"Bärenstark": Experten bejubeln Deutschlands Wirtschaftskraft

Wachstum: - München ­- Die deutsche Wirtschaft hat selbst Skeptiker überrascht. Mit einem Wachstum von 2,7 statt der berechneten 2,5 Prozent hat der Aufschwung 2006 alle Erwartungen übertroffen. Ökonomen sprechen von einem "fantastischen Jahr" und einem "bärenstarken Ergebnis" ­ dem zweitbesten seit der Wiedervereinigung. Der Schwung schwappt ins neue Jahr und verbessert auch die Aussichten für 2007.

Die zu Jahresbeginn erhöhte Mehrwertsteuer hat wohl keinen Konsumschock ausgelöst. Der Aufschwung wird über die Delle hinwegbrausen und 2008 wieder für deutlich mehr als zwei Prozent Wachstum sorgen, hieß es. Wegen der überschäumenden Stimmung haben die meisten Volkswirte ihre Prognosen angehoben ­ auch 2007 ist die Zwei vor dem Komma in greifbarer Nähe. Aber es gibt Risiken.

"Der Aufschwung wird sich fortsetzen, wenn auch auf einem etwas niedrigeren Niveau. Dabei bleibt das ,Auf’ erhalten, und der ,Schwung’ geht etwas verloren", sagte der Präsident der Deutschen Bundesbank, Axel Weber. Rund 20 Milliarden Euro hat die Mehrwertsteuererhöhung den Verbrauchern aus der Tasche gezogen ­ das entspricht einem Prozent des Wachstums, das nun fehlt.

Der Aufschwung fällt nicht ganz so brillant aus wie zur Wiedervereinigung oder im Boomjahr 2000. Klar ist aber: Nach langer Durststrecke befindet sich die Wirtschaft in einem mehrere Jahre dauernden Aufschwung. Die Mehrwertsteuererhöhung von 16 auf 19 Prozent hat ihren Schrecken verloren. "Die vorgezogenen Käufe zum Jahresende sind geringer ausgefallen als erwartet ­ entsprechend fehlt auch weniger Konsum zum Jahresbeginn 2007", sagt der Deutschland-Chefvolkswirt der Unicredit, Andreas Rees.

Die Ökonomen erwarten eine rasche Erholung des privaten Verbrauchs. Nach Daten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) haben die Verbraucher ihre Kauflaune im Januar nicht verloren. "Es sieht so aus, dass der Januar 2007 besser gelaufen ist als der Januar 2006", sagt GfK-Vorstandschef Klaus Wübbenhorst. Nur der Autoabsatz sei wegen Vorzieheffekten deutlich gesunken ­ dagegen wurden Textilien und Elektronik besser verkauft. Anlass zum Optimismus gibt der Konsum, der mit zwei Dritteln das größte Stück der Bruttoinlands-Torte ausmacht. Die Arbeitslosigkeit soll im Durchschnitt dieses Jahres unter 4 Millionen sinken.

Das Stimmungsbarometer des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) kletterte im Februar im Vergleich zum Vormonat um 6,5 Punkte und liegt nun bei 2,9 Punkten. "Die Aufwärtsbewegung signalisiert, dass die deutsche Konjunktur in der zweiten Hälfte dieses Jahres wieder an Fahrt gewinnen dürfte", teilte das ZEW mit.

"Die Reformen der Politik zeigen Wirkung, die Unternehmen stellen wieder ein", sagt der Chefvolkswirt von Dresdner Bank und Allianz, Michael Heise. Wer aus der Arbeitslosigkeit heraus einen Job finde, habe als Konsument Nachholbedarf und gehe auf Einkaufstour. Auch die niedrigen Energiepreise würden das Budget der Haushalte entlasten.

"Deutschland hat die rote Laterne beim Wachstum abgegeben und Anschluss an den Euroraum gefunden ­ das ist ein Riesenerfolg", sagt der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer. Der Standort sei dank geringer Lohnsteigerungen attraktiver geworden, die Firmen hätten mit Kosteneinsparungen ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessert.

Risiken sind aber vorhanden. Die Weltwirtschaft ist schwächer geworden und wird die deutschen Exporte 2007 nicht mehr so stark wachsen lassen wie im Vorjahr. Zu hohe Lohnsteigerungen, ein zu starker Euro oder ein plötzlicher Anstieg der Ölpreise könnten den Aufschwung gefährden.

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