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Autoversicherung: Wechsel-Stichtag 30. November wankt

Die jährliche Abwerberunde in der Kfz-Versicherung steht vor dem Aus. Führende Assekuranz-Konzerne wollen den 30. November als Stichtag kippen.

Um diese Jahreszeit befällt Deutschlands Autofahrer traditionell ein Wechselfieber. Bislang enden Policen für eine Kfz-Versicherung branchenüblich mit dem Kalenderjahr und können zum 30. November gekündigt werden. Damit könnte demnächst Schluss sein, wenn sich Branchenführer Allianz durchsetzt. Seit Ende 2008 legen die Münchner den Tag eines Vertragsabschlusses als jeweiligen Kündigungsstichtag fest und finden damit immer mehr Nachahmer, stellt Assekuranz-Experte Michael Wortberg von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz fest.

Damit solle das Wechseln unterdrückt werden, bei dem die Allianz in den letzten Jahren regelmäßig zu den Verlierern gezählt hat. Wer sich selbst an seinen individuellen Kündigungstermin erinnern muss, vergesse das eben oft, warnt nicht nur Wortberg. Auch der ADAC und die Huk Coburg als hierzulande zweitgrößter Autoversicherer werfen Konkurrenten dieses Kalkül vor. Die Allianz mit 8,7 Millonen Kfz-Verträgen Nummer eins, setze auf das Vergessen und vermindere so den Wettbewerb. „Viele, die Geld sparen wollen, werden den Termin verpassen“, schätzt ADAC-Experte Jochen Oesterle. Huk und der ADAC, der selbst Kfz-Versicherungen anbietet, wollen beim 1. Januar als Stichtag bleiben. Beide haben im Gegensatz zur Allianz zuletzt in der Regel mehr Kfz-Kunden gewonnen als ihnen von der Konkurrenz zum Jahresende abgenommen worden ist.

Die Allianz sieht indessen keine Fesseln für den Wettbewerb. Man lasse Kunden die Wahl, ob sie das Jahresende oder den Tag des Vertragsabschlusses als Stichtag haben wollen, betont Sprecher Christian Weishuber. Vorbelegt sei auf den eigenen Formularen allerdings der Tag der Vertragsunterzeichnung, was ein Drittel aller Neukunden bislang so akzeptiert hätten. Der Branchenführer argumentiert mit einer kostensenkenden Entzerrung des Wechselgeschäfts. Die Allianz wolle weg von der jährlichen Abwerberunde, die sich nur am Preis orientiere und mit Verbrauchern über Leistung und Inhalte sprechen, räumt Weishuber aber auch ein. Dieser Wettbewerb könne dann gerne das ganze Jahr über stattfinden.

Fakt ist, dass derzeit jährlich drei bis vier Millionen Autofahrer zum 30. November ihre Kfz-Versicherung wechseln. Zu 80 Prozent kündigen Autofahrer ihre Police wegen dem Preis, hat das Finanzportal Finance Scout 24 ermittelt. Drei Viertel aller deutschen Autofahrer hätten ihre Versicherung schon einmal gewechselt, jeder Fünfte mehrmals. Das wirkt weit über eine Kfz-Police hinaus. „Sie sind der Türöffner zur Haustür des Kunden“, sagt Wortberg. Sei ein Verbraucher erst einmal mit einer Kfz-Police unter Vertrag, folgten oft weitere Versicherungen. Deshalb nimmt es die Branche in Kauf, dass sie mit Autos seit Jahren rote Zahlen schreibt.

Verbraucher hätten dagegen das Nachsehen, wenn der Stichtag 30. November branchenweit kippt, kritisiert Wortberg. Zugleich warnt er Fahrzeughalter vor übereiltem wechseln. Langjährige Fahrer mit hohem Schadenfreiheitsrabatt könnten oft nur ein paar Euro per annum sparen. Wer von seiner Versicherung guten Service gewohnt sei, solle bei ihr bleiben. Vor allem viele Billiganbieter seien bei der Regulierung eines Schadens mangelhaft. Anders liege der Fall bei Fahranfängern. Dort lägen die Unterschiede von Anbieter zu Anbieter bisweilen bei einigen hundert Euro. Hier mache ein Wechsel öfter Sinn.

von Thomas Magenheim-Hörmann

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