Autoteile: Streit um Design-Prämie für Autoteile

München - Autoreparaturen könnten billiger werden. Doch die deutsche Politik blockiert eine entsprechende EU-Richtlinie. Sie schützt damit die Interessen der Autohersteller, die sich auch bei Reparaturteilen fürs Auto fürs Design bezahlen lassen wollen.

 Das Design eines Autos ist ein kostbares Gut. Es scheidet Kassenschlager von Ladenhütern. Keine Frage, dass Autohersteller an dieser Leistung verdienen wollen. Die entscheidende Frage ist, wie oft sie das dürfen.

Einmal beim ersten Verkauf des Autos, sagen ADAC, die EU-Komission und das EU-Parlament.

Immer wieder ist dagegen der Wunsch der Autoindustrie, die dabei von der deutschen und französischen Regierung unterstützt wird. Also auch dann, wenn ein Auto nach einem Schaden instand gesetzt werden muss.

ADAC-Präsident Peter Meyer argumentiert dagegen: "Es kann nicht sein, dass der Besitzer nach einem Unfall neben den Reparaturkosten auch ein weiteres Mal den Preis fürs Design berappen muss." In Europa herrscht in dieser Frage ein wildes Durcheinander: England oder Spanien haben den Ersatzteilehandel liberalisiert. Frankreich dagegen konfiszierte dagegen angebliche Raubkopien bereits einmal , als sie durchs Land ins liberale Spanien transportiert wurden.

In Deutschland gibt es rein formal den Designschutz auch für Ersatzteile. Doch die Hersteller tolerieren weitgehend, dass die Teile auch an ihnen vorbei gehandelt werden.

Erhebungen haben deutliche Preisvorteile für Ersatzteile in Ländern festgestellt, in denen der Handel liberalisiert wurde. Diese könnten noch deutlicher ausfallen, wenn es einen europaweiten Markt für diese Teile gäbe. Auf der Suche nach einer europäischen Lösung haben sich EU-Kommission und EU-Parlament auf die Seite der Verbraucher geschlagen, die Reparaturteile vom Designschutz ausnimmt. Frankreich und Deutschland blockieren mit den osteuropäischen Ländern diese Lösung.

Dabei geht es um viel Geld. 160 bis 260 Millionen Euro Kostenvorteil erwarten Experten durch eine Liberalisierung allein für Deutschland. Doch nicht nur das. Peter Strauch vom Poinger Ersatzteilriesen Stahlgruber sieht auch weitere Vorteile für die Autobesitzer: Sein Unternehmen beliefert Werkstätten bis zu dreimal täglich mit Ersatzteilen. Diese hohe Frequenz vermindert die Wartezeiten auf Ersatzteile und führt dazu, dass Reparaturen zügiger abgeschlossen sind.

Hier besteht ein Vorteil der freien gegenüber den markengebundenen Werkstätten. Die Hersteller achten heute schon peinlich genau darauf, dass ihre eigenen Partner nicht heimlich beim flinkeren freien Handel einkaufen. Sie argumentieren häufig auch mit Sicherheitsbedenken. Diese allerdings wurden von unabhängigen Untersuchungen zerstreut.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband hat die Bundesregierung aufgefordert, ihre Blockadehaltung zu Lasten der Verbraucher aufzugeben. Bisher erfolglos.

Die Autohersteller haben bisher die erfolgreiche Lobby-Arbeit geleistet. Die freie Ersatzteilbranche will nun endlich auch als Wirtschaftsfaktor von der Politik wahrgenommen werden. Insbesondere in Bayern. Neben Stahlgruber und 2400 Beschäftigten hat auch die größte freie Werkstatt- und Autoteilehandelskette ATU mit 15 000 Mitarbeitern ihre Zentrale im Freistaat.

Tendenz gerade auch im Inland steigend. Dazu kommen zahlreiche kleine freie Werkstätten, die durch eine Liberalisierung gestärkt würden, weil sie Teile nicht mehr bei der markengebundenen Konkurrenz kaufen müssen.

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