"Bad Landesbank" im Gespräch

München - Im Landesbanken-Lager drängen offenbar Kräfte darauf, riskante Wertpapiere im Wert von einigen hundert Milliarden Euro in eine gemeinsame "Bad Bank" auszulagern.

Eine Sprecherin des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands in Berlin bestätigte auf Nachfrage unserer Zeitung entsprechende Überlegungen, von denen die "Financial Times Deutschland" (FTD) berichtet hatte. Nach ihren Worten finden derzeit aber "keine belastbaren Planungen" statt. Die Sparkassen sind unterschiedlich stark bei den deutschen Landesbanken engagiert.

Angedacht ist ein Vehikel, das alle kritischen Anleihenbestände der Institute aufnehmen soll. Dabei handelt es sich Schätzungen zufolge um ein Volumen von bis zu 600 Milliarden Euro. Die Papiere sollen weiterhin jeder Landesbank zuzuordnen sein. Das nötige Kapital sowie Bürgschaften soll den Plänen zufolge der staatliche Rettungsfonds Soffin bereitstellen. "Dies wäre eine raffinierte Methode der Refinanzierung", zitierte die FTD eine anonyme Quelle. Eine Sprecherin des Soffin wollte sich am Dienstag nicht zu den Plänen äußern.

Eine übergreifende "Bad Bank" könnte den angeschlagenen Landesbanken mehr Sicherheit geben. Weitere Kursverluste der momentan wenig begehrten Wertpapiere würden die Geschäftszahlen nicht beeinträchtigen. Im letzten Jahr hatten solche Effekte unter anderem die BayernLB, die WestLB, die HSH Nordbank und die Landesbank Baden-Württemberg in existenzielle Nöte gebracht. Die Geldhäuser mussten Milliardenverluste verkraften.

Unklar ist, ob eine "Bad Bank" von allen acht Landesbanken gewünscht wird. So hatte die BayernLB im Dezember ein Rettungskonzept präsentiert, demzufolge der Freistaat und die Bundesregierung mit Garantien und Kapitalspritzen das Überleben des Instituts sichern. Akuter Bedarf an einer übergreifenden Lösung besteht in München deshalb nicht. Aktuell gebe es keine Überlegungen oder Festlegungen in Richtung einer gemeinsamen "Bad Bank", teilte ein Sprecher des Bayerischen Finanzministeriums mit.

Bei anderen Landesbanken ist das Rettungskonzept allerdings noch nicht in trockenen Tüchern. Allen voran der WestLB in Düsseldorf, die bereits ein Portfolio mit einem Nennwert von mehr als 20 Milliarden Euro ausgelagert hat, wird deshalb in Branchenkreisen Interesse an einer übergreifenden "Bad Landesbank" nachgesagt.

Florian Ernst

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