Bahn erhöht Gewinn trotz Streiks - Preiserhöhung verschoben

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Berlin (dpa) - Die Bahn dringt nach einem erneuten Gewinnplus auf das Startsignal für die Börse und garantiert ihren Fahrgästen stabile Ticketpreise für dieses Jahr.

Konzernchef Hartmut Mehdorn sagte am Montag in Berlin, wenn die Politik in den nächsten Wochen eine Entscheidung treffe, sei die geplante Teilprivatisierung noch in diesem Herbst zu schaffen. Finanziell sieht sich der bundeseigene Konzern für den Kapitalmarkt auf Kurs. Trotz empfindlicher Einbußen durch die Streiks der Lokführergewerkschaft GDL legte der Gewinn im vergangenen Jahr zum dritten Mal in Folge zu und stieg unter dem Strich um 2,1 Prozent auf 1,72 Milliarden Euro. Mehrkosten durch die hohen Tarifabschlüsse sollen aufgefangen werden. Die Bahn werde aber "unterjährig keine Preise erhöhen", versicherte Mehdorn.

Frisches Kapital sei angesichts der Öffnung der europäischen Verkehrsmärkte dringend erforderlich, um im Wettbewerb bestehen zu können, sagte der Bahnchef. Er sei zuversichtlich, dass die Politik nach langer Diskussion um eine Teilprivatisierung in den nächsten Wochen die Weichen dafür stellen werde.

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil schloss dabei Änderungen an den bisherigen Vorschlägen für das Privatisierungsmodell nicht aus. Kritiker und Befürworter müssten sich bewegen, sagte Heil am Montag vor der ersten Sitzung einer SPD-Arbeitsgruppe zur Bahnreform. Es werde bei den Beratungen unter seiner Leitung eine Lösung geben, die den Maßstäben des Hamburger Parteitages entsprechen werde.

Dort hatte die Parteibasis ein Volksaktienmodell durchgesetzt, das einen beherrschenden Einfluss großer Finanzinvestoren auf die Bahn verhindern soll. Favorisiert wird inzwischen aber ein Modell, wonach Investoren sich nicht am Gesamtkonzern, sondern an einer Holding für den Güter- und Personenverkehr mit Minderheitsanteilen beteiligen könnten. So bliebe das Gleisnetz beim Bund. Die Koalition strebt bis 28. April eine Entscheidung zur Zukunft des letzten großen Staatsunternehmens an.

Die CDU warnte die SPD davor, von der Teilprivatisierung abzurücken. "Wir brauchen zusätzliches privates Kapital, um die Finanzierungserfordernisse der Bahn sicherzustellen, sagte CDU- Generalsekretär Ronald Pofalla.

Mehdorn ließ offen, ob die Fahrpreise im kommenden Jahr angehoben werden. "Bis jetzt ist nichts beschlossen." Er verwies auf die Halbjahresbilanz im August. Dann werde er mehr sagen können. Nach den Streiks gelte es, Vertrauen bei den Kunden wiederherzustellen. Finanziell sorgten die Arbeitsniederlegungen und dadurch ausgelöste Verunsicherung der Fahrgäste für Einbußen - beim Umsatz waren es 170 Millionen, beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) 160 Millionen Euro. Die Zahl der Reisenden ging um ein Prozent oder 19 Millionen auf 1,8 Milliarden zurück. Insgesamt wuchs der Umsatz aber um 4,2 Prozent auf 31,3 Milliarden Euro.

Erstmals hätten alle Geschäftsfelder schwarze Zahlen geschrieben, sagte Mehdorn. Im Konzern stieg das EBIT von zuvor 2,5 Milliarden auf 2,9 Milliarden Euro. Dazu trugen vor allem der Nahverkehr (451 Mio Euro), Schenker (453 Mio) und das Netz (478 Mio) bei. Ohne Sondereffekte aus Anteilsverkäufen betrug das EBIT im vergangenen Jahr 2,37 Milliarden Euro und lag damit den Angaben zufolge über dem vergleichbaren Wert von 2006 in Höhe von 2,14 Milliarden Euro.

Die Zahl der Mitarbeiter stieg innerhalb von zwölf Monaten um knapp 8000 auf 237 000 zum Jahresende 2007. Dies sei vor allem auf den Kauf des britischen Güterbahnunternehmens EWS und das Wachstum beim Spediteur Schenker zurückzuführen, sagte Finanzvorstand Diethelm Sack. Auch mit Hilfe des Verkaufs der Reederei Scandlines und der Immobilientochter Aurelis habe der Konzern die Finanzschulden um 3,1 Milliarden auf 16,5 Milliarden Euro gedrückt.

Wie Sack erläuterte, wird für dieses Jahr eine Umsatzsteigerung von rund fünf Prozent angestrebt. Dabei seien Effekte aus mehreren 2007 hinzugekauften Töchtern nicht enthalten. Beim EBIT werde der Wert des vergangenen Jahres, der von Sondererträgen geprägt war, voraussichtlich nicht wieder zu erreichen sein.

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