Babcock verklagt Großwerft HDW

- Düsseldorf - Die insolvente Oberhausener Babcock Borsig AG hat die Kieler Großwerft HDW auf Zahlung von 524 Millionen Euro verklagt. Der US-Investor One Equity Partners (OEP) habe bei der Übernahme der Mehrheit an HDW von Babcock die Zahlung des Kaufpreises durch eine trickreiche Konstruktion umgangen und dabei das deutsche Aktienrecht verletzt, begründete Babcock-Anwalt Alexander Loos vor dem Düsseldorfer Landgericht die Forderung des Oberhausener Unternehmens.

HDW-Anwalt Gerd Schäfer wies die Vorwürfe entschieden zurück und warf dem Babcock-Insolvenzverwalter vor, für die Beteiligung an der Werft zwei Mal kassieren zu wollen. Einmal durch die damals vereinbarte Schuldenentlastung und nun durch die geforderte Barzahlung. Hinter One Equity Partners stehe eines der renommiertesten Bankinstitute der USA, und ohne die Unterstützung des Investors "gäbe es die HDW heute gar nicht mehr", sagte der Jurist. Nur durch die vom US-Investor zur Verfügung gestellten Kreditlinien in Milliardenhöhe habe HDW überleben können, statt im Strudel des Babcock-Konkurses unterzugehen.Babcock Borsig hatte 2002 seine Mehrheit an HDW in zwei Tranchen an das US-Unternehmen OEP verkauft. Dabei floss aber kaum Bargeld. Stattdessen übernahmen die Amerikaner die Schulden in Höhe von mehr als 500 Millionen Euro, die Babcock bei der eigenen Konzerntochter hatte.Dabei wählte das Beteiligungsunternehmen eine Form, die nun vom Insolvenzverwalter heftig attackiert wird. OEP habe den 500-Millionen-Euro-Deal von einer Tochtergesellschaft abwickeln lassen, die gerade einmal mit 25 000 Euro Kapital ausgestattet gewesen sei. Später sei "dieser verschuldete Habenichts" dann mit der HDW verschmolzen worden, sodass die Werft den Kaufpreis letztlich habe selbst tragen müssen. "Das Ergebnis war, dass der US-Investor für dieses Aktienpaket nichts gezahlt hat", sagte Loos. Bei alledem sei eindeutig gegen das deutsche Aktienrecht verstoßen worden. Da die Schulden dadurch nie erstattet worden seien, habe nun der Insolvenzverwalter ein Anrecht auf den Betrag.

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