Bahn und Gewerkschaften nähern sich an

München - Im Tarifstreit bei der Bahn stehen die Signale auf Durchbruch. Die Gewerkschaften Transnet und GDBA sowie die Vertreter des Schienenkonzerns gingen am Sonntag optimistisch in die fünfte Verhandlungsrunde. Die Lokführer hingegen bleiben unnachgiebig.

Beide Seiten hatten vor Beginn der Gespräche am Sonntag in Berlin ihre Zuversicht auf ein Ergebnis im Streit um einen Tarifvertrag für die 134\x0f000 tariflich beschäftigten Bahn-Mitarbeiter zum Ausdruck gebracht. "Das Angebot der Bahn ist so, dass wir Chancen sehen, zu einem Ergebnis zu kommen", sagte Transnet-Chef Norbert Hansen dem "Tagesspiegel am Sonntag". Die "Welt am Sonntag" zitierte hingegen Bahn-Personalvorstand Margret Suckale mit den Worten: "Ich glaube an die Vernunft der Gewerkschaften."

Die Verhandlungen dauerten am späten Sonntagabend noch an. "Das könnte eine Nacht-Sitzung werden", sagte ein Transnet-Sprecher gegenüber unserer Zeitung. "Es gibt noch einige offene Punkte."

So hatte Hansen die Bahn zuvor aufgefordert, ihre letzte Offerte noch einmal nachzubessern: "Das, was bisher geboten wird, gleicht weder die Reallohnverluste der vergangenen Jahre noch die Vorleistungen der Beschäftigten für die Sanierung der Bahn aus."

Der Konzern hatte für alle tariflich Beschäftigten der Bahn am Donnerstag ein höheres Angebot vorgelegt und damit die Gewerkschaften zurück an den Verhandlungstisch gebracht. Danach sollen die Einkommen im Januar 2008 um 3,4 Prozent angehoben werden bei einer Vertragslaufzeit bis Juni 2009. Außerdem schlug die Bahn eine Einmalzahlung von 450 Euro pro Mitarbeiter für die Monate Juli bis Dezember 2007 vor. Die Gewerkschaften fordern hingegen 7,0 Prozent mehr Geld für zwölf Monate, mindestens jedoch ein Plus von 150 Euro pro Monat.

Suckale hatte die Gewerkschaften vor den Gesprächen noch einmal eindringlich vor "überzogenen Lohnforderungen" gewarnt. "Auf den Beschäftigungspakt, den wir 2005 geschlossen haben, müssen wir dann verzichten", sagte die Bahn-Managerin. Der Pakt sieht vor, dass bei moderaten Tariferhöhungen bis 2010 betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen sind.

Warnstreiks wird es bei der Bahn zumindest heute nicht geben. Transnet und GDBA hatten bereits vergangene Woche angekündigt, auf Aktionen vorerst zu verzichten. Nun kündigte auch die Lokomotivführer-Gewerkschaft GDL an, dass es am Montag keine Arbeitsniederlegungen geben werde. Deren Vertreter hatten für die kommende Woche Warnstreiks angekündigt. Sie verhandeln mit der Bahn separat um einen Tarifvertrag für die 32\x0f000 Zugführer und -begleiter und treffen sich am Freitag zu Gesprächen. 

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