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Die Bahn ist nach eigenen Angaben gut gerüstet für die kalte Jahreszeit. Fahrgastverbände fürchten dagegen wieder Zugausfälle durch Schnee und Kälte.

Vor Fahrplan-Wechsel

Bahn kassiert mehr und kommt später

Berlin/München - Die Deutsche Bahn wirbt für sich als umweltfreundlicher Verkehrsträger. Am Sonntag werden die Preise wieder erhöht. Kritiker sagen, das müsste nicht sein, und klagen über geringe Zuverlässigkeit.

Am zweiten Advent ist es wieder so weit: Die Deutsche Bahn wechselt ihren Fahrplan und zugleich erhöht sie die Preise, wie fast in jedem Jahr. Das ärgert die Fahrgäste und Verbraucherschützer halten sie zumindest für überzogen. Zumal sich das Angebot für die Kunden kaum verbessert, wenn das Staatsunternehmen im Durchschnitt 2,8 Prozent mehr für seine Fahrscheine verlangt. Die Bahn rechtfertigt das mit gestiegenen Strompreisen, legt aber ihre Kalkulation nicht offen.

Der Bahnkritiker Anton Hofreiter von den Grünen weist auf Vorteile des Großkunden bei der Strombeschaffung hin. Die Bahn profitiere seit Monaten von sinkenden Strompreisen. „Sie freut sich darüber, dass der Großhandelspreis sinkt, und gegenüber den Kunden begründet sie die steigenden Ticketpreise mit steigenden Strompreisen“, schimpft der Vorsitzende des Bundestags-Verkehrsausschusses in der ZDF-Sendung „Frontal 21“.

Der Konzern beziehe seinen Strom überwiegend direkt über Kraftwerke und nur zu einem kleineren Teil über die Leipziger Energiebörse EEX, sagt ein Sprecher. Die Bahn profitiere deshalb nicht von sinkenden Großhandelspreisen, wie das der Grünen-Verkehrsexperte Hofreiter behauptet hatte. Vielmehr orientierten sich die Bezugspreise an den Preisen für Kohle und Gas, aus denen der Strom erzeugt wird.

Die Bahn verweist auch auf steigende Abgaben. Allein 300 Millionen Euro Ökosteuer zahlt das Unternehmen im Jahr. Von der EEG-Umlage ist die Bahn – Deutschlands größter Stromverbraucher – weitgehend befreit. Daher fällt die Belastung mit 35 Millionen Euro eher gering aus. Da die Bahn großteils eigene Stromnetze nutzt, fallen kaum Kosten für die sogenannten Netzentgelte an.

Fest steht, dass sich Bahnfahren nach einem Umbau des Preissystems seit Ende 2003 um rund 35 Prozent verteuert hat, während die Verbraucherpreise – laut Index des Statistischen Bundesamtes – nur um 16,3 Prozent stiegen. Die Deutsche Bahn macht eine andere Rechnung auf: Ihr Preisniveau sei 2003 um zwölf Prozent gesenkt worden. Wenn man das berücksichtige, liege sie mit ihren Anhebungen nicht über der Inflationsrate.

„Die Qualität ist nicht so, als dass man eine Preiserhöhung rechtfertigen könnte“, sagt Karl-Peter Naumann vom Fahrgastverband Pro Bahn. Er meint damit vor allem die Zugverspätungen. Die jüngste Statistik der Bahn belegt das. Demnach waren im Oktober 27,4 Prozent der Fernzüge mit Verspätung unterwegs. Im März lag diese Quote noch bei 14,4 Prozent. „Solange die Bahn das nicht im Griff hat, kann sie nicht mehr Geld verlangen“, moniert Naumann. Sie solle wie zuletzt lieber noch mehr Fahrgäste gewinnen und so die Einnahmen erhöhen. Im ersten Halbjahr ist die Fahrgastzahl um vier Prozent gestiegen.

Der höchste Preis für eine Strecke im ICE steigt von 135 auf 139 Euro. Das betrifft etwa die Fahrt von Hamburg nach München. Die Strecke Stuttgart–München verteuert sich um einen Euro von 54 auf 55 Euro. Bahncards kosten durchschnittlich 2,4 Prozent mehr. Die Bahncard 25 gibt es dann für 60 Euro (bisher 59 Euro), die Bahncard 50 für 247 Euro (bisher 240 Euro). Neu: In 120 Städten können Bahncard-Inhaber mit dem öffentlichen Nahverkehr ohne Extra-Ticket zum Startbahnhof fahren. Bislang war das nur am Zielort möglich.

Vom 9. Dezember an will die Bahn freitags und sonntags ein paar Züge mehr einsetzen. Davon sollen Wochenendpendler auf stark genutzten Verbindungen profitieren. Nicht eingesetzt werden können acht nagelneue ICE von Siemens. Sie sind bei Testfahrten durchgefallen, die Software für die Zugsteuerung erwies sich als mangelhaft. Der Bahn fehlt deshalb im Fernverkehr eine Winterreserve. Sollten bei Schnee und Eis viele Züge ausfallen, hat sie kaum Ersatz.

B. Röder und S. Habit

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