Bahn dementiert konkrete Stellenabbaupläne

- Berlin - Die Deutsche Bahn hat Berichte über einen weiteren massiven Abbau von mehr als 40 000 Stellen zurückgewiesen. "Es gibt keine konkreten Pläne für einen Stellenabbau in dieser Größenordnung", sagte ein Konzernsprecher in Berlin. Bahnchef Hartmut Mehdorn habe lediglich erklärt, er könne sich vorstellen, das Geschäft in einigen Jahren auch mit 10 bis 20 Prozent weniger Personal zu bewältigen.

<P>Es gebe aber auch andere Möglichkeiten, Kosten zu senken und die Produktivität zu erhöhen. Personalabbau sei nach wie vor kein Unternehmensziel. Das "Handelsblatt" hatte unter Berufung auf Mehdorn berichtet, dass die Zahl der 210 000 Bahn-Beschäftigten um mehr als 40 000 reduziert werden könne. </P><P>Die Bahn hatte allein in den vergangenen zehn Jahren bereits 170 000 Arbeitsplätze gestrichen. Das "Handelsblatt" zitierte Mehdorn mit den Worten: "Aber wir sind nicht am Ende und wir glauben, dass wir noch einmal 20 Prozent weniger Mitarbeiter haben können." Der Abbau werde vor allem die Verwaltung treffen, habe Mehdorn in London erklärt. Einen Zeitplan gebe es nicht.</P><P>Die Gewerkschaft Transnet befürchtet seit langem den Abbau von rund 37 000 Arbeitsplätzen bis zum Jahr 2007. Dies hatte die Bahn stets dementiert. Bisher hatte der Staatskonzern auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. Dies soll auf Grund eines Beschäftigungsbündnisses vorerst bis Ende 2004 so bleiben. Eine Verlängerung bis 2007 war zunächst nach einem Streit zwischen Konzern und Gewerkschaften über neue Tarifregeln im Regionalverkehr gescheitert. Inzwischen reden aber beide Seiten wieder miteinander. "Wir sind mit den Gewerkschaften auf gutem Weg", sagte der Sprecher.</P><P>Zum anhaltenden Streit mit der Bahnindustrie angesichts zahlreicher technischer Pannen neu ausgelieferter Züge erklärte Mehdorn laut "Handelsblatt", die Industrie müsse künftig neue Züge zum halben Preis anbieten. "Wir kaufen nur noch zu einem vernünftigen Preis, sonst bestellen wir anderswo." Die Bahnindustrie müsse erkennen, dass nicht an jedem Zug andere Griffe nötig seien.</P><P>Mehdorn habe zugleich einen Bericht des Wirtschaftsmagazins "Capital" als Unsinn zurückgewiesen, wonach der Bahn laut einer internen Risikoanalyse im laufenden Jahr ein Rekordverlust von rund 1,2 Milliarden Euro drohe. "Natürlich gibt es Risiken, aber das sind ja nicht gleich Verluste", wurde Mehdorn zitiert. Sein Konzern sei verpflichtet, solch einen Risikobericht zu erstellen.</P><P>"Capital" hatte ferner berichtet, dass durch zusätzliche, "sehr wahrscheinliche Belastungen" - etwa durch die konjunkturelle Entwicklung, Betriebsstörungen oder Projektrisiken wie beim neuen Bahnknoten in Berlin - sogar ein operativer Verlust von 2,5 Milliarden Euro nicht ausgeschlossen sei. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Belastungen tatsächlich eintreten, wird laut "Capital" in der vertraulichen Bahn-Studie mit 70 Prozent beziffert. Bisher rechnet die Bahn für 2003 offiziell mit einem operativen Verlust von rund 220 Millionen Euro und 2004 wieder mit Gewinnen.</P>

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