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Transnet-Chef Kirchner warnt vor dem zunehmenden Wettbewerb im Schienen-Fernverkehr.

Bahn-Konkurrent Locomore beantragt zwei neue Fernverkehrslinien

Frankfurt/Main - Der Bahn-Konkurrent Locomore Rail will einem Bericht zufolge künftig auch die Strecken Berlin-Frankfurt und Hamburg-Stuttgart bedienen.

Entsprechende Anträge habe Locomore bei der Bahntochter DB Netz gestellt, berichtete die Wirtschaftswoche am Samstag. Ab Dezember 2010, spätestens ab 2011 wolle das Unternehmen auf den beiden Strecken unterwegs sein. Geplant seien Züge im Zwei-Stunden-Takt. DB Netz müsse bis April 2010 über die Anträge entscheiden.

Vor einigen Tagen hatte das Unternehmen bereits angekündigt, ab Sommer 2010 täglich mehrfach die Strecke Köln-Hamburg bedienen zu wollen. Weiter berichtete die Wirtschaftswoche, auch die französische Staatsbahn SNCF habe zwei Strecken von Straßburg nach Hamburg bei der DB Netz beantragt - über Frankfurt-Flughafen und Köln sowie über Erfurt und Berlin.

Die Gewerkschaft Transnet hält den zunehmenden Wettbewerb im Schienen-Fernverkehr für gefährlich. “Langfristig wird der Wettbewerb auf der Schiene den Kunden und dem Angebot schaden“, sagte Transnet-Chef Alexander Kirchner dem Tagesspiegel. Wenn mehrere Anbieter der Bahn auf beliebten Strecken Konkurrenz machten, sei ein Preiskrieg unvermeidbar. “Das kostet Geld“, befand Kirchner, der auch Vizechef des Bahn-Aufsichtsrates ist. Wenn die Bahn aber Einnahmeverluste habe, werde sie “womöglich Randbereiche im Schienennetz nicht mehr bedienen“. Städte wie Kiel, Bremen, Cottbus, Potsdam, Konstanz, Dresden oder Saarbrücken könnten dann bald vom Fernverkehr abgekoppelt werden - solche Verbindungen seien ein Zuschussgeschäft. “Die Mischkalkulation von heute wird dann keine Zukunft mehr haben.“

Zusätzlichen Druck gebe es durch die Fernreisebusse, die die Koalition zulassen will. “Womöglich gibt es in zehn Jahren nur noch zwischen den großen Städten Fernzüge“, in die Randbereiche fahre dann nur noch der Bus. Kirchner betonte, sein Ziel sei es nicht, den Wettbewerb zu beschränken. Vielmehr solle der Staat Regeln für den Fernverkehr vorschreiben: “Er könnte zum Beispiel Strecken nur dann vergeben, wenn sich ein Anbieter verpflichtet, nicht nur auf Rennstrecken zu fahren, sondern auch in die Randgebiete. Wer nach Hamburg fährt, muss eben weiter bis nach Kiel.“ Das koste den Staat nicht einmal zusätzliches Geld. Im Regionalverkehr schreibe der Staat schließlich auch Strecken aus.

dpa

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