+
Die Bahn fürchtet wegen der Lokführer-Streiks um die eigenen Kunden.

Langfristige Folgen der Ausstände?

Bahn fürchtet wegen Streiks um Kunden

Frankfurt/Main  - Die Deutsche Bahn bangt wegen der anhaltenden Lokführerstreiks auch langfristig um Kunden.

„Es besteht die Gefahr, dass Kunden dauerhaft abwandern“, sagte eine Bahnsprecherin der Nachrichtenagentur dpa. Das gilt nach Konzernangaben sowohl für den Personenverkehr als auch für den Gütertransport. Seit September ruft die Lokführer-Gewerkschaft GDL ihre Mitglieder immer wieder zu Streiks bei der Bahn auf. Insbesondere Fernbusunternehmen hatten deshalb von steigender Nachfrage berichtet.

Ab Montag könnte erneut gestreikt werden. Die von der GDL ausgerufene Streikpause läuft am Sonntag (2.11.) aus.

Auch im Güterverkehr könnte die Bahn auf Dauer Kunden verlieren. Während der jüngsten Bahnstreiks hatten etwa viele Autohersteller Transporte ersatzweise auf Lkw verlagert. „Durch die Streiks gab es mehr zu tun“, bestätigte der Hauptgeschäftsführer des Güterkraftverkehrsverbandes BGL, Karlheinz Schmidt. „Wenn die Bahn sich auf längere Sicht als unzuverlässig erweist, wird die Industrie sicher Konsequenzen ziehen. Dann wäre es möglich, dass Transporte dauerhaft von der Schiene auf die Straße verlegt werden.“

Bislang verdienten an den Streiks aber vor allem ausländische Spediteure, sagt Schmidt. „Deutsche Lkw-Unternehmer sind bislang nicht die Gewinner des Lokführerstreiks, weil sie weder die Fahrer noch die Fahrzeuge haben, um diese Lücke spontan zu füllen.“ Außerhalb von Deutschland könnten Fahrer und Fahrzeuge deutlich günstiger vorgehalten werden. „Deshalb profitieren vor allem ausländische Unternehmen, zum Beispiel aus Polen und osteuropäischen Staaten, von den Streiks.“

Eine Sprecherin von DB Schenker sagte, im Güterverkehr sei es schwierig, verlorene Kunden zurückzugewinnen. Viele Unternehmen müssten ihre Logistikabläufe umfassend ändern, wenn sie von der Bahn auf Lastwagen oder Schiffe umsatteln. Neben der Autoindustrie setzt auch die Chemie- und die Stahlindustrie in großem Umfang auf Güterzüge. Auch Kohle wird häufig auf der Schiene transportiert.

Schon die direkten Umsatzeinbußen während der Streiks kommen die Bahn teuer zu stehen. Als Lokführer im Oktober ein komplettes Wochenende streikten, lag der Schaden für das Unternehmen in zweistelliger Millionenhöhe. Der volkswirtschaftliche Schaden dürfte nach früheren Expertenschätzungen bis zu 50 Millionen Euro täglich betragen.

Im Tarifstreit zwischen der Bahn und der GDL geht es vor allem darum, welche Gewerkschaft künftig für welche Berufsgruppe mit der Bahn über Löhne verhandeln darf. Bedingung der GDL für Tarifgespräche mit der Bahn ist es, neben den Lokführern auch das übrige Zugpersonal wie Zugbegleiter oder Bordgastronomen zu vertreten. Für diese Berufsgruppen führt jedoch bislang die größere Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) die Gespräche.

dpa

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Wegen des Deutschland-Spiels gegen Schweden: Edeka- und Rewe-Filialen schließen früher
Für die DFB-Elf geht es am Samstag schon um alles. Gut ist das immerhin für die TV-Einschaltquoten - und die Spannung. Auch mehrere Supermarkt-Filialen reagieren.
Wegen des Deutschland-Spiels gegen Schweden: Edeka- und Rewe-Filialen schließen früher
Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Die Opec hat am Freitag vorgelegt, einen Tag später ziehen die Nicht-Opec-Länder nach. Mehr Öl soll in den Markt gepumpt werden, um eine Balance zwischen Angebot und …
Opec+ weitet Ölproduktion um eine Million Barrel am Tag aus
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 
Daimler hat die Auslieferung mehrerer Diesel-Modelle gestoppt. Grund  ist der angekündigte Rückruf für Fahrzeuge, die einen Diesel-Motor nach der Norm 6b enthalten.
Daimler stoppt Auslieferung von Diesel-Modellen - diese Fahrzeuge sind betroffen 
BMW warnt eindringlich vor Brexit-Folgen
Im nächsten Frühjahr will Großbritannien die EU verlassen. Doch die Verhandlungen zwischen London und Brüssel sind zäh. Viele Unternehmen wissen nicht, was auf sie …
BMW warnt eindringlich vor Brexit-Folgen

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.