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Ein Schild vor der AWD-Hauptverwaltung in Hannover heißt Besucher willkommen.

AWD: Schon früher Datenleck

Hannover - Die am Freitag bekanntgewordene Entwendung von 27 000 Datensätzen bei AWD war nicht die erste Datenpanne beim Finanzdienstleister. 

Über eine anonyme AWD-kritische Internetseite seien Abrechnungen von knapp 1500 Handelsvertretern des Finanzdienstleisters verbreitet worden, sagte AWD-Sprecher Stefan Suska am Samstag in Hannover und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung Neue Westfälische (Bielefeld).

Die Listen mit Kontoständen und Umsätzen stammen nach Angaben von Suska vom Juli 2003 und Januar 2004 und seien nicht mehr aktuell. Schon im Sommer 2007 sei Anzeige erstattet worden, die Staatsanwaltschaft Hannover habe aber die Ermittlungen wegen mangelnder Erfolgsaussichten eingestellt.

Die damals verbreiteten Tabellen enthielten die Nummer der selbstständig arbeitenden Handelsvertreter, Namen und Vornamen, Datum des Firmeneintritts, Vergütungsstufe, Büronummer, Kontokorrent-Konten, Stornoreserven, Darlehen, Vorschüsse und monatliche Einnahmen, erklärte der Sprecher. Es handele sich in diesem Fall aber nicht um Kundendaten. Die betroffenen Büros seien damals über das Datenleck informiert worden.

“Der Vorgang zeigt, dass ein wirksamer Schutz von Daten seine Grenzen in der kriminellen Energie von Menschen findet“, sagte Suska.

Die Internetseite werde über einen Server in den USA betrieben und nur durch Ermittlungen dort könnten Hinweise auf den Täter erlangt werden, begründete die Staatsanwaltschaft die Verfahrenseinstellung damals laut AWD. “Aus zahlreichen anderen Ermittlungsverfahren ist jedoch bekannt, dass Rechtshilfeersuchen in die USA nicht erfolgversprechend sind.“

Am Freitag hatte der Hörfunksender NDR Info gemeldet, ihm seien insgesamt 27 000 Datensätze von AWD-Kunden zugespielt worden. Diese enthielten Kundennummer, Adresse, Telefonnummer, Berufsbezeichnung, Geburtstag und die Vertragsabschlüsse der einzelnen Kunden. Daraus sei unter anderem ersichtlich, welche Kunden eine Lebensversicherung abgeschlossen und wie viel Geld sie angelegt haben.

AWD teilte am Samstag mit, nach neuesten Erkenntnissen seien von dem Diebstahl der Daten keine Kunden betroffen, die nach 2001 Verträge über AWD abgeschlossen hätten. Zunächst hatte der Finanzdienstleister das Jahr 2002 genannt.

Bislang sei AWD nur ein kleiner Teil der betroffenen Kunden bekannt. Zu ihnen sei unverzüglich Kontakt aufgenommen worden. AWD bitte den NDR deshalb, “dass dieser unter Wahrung des Informantenschutzes die in seinem Besitz befindlichen AWD-Kundendaten der Staatsanwaltschaft Hannover übergibt“. Es sei nicht geplant, die Daten herauszugeben, hieß es am Samstag von Seiten des Senders. Die Anonymität des Informanten sei sonst gefährdet.

In einem Interview mit NDR Info erklärte Thomas Hagen von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein am Samstag, niemand wisse, ob die entwendeten Daten “nicht illegal auch noch sonst wo hingewandert sind“. Die betroffenen Menschen “leben immer mit der Ungewissheit, dass sie nicht wissen, wer diese Daten irgendwann in den Händen hat“, sagte er.

dpa

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