BaFin untersagt Leerverkäufe von elf Finanztiteln

Bonn (dpa) - Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat angesichts der Finanzkrise Leerverkäufe der Aktien von elf im DAX- und MDAX gelisteten Unternehmen der Finanzbranche vorübergehend untersagt.

Das Verbot des Verkaufs von geliehenen Aktien (short selling) gelte von diesem Samstag, dem 20. September ab 00.00 Uhr bis zum Jahresende, teilte die BaFin am Freitagabend in Bonn mit. Es werde laufend überprüft. Der Bundesverband Deutscher Banken sprach von einem "richtigen, wichtigen Schritt."

Betroffen von dem Verbot sind Papiere von Aareal Bank, Allianz, AMB Generali Holding, Commerzbank, Deutsche Bank, Deutsche Börse, Deutsche Postbank, Hannover Rückversicherung, Hypo Real Estate, MLP, und Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft.

Zuvor hatten auch die Aufsichtsbehörden der USA und Großbritanniens ein weitreichendes Verbot von Leerverkäufen erlassen. Diese haben nach Auffassung von Börsenexperten unter anderem zur Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers beigetragen.

Die BaFin begründete diesen Schritt mit den jüngsten Entwicklungen an den weltweiten Kapitalmärkten. "In der derzeitigen Marktsituation kann Shortselling Finanzunternehmen in den Untergang treiben", erläuterte BaFin-Präsident Jochen Sanio laut Mitteilung. Dieser Gefahr müsse man konsequent entgegentreten, darin seien sich die Wertpapieraufseher der wichtigsten Märkte einig.

Wie das Bundesfinanzministerium mitteilte, ist nach den jüngsten Entwicklungen an den weltweiten Kapitalmärkten, insbesondere dem Zusammenbruch mehrerer international bedeutender Banken, eine außergewöhnliche Volatilität an den Kapitalmärkten zu beobachten. Diese betreffe vor allem Aktien von Kreditinstituten, Börsenbetreibern, Versicherungsunternehmen und weiteren Unternehmen der Finanzbranche, erklärte Ministeriumssprecher Torsten Albig. Ein Einwirken auf die Marktpreise von Unternehmen der Finanzbranche führe zu exzessiven Preisbewegungen, welche die Stabilität des Finanzsystems gefährden könnten und somit zu erheblichen Nachteilen für den Finanzmarkt führen könnten.

Der Bundesverband Deutscher Banken begrüßte die Entscheidung. Hauptgeschäftsführer Manfred Weber sagte im Deutschlandradio Kultur, die Spekulation auf sinkende Aktien bestimmter Marktteilnehmer sei zwar "an und für sich nichts Verwerfliches". Aber in der jetzigen angespannten Situation könnten Leerverkäufe ein Finanzinstitut in zusätzliche Schwierigkeiten bringen. Ein generelles, dauerhaftes Verbot wäre allerdings überzogen, betonte der Finanzexperte. Beim short selling setzen Investoren auf fallende Kurse. Geliehene Aktien werden verkauft und später zu einem niedrigeren Kurs wieder zurückgekauft. Die Differenz abzüglich der Leihgebühr ist der Gewinn.

Rechtsgrundlage der BaFin-Entscheidung sei das Wertpapierhandelsgesetz, teilte die Aufsichtsbehörde mit. Danach habe die man Missständen entgegenzuwirken, die erhebliche Nachteile für den Finanzmarkt bewirken könnten. Die BaFin könne "Anordnungen treffen, die geeignet und erforderlich sind, diese Missstände zu beseitigen oder zu verhindern", hieß es.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Ryanair geht nach Streikdrohung auf Piloten zu
Ryanair-Chef Michael O'Leary hat sich gern als Gewerkschaftsfresser gegeben. Weil nun Streiks in der verkehrsreichen Weihnachtszeit in ganz Europa drohen, legt der Ire …
Ryanair geht nach Streikdrohung auf Piloten zu
Bahn lässt ICE-Züge wegen Winterwetters langsamer fahren
Seit einer Woche kämpft die Bahn gegen Probleme auf ihrer Neubaustrecke. Damit das Wetter am Wochenende nicht noch mehr Ärger macht, ergreift der Konzern bundesweit …
Bahn lässt ICE-Züge wegen Winterwetters langsamer fahren
Continental will bald mit Elektroantrieben Gewinn machen
Autozulieferer Continental will beim Siegeszug der Elektroantriebe rechtzeitig mitmachen. Der 48-Volt-Diesel-Hybrid soll schon bald Geld verdienen.
Continental will bald mit Elektroantrieben Gewinn machen
Amazon legt Italien-Steuerstreit mit 100 Millionen Euro bei
Rom (dpa) - Der Online-Versandhandelskonzern Amazon will nach Angaben der italienischen Steuerbehörde seinen Streit mit Rom mit einer Zahlung von 100 Millionen Euro …
Amazon legt Italien-Steuerstreit mit 100 Millionen Euro bei

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion