Bahn braucht neuen Aufsichtsratschef

- Hannover/Berlin - Die Bundesregierung muss sich auf die Suche nach einem neuen Aufsichtsratschef für die Deutsche Bahn machen. Der bisherige Vorsitzende des Kontrollgremiums, TUI-Chef Michael Frenzel, gibt den Posten ab, wie ein Sprecher des Reisekonzerns am Donnerstag auf Anfrage sagte. Gründe wurden nicht genannt. In den vergangenen Wochen hatte es jedoch Krach um den Verkauf der TUI-Kesselwagentochter VTG nach Frankreich gegeben, um die sich auch die Bahn beworben hatte.

Der Amtsverzicht des 58-jährigen Frenzel kam überraschend. Zuletzt hatte es aber auch Spekulationen gegeben, dass der Vertraute von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) bei einem Regierungswechsel in Berlin sein Amt womöglich abgeben müsse. Auch über die Zukunft von Bahnchef Hartmut Mehdorn wird spekuliert. Frenzel war seit März 2001 Aufsichtsratschef bei der Bahn, die zu 100 Prozent im Besitz des Bundes ist. Er folgte damals auf Dieter Vogel, der zuvor nach Querelen zurückgetreten war. Die Bahn wollte sich zu dem Verzicht Frenzels nicht äußern.Die TUI hatte im Rahmen der Umstrukturierung zum reinen Logistikund Reisekonzern vor einigen Wochen den Kesselwagen-Vermieter VTG nach Frankreich verkauft. Die Bahn hatte dies scharf kritisiert und Kartellbeschwerde angekündigt. Die Franzosen würden den europäischen Markt dominieren, und dem deutschen Schienengüterverkehr drohe eine erhebliche Schwächung.Frenzel hatte schon vor dem VTG-Verkauf gesagt, er selbst werde sich persönlich nicht an der Entscheidung beteiligen, um einer Interessenkollision vorzubeugen. Die TUI hatte zudem stets betont, der Zuschlag gehe an den Meistbietenden.Bei der anstehenden Neuwahl des Bahn-Aufsichtsrats am 5. Juli will sich Frenzel nicht erneut zur Verfügung stellen. Aus dem Gremium mit 20 Mitgliedern scheiden dann auch drei weitere Aufsichtsräte aus. Die Gewerkschaft Transnet, deren Vorsitzender Norbert Hansen VizeAufsichtsratschef der Bahn ist, äußerte Respekt vor Frenzels Schritt. Ein Nachfolger an der Spitze des Aufsichtsrats müsse sich für den Erhalt des integrierten Konzerns samt Schienennetz stark machen, sagte ein Transnet-Sprecher.Der Aufsichtsrat der Bahn ist je zur Hälfte mit Vertretern von Aktionären und Arbeitnehmern besetzt. Die Bundesregierung hat das Recht, drei Mitglieder in das Kontrollgremium zu entsenden.

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