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Bausteine für die Energiewende: Am Institut für integrierte Systeme und Bauelementetechnologie arbeiten Wissenschaftler an Elementen für die effiziente Stromübertragung.

Fraunhofer

Autoreifen aus Löwenzahn-Kautschuk

München - Die Nachfrage der deutschen Wirtschaft nach Innovationen steigt – und Fraunhofer liefert. Im vergangenen Jahr meldete die Gesellschaft mit Hauptsitz in München mehr als zwei Patente pro Werktag an. Ein wichtiger Aspekt sind dabei Projekte rund um die Energiewende.

Autoreifen aus Löwenzahn. Eine Pusteblume als Rohstoff? Das klingt verrückt, ist es aber nicht. Wissenschaftler der Fraunhofer-Gesellschaft haben herausgefunden, dass Löwenzahn den Kautschuk, der in Autoreifen steckt, ersetzen kann. Diese Entdeckung könnte Reifenhersteller künftig von Preisschwankungen auf dem Rohstoffmarkt unabhängig machen. Für Professor Reimund Neugebauer, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, war der Löwenzahn-Kautschuk im vergangenen Jahr die wichtigste Innovation aus seinem Haus. Und davon gab es eine ganze Reihe.

Die Fraunhofer-Gesellschaft mit ihren 67 Instituten ist die führende Organisation für angewandte Forschung in Europa – und zählt zu den fleißigsten Patentanmeldern in Deutschland. 2013 kamen aus den Instituten 733 neue Erfindungen, mehr als 600 wurden zum Patent angemeldet. In seiner 65-jährigen Geschichte hat Fraunhofer mittlerweile tausende Patente angehäuft – die wohl bekannteste Erfindung: der mp3-Player.

Im vergangenen Jahr wuchs das Finanzvolumen der Gesellschaft um vier Prozent und lag damit erstmals über der Marke von zwei Milliarden Euro. Auch die Zahl der Mitarbeiter ist um mehr als 1000 auf 23 236 gestiegen. Getrieben wurde das Wachstum vor allem durch die Privatwirtschaft. „Die Nachfrage nach Innovationen ist gestiegen“, sagt Neugebauer. Insgesamt erreichten die Erträge aus der Privatwirtschaft mit 578 Millionen Euro 2013 einen neuen Höchststand.

Die Vertragsforschung ist das Kerngeschäft von Fraunhofer. Etwa 70 Prozent ihrer Erträge erwirtschaftet die Gesellschaft durch Auftragsforschung für die Wirtschaft und durch öffentlich finanzierte Forschungsprojekte. 30 Prozent des Haushalts werden durch Bund und Länder als Grundfinanzierung beigesteuert. Die Forschungs-Dienstleistungen von Fraunhofer sind weltweit gefragt. Im vergangenen Jahr stiegen die Auslandserträge um sieben Prozent. Besonders stark wuchs die Nachfrage in Asien (plus 19 Prozent), aber auch in Europa, Nord- und Südamerika machte Fraunhofer gute Geschäfte.

Ein wichtiger Aspekt in der Fraunhofer-Forschung sind Elektroniksysteme für die Stromnetze von morgen. Die Energiewende erfordere mehr als die Umstellung auf regenerative Energien, erläutert Professor Lothar Frey, Leiter des Fraunhofer-Instituts für integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB in Nürnberg und Erlangen. Um bis 2050 insgesamt 80 Prozent der Versorgung aus erneuerbaren Quellen zu ermöglichen, muss das Stromnetz umgestaltet werden, erklärt Frey. Daran arbeitet das IISB. Die Wissenschaftler liefern Lösungen für die gesamte Kette des Energiesystems – von Systemen für die Hochspannungsgleichstromübertragung bis zur Halbleitermaterialentwicklung.

Auf dem Weg zur Energiewende gibt es noch viel zu tun, betont Frey. „Es stehen auf mehreren Ebenen Veränderungen an – von den großen europäischen Stromnetzen über die Verteilnetze bis hin zu Industriebetrieben, Häusern und Elektrofahrzeugen.“ Besonders große Potenziale gebe es in Haushalten und Büros. Momentan werde hier bei der Umwandlung von Wechsel- in Gleichstrom mit ineffektiven Netzteilen noch viel Energie verschwendet. Ein Großteil des Stroms werde in nutzlose Wärme umgewandelt. Sinnvoller wäre es, im Gebäude zentral für Gleichspannung zu sorgen. Technisch ist das ohne weiteres möglich – ein von Fraunhofer entwickelter elektrischer Wandler in der Größe einer Milchtüte könnte sechs Einfamilienhäuser versorgen. Noch sind die Geräte allerdings zu teuer. Eine Umrüstung würde sich finanziell nicht rechnen.

Manuela Dollinger

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