werk Reutlingen-Rommelsbach wurde in dieser Woche stillgelegt und 400 Mitarbeiter nach Hause geschickt. Auch an anderen Standorten fallen einzelne Schichten aus. Überstunden werden abgebaut, mehrere befristete Verträge wurden nicht verlängert. Mit dem Betriebsrat würden Gespräche über mögliche verkürzte Arbeitszeiten und Kurzarbeit geführt, falls die Flaute weiter anhält, sagte der Sprecher.

Schaeffler will die Produktion gezielt zurückfahren und Zeitguthaben in der Krise abbauen. Bei ZF wird es eine Weihnachtspause vom 22. Dezember bis zum 6. Januar geben. Am vergangenen Jahreswechsel ruhte der Betrieb nicht, weil ein hoher Auftragsüberhang zu bewältigen war. Damit regiert auch Webasto auf die Flaute: Zwei Wochen Weihnachtsferien in den Werken Utting und Schierling sind wahrscheinlich, sagte eine Unternehmenssprecherin gegenüber unserer Zeitung. Dabei hat es Webasto noch vergleichsweise gut: Anders als Bosch liefert der Hersteller von Dachsystemen und Standheizungen vor allem Sonderausstattungen, die noch von der Krise nicht betroffen sind. Dennoch werden Überstunden abgebaut, Leiharbeiter nicht weiter beschäftigt und befristete Verträge nicht verlängert.

Allerdings ist den Zulieferern ein Blick in die kommenden Monate kaum möglich. Sie werden von den Autoherstellern an einer kurzen Leine geführt und müssen ihre Produktion deren Auftragslage auch kurzfristig anpassen. Damit können die meisten heute noch nicht ausschließen, dass längerfristig auch Entlassungen in Frage kommen. „Für konkretere Aussagen müssen wir noch zwei, drei Wochen warten“, sagt eine Sprecherin der Vilsbiburger Dräxlmaier Group. Allerdings rechnet der Automobilausstatter damit, dass die Flaute keine kurzfristige ist: „2009 wird schwierig“, sagt die Sprecherin.

In der Krise gibt es auch wenige gute Nachrichten. Die eine von Audi: Die Ingolstädter halten trotz des konjunkturellen Gegenwinds am geplanten Produktionsrekord fest. „Die Million steht“, sagte ein Sprecher. Und BMW versüßt den eigenen Beschäftigten die aufgrund der schwachen Auftragslage voraussichtlich von zwei auf drei Wochen verlängerte Weihnachtspause: Statt der tariflichen 55 Prozent bekommen Beschäftigte, die mindestens fünf Jahre dabei sind, auch im Krisenjahr 120 Prozent eines Monatsgehalts als Weihnachtsgeld.

Stefanie Baumer / Martin Prem

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