Aventis: Warum der Pharmariese sich einem Kleineren beugen muss

- Straßburg - Der Angriff trifft einen weit Stärkeren. Doch trotz deutlicher Überlegenheit auf dem Papier hat der Attackierte wenig Chancen, sich zu wehren. Obwohl der deutsch-französische Pharmakonzern Aventis fast doppelt so groß ist wie die französische Sanofi, hat diese beim Plan einer feindlichen Übernahme die besseren Karten. Es bleibt Aventis nur die Hoffnung auf einen weißen Ritter.

<P>Eigentlich ist der Vergleich eine klare Sache: 15,5 Milliarden Euro Umsatz gegenüber 7,5 Milliarden, 71 000 Beschäftigte gegenüber 32 000 und eine Marktkapitalisierung von 49 Milliarden Euro gegenüber 40 Milliarden. Doch die kleinere Sanofi hat einen unschätzbaren Vorteil: Zwei Großaktionäre, L'Oré´al und Total, verfügen zusammen über rund 44 % des Sanofi-Kapitals, haben dabei aber eine Stimmenmehrheit von 63 %. Ein Gegenangriff ist also zwecklos.<BR><BR>Dennoch schließt das Aventis-Management ein Gegenangebot nicht aus. Priorität hat aber die Suche nach einem weißen Ritter: Ein anderer Konzern soll die Franzosen mit einem deutlich höheren Angebot ausstechen. Der Schweizer Novartis-Konzern wird häufig genannt, doch auch die britische Glaxo-Smith-Kline sowie der Weltmarktführer Pfizer aus den USA. Glaxo-Smith-Kline mit einem Umsatz von 27 Milliarden Euro könnte mit den 15,5 Milliarden von Aventis Pfizer (40,3 Milliarden) rechnerisch in dieser Hinsicht hinter sich lassen. Umgekehrt wäre Pfizer mit Aventis zusammen doppelt so umsatzstark wie die Nummer zwei.<BR><BR>Gelingt dagegen den Franzosen der geplante Coup, entstünde (wenn man Reibungsverluste vernachlässigt) eine starke Nummer drei auf dem Weltmarkt, die Merck mit 21,6 Milliarden Euro von diesem Platz verdrängen könnte.<BR><BR>Es gilt dabei als gesichert, dass Synergieeffekte vor allem zu Lasten deutscher Arbeitsplätze gehen würden. Die von Sanofi geplanten 16 Milliarden Einsparungen werden bereits in 12 000 Arbeitsplätze umgerechnet, die gefährdet sind. Doch auch ein "Retter" würde nicht auf entsprechende Einsparungen verzichten.<BR><BR>Am liebsten wäre es Aventis deshalb, allein weitermachen zu können. Allerdings hängt viel davon ab, ab welcher Grenze der mit Abstand größte Aventis-Aktionär schwach wird: Das ist die Kuwaiti Petroleum Corporation (KPC) mit 13,5 %, die zur geplanten Übernahme bisher Nein sagt. Das Sanofi-Angebot über 46 Milliarden Euro liege nicht im Interesse des Konzerns, heißt es.<BR>Das bedeutet aber: Nachbesserungen könnten wirken. Immerhin haben die Kuwaitis auch ein Übernahmeangebot für Celanese angenommen der - neben Aventis -zweiten Nachfolgefirma der ehemaligen Hoechst AG.<BR><BR>Sanofi steht unter Zeitdruck. Denn die Haltefrist der beiden Großaktionäre, derzeit noch ein Bollwerk gegen jede Übernahme, fällt im Dezember weg - dann kann auch der derzeitige Angreifer Attacken nichts mehr entgegensetzen.<BR></P>

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