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Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn (DB) AG hat den Vorstandschef des Bereichs Personenfernverkehr, Nikolaus Breuel, von seinem Amt entbunden.

Bahn bestätigt Abschied von Fernverkehrschef

Berlin - Der Vorstandschef der Bahn-Tochter DB Fernverkehr AG, Nikolaus Breuel, muss seinen Posten räumen. Der 50-jährige Manager verlasse die Deutsche Bahn, bestätigte der Konzern am Mittwoch.

Über die Nachfolge entscheide der Aufsichtsrat der DB Fernverkehr AG am Freitag. Die Trennung zum 12. November erfolge in gegenseitigem Einvernehmen, “über die Gründe wurde Stillschweigen vereinbart“, erklärte die DB AG. Breuel war seit 1993 bei der Bahn tätig. Vorstandschef der DB Fernverkehr war er seit 2004. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd soll Berthold Huber, zurzeit Personalvorstand des Schwesterunternehmens DB Netz AG, Breuels Nachfolge antreten. Mit Breuel, dem Sohn der CDU-Politikerin Brigit Breuel, müssen laut Aufsichtsratskreisen auch zwei der drei weiteren Vorstandsmitglieder der DB Fernverkehr AG gehen. Dazu nahm das Unternehmen am Mittwoch nicht Stellung. Es verwies statt dessen auf die außerordentliche Aufsichtsratssitzung am Freitag.

Bahnchef Rüdiger Grube lobte Breuel: “Es ist sein Verdienst, gemeinsam mit seiner Mannschaft den Fernverkehr nachhaltig in die schwarzen Zahlen geführt zu haben.“ Die Personalie wurde in Bahnkreisen als Konsequenz aus der Pannenserie der letzten anderthalb Jahre im Fernverkehr gewertet. Es wurde aber auch darauf hingewiesen, dass die Chemie zwischen Grube und Breuel nicht stimme. Breuel wurden etwa vor anderthalb Jahren, als der Stuhl von Grubes Vorgänger Hartmut Mehdorn wegen der Bespitzelungs-Affäre zu wackeln begann, Ambitionen auf den Posten des Bahnchefs nachgesagt. Inhaltlich gab es seit einigen Wochen heftige Auseinandersetzungen um das Qualitätsprogramm, mit dem im bevorstehenden Winter Ausfälle beim Fernverkehr vermieden werden sollen.

ICE-Betrieb “auf Kante“

Zurzeit fährt der ICE- und IC-Betrieb wegen der häufigen Untersuchungsintervalle der Radsätze “auf Kante“. Das heißt, es gibt keinerlei Reserven bei Zugausfällen. Daraus folgt wiederum, dass immer wieder Züge mit kleinen Fehlern - wenn auch nicht im sicherheitsrelevanten Bereich, wie in den Bahnkreisen betont wurde - auf den Weg geschickt werden. Grube und sein Personenverkehrsvorstand Ulrich Homburg hatten unter anderem deshalb vor einigen Wochen bei der Präsentation des Qualitätsprogramms erklärt, sie wollten Züge von ausländischen Bahnen anmieten, um die Engpässe wenigstens teilweise abfedern zu können. Im Jahr 2009 erzielten die rund 15.000 Mitarbeiter des DB Fernverkehr Umsätze in Höhe von 3,56 Milliarden Euro.

Der Gesamtumsatz der DB Mobility Logistics lag bei knapp 30 Milliarden Euro. Täglich fahren 1.300 Intercity und ICE-Züge, die im vergangenen Jahr 122,7 Millionen Fahrgäste beförderten. Die Fernverkehr AG ist eine 100-prozentige Tochter der DB Mobility Logistics AG, in deren Vorstand Homburg für den gesamten Personenverkehr zuständig ist. Er ist auch Aufsichtsratsvorsitzender der DB Fernverkehr AG. Homburg war vor der Neubesetzung des Konzernvorstandes 2009 Chef von DB Regio, der Nah- und Regionalverkehrstochter der Bahn. Die Passagiere im Fernverkehr haben seit rund anderthalb Jahren unter der Knappheit an Zügen durch die Materialfehler an Achsen der ICE-3-Züge zu leiden. Dazu kamen Empfindlichkeiten der Triebzüge durch Schnee im Winter sowie der spektakuläre Ausfall von Klimaanlagen im Sommer. All das hat dem Image des DB-Fernverkehrs schwer geschadet.

dapd

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