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Für eine gute Entwicklung brauchen Babys ausgewogene, gesunde Nahrung. Viele Milchgetreidebreie enthalten allerdings zu viel Zucker – das ergab ein Test der Zeitschrift „Öko-Test“. foto

Zu viel Zucker

Babybrei schneidet bei Test erschreckend ab

München - Gesund soll sie sein. Und naturbelassen. Zucker? Nein danke. Am besten Bio. Die Rede ist von Babynahrung. "Öko-Test" hat 12 Milchgetreidebreie getestet – mit überraschenden Ergebnissen. Die beste Note im Test war „ausreichend“.

Gesunde Ernährung ist wichtig für das Wachstum von Babys. Dickmachenden Zucker und Schadstoffe wollen Eltern ihrem Nachwuchs nicht servieren. Das Verbrauchermagazin „Öko-Test“ hat deshalb fünf Biobreie und sieben herkömmliche Milchgetreidebreie für Kinder ab fünf Monaten getestet. Im Mittelpunkt stand die Zuckeranalyse. Denn zu süße Nahrung konditioniert auf Zucker und führt im schlimmsten Fall zu Fettleibigkeit und Karies, sagen Experten. Fast alle getesteten Produkte enthielten laut Öko-Test zu viel Zucker, einige sogar schädliche Fette und Reinigungsmittelrückstände.

Bio ist nicht besser

Für das Baby nur das Beste. So denken viele Eltern und kaufen Bio. Das Testergebnis von Öko-Test zeigt aber, dass Bio nicht immer besser ist. „Viele Biohersteller verwenden Maltodextrin zum Süßen“, sagt Heidrun Schubert von der Verbraucherzentrale Bayern. Maltodextrin ist ein Kohlenhydratgemisch, das Karies verursachen kann. Die getesteten Biobreie waren bis auf das Produkt von Hipp mit Maltodextrin gesüßt.

Getestet wurden die Biobreie Alnatura Dinkel Milchbrei, Babylove Bio Milchbrei Grieß, Hipp Bio-Milchbrei Kindergrieß, Babydream Bio Milchbrei Grieß und Holle Bio-Milchbrei Hirse. Die Produkte von Alnatura, Hipp und Babylove bekamen das Ergebnis „mangelhaft“, die anderen beiden „ungenügend“. Bis auf Alnatura und Holle war der Zuckergehalt laut Test in allen Bioprodukten zu hoch.

Herkömmliche Breie im Test waren Aptamil Milchbrei Weizen-Hirse-Hafer, Nestlé Beba Milchbrei mit Vollkorn (beide „ausreichend“), Bebivita Milchbrei Grieß, Humana Milchbrei Grieß, Milasan Milchbrei Grieß, Nestlé Alete Milchbrei Grießbrei (alle „mangelhaft“) und Milupa Grießbrei mit Milch („ungenügend“). Bis auf Humana Milchbrei enthielten alle mehr Zucker als nötig, viele hatten Aromen zugesetzt. Ein Brei hatte doppelt soviel Zucker pro Portion wie von Experten empfohlen, schreiben die Tester in der April-Ausgabe der Zeitschrift „Öko-Test“.

Zuckergehalt

22 Gramm Zucker pro Portion enthält der getestete Milupa Grießbrei. Zum Vergleich: Ein selbst angerührter Babybrei aus 200 Millilitern Vollmilch, 20 Gramm Vollkorn-Getreide(flocken) oder Grieß und zwei Esslöffeln Fruchtsaft hat gerade einmal 12 Gramm Zucker. Das ist die Menge, die Experten empfehlen. Babynahrung muss nicht übersüßt sein. „Babys haben viel sensiblere Geschmacksnerven. Was für uns mild schmeckt, kann für sie hoch intensiv sein“, sagt Schubert. Der Haushaltszucker Saccharose ist den getesteten Produkten von Bebivita, Humana, Nestlé und Milupa (Griesbrei) zugesetzt. Im Babydream Bio Milchbrei Grieß wurde Traubenzucker (Glucose) zugefügt. Weniger kritisch sieht Schubert die Süße, die vorgegartes (sogenanntes aufgeschlossenes) Getreide bietet. Sie rät nicht von Fertigbreien ab, sondern zu solchen aus „aufgeschlossenem Getreide wie Hirse, Reis und Mais in Kombination mit Obstgläschen, einer zerdrückten Banane oder geriebenem Apfel.“ Und: „Babys brauchen eigentlich nichts zusätzlich zu Milch, Getreide und Obst.“

Fette

Erhöhte Mengen von schädlichen Fetten fanden die Tester in den Breien von Alnatura und Holle. Es ist bekannt, dass Biohersteller noch häufiger Palmfett einsetzen als konventionelle Hersteller. Palmfett ist besonders mit schädlichen Fettsäuren belastet.

Reinigungsmittel

Alle getesteten Biobreie enthielten laut Öko-Test Rückstände von Reinigungsmitteln mit sogenannten quartären Ammoniumverbindungen (QAV). Bis 2012 wurden diese unter anderem in der Milchgewinnung und -verarbeitung eingesetzt. Während konventionelle Hersteller längst umgestellt haben, hinken die Hersteller von Bioprodukten hinterher – geloben aber laut Öko-Test Besserung.

Aromen

Zwei Drittel der getesteten Breie waren mit Aromen wie Vanilleextrakt versetzt. „Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass Probanden, die in der Kindheit Vanillearoma zu sich nahmen, auch im Erwachsenenalter zu aromatisierten Nahrungsmitteln greifen. Man zieht sich da also die Kunden der Zukunft an“, sagt Schubert. Sie appelliert, darauf zu achten, dass Babynahrung keine Aromastoffe enthält: „Säuglinge brauchen nicht das gesamte Spektrum an Geschmacksrichtungen.“

Verpackung

Häufig ist die Zutatenliste auf der Verpackung laut Öko-Test unverständlich. „Wenn ich eine weitere Liste zum Verständnis des Verpackungsinhalts brauche, ist das nicht in Ordnung“, sagt Schubert. Sauer aufgestoßen ist den Testern auch der Hinweis „ungesüsst“ auf dem Produkt von Holle, da Maltodextrin enthalten ist.

Kritik

Hipp, dessen Bio-Milchbrei Kindergrieß getestet wurde, wehrte sich umgehend gegen das Urteil. „Dem Brei ist kein Zucker zugesetzt“, schreibt das Unternehmen in einer Mitteilung. Der enthaltene Zucker stamme ausschließlich aus natürlichen Getreide- und Milchzutaten. Auch angebliche Deklarationsmängel seien nicht gerechtfertigt.

Der Bundesverband der Hersteller von Lebensmitteln für eine besondere Ernährung (Diätverband) kritisiert, dass Öko-Test Produkte in fragwürdiger Weise abwerte, die mehr als die empfohlenen 12 Gramm Zucker enthalten. Auch ein selbst zubereiteter Getreidemilchbrei mit Banane enthalte über 12 Gramm.

So wurde getestet

Die Tester haben das Ergebnis bei hohem Zuckergehalt abgewertet. Geringe Abzüge gab es bei Maltodextrin. Fettschadstoffe sowie der Einsatz von Aromen und Gewürzen verschlechterten das Ergebnis zusätzlich.

Von Katharina Selle

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