Bahn krempelt Preissystem wieder um

- Berlin -Die Deutsche Bahn baut ihr heftig kritisiertes Preissystem nach nur einem halben Jahr radikal um. Zum 1. August wird die alte Bahncard mit 50 Prozent Rabatt wieder eingeführt. Mit 200 Euro für die zweite Klasse wird sie zwar deutlich teurer, dafür können künftig aber auch Mitfahrer zum halben Preis mitgenommen werden, wie Bahn-Chef Hartmut Mehdorn am Mittwoch in Berlin ankündigte.

<P></P><P>Auch die "neue" Bahncard mit 25 Prozent Rabatt soll es weiterhin geben. Das erst im Dezember eingeführte System sei "zu komplex" gewesen, räumte Mehdorn ein. Bei Umwelt- und Fahrgastverbänden gab es überwiegend Zustimmung.</P><P>Die Frühbucher-Rabatte werden nun erheblich vereinfacht. Künftig gibt es nur noch zwei Stufen mit 25 oder 50 Prozent Ersparnis. Die hohen Stornogebühren hatte die Bahn bereits vor einigen Wochen abgeschafft. Von dem "neuen Preissystem" bleibt damit nur noch wenig übrig. "Jetzt ist der Weg gefunden, den unsere Kunden mit ihrer Kritik wollten", sagte Mehdorn. "Wir haben verstanden."</P><P>Die "Bahncard 50" kostet nun für die zweite Klasse 60 Euro mehr als früher. Der Preis für die erste Klasse steigt von 280 auf 400 Euro. Dafür dürfen jetzt bis zu fünf Mitfahrer zum halben Preis mitgenommen werden. Kinder bis 15 Jahren fahren gratis mit. Für Schüler und Studenten unter 26 sowie für Senioren ab 60 kostet die "Bahncard 50" nur die Hälfte.</P><P>Die erst im Dezember eingeführte Bahncard mit 25 Prozent Rabatt wird dagegen billiger: In der zweiten Klasse kostet sie statt 60 nur noch 50 Euro. Zudem führt die Bahn auch eine "Bahncard 100" ein, die an die Stelle der bisherigen Netzkarte tritt. Für 3000 Euro (bislang: 3350 Euro) kann das Streckennetz der Bahn in der zweiten Klasse das ganze Jahr über beliebig oft genutzt werden.<BR>Die rund 1,2 Millionen bislang verkauften "Bahncards 25" können mit Zuzahlung umgetauscht werden. Insgesamt sind nach Bahn-Angaben rund drei Millionen alte und neue Karten im Umlauf.</P><P>"Das Preissystem hat keine Akzeptanz gefunden", gab Mehdorn zu. Neben der Abschaffung der alten Bahncard seien die FrühbucherErmäßigungen und deren Kombinierbarkeit mit Bahncard-Rabatten als zu kompliziert empfunden worden. Im künftigen System werden Sparpreise und Bahncard-Rabatte daher grundsätzlich voneinander getrennt.</P><P>In einer Übergangszeit bis zum 30. September 2004 soll die "Bahncard 25" aber noch mit den künftigen Sparpreisen für Frühbucher kombinierbar bleiben. Tickets für die beiden verbliebenen Sparpreise müssen einheitlich nur noch drei Tage vor der Fahrt gekauft werden. Bislang gab es - je nach Buchungstag vor der Abfahrt - 10, 25 oder 40 Prozent Ermäßigung.</P><P>Mit den Änderungen reagiert die Bahn auf die nicht enden wollende Kritik. Ursprünglich hatte sie das System frühestens nach einem Jahr ändern wollen. Auf Grund massiver Probleme im Personenfernverkehr musste der bundeseigene Verkehrskonzern jetzt jedoch früher reagieren. In den ersten fünf Monaten lag der Umsatz in dieser Sparte nach dpa-Informationen mit 1,02 Milliarden Euro um rund 262 Millionen Euro unter Plan.</P><P>Mehdorn äußerte sich zuversichtlich, den Rückstand bis zum Jahresende wieder aufholen zu können. Die Wintermonate gehörten seit jeher zu den Monaten, in denen wenig Bahn gefahren werde. Der Bahnchef räumte ein, dass mit den Nachbesserungen die ursprünglich gewollte Steuerung der Reisenden auf weniger ausgelastete Züge nicht mehr möglich sei. Dies sei von den Kunden nicht akzeptiert worden.</P><P>Der Fahrgastverband Pro Bahn begrüßte die Wiedereinführung der "Bahncard 50" trotz des höheren Preises. "Natürlich wäre uns eine Bahncard mit 50 Prozent Rabatt für 140 Euro auch lieber gewesen", sagte der stellvertretende Bundesvorsitzende Joachim Kemnitz der dpa in München. Allerdings lohne sich die Karte schon ab einem Umsatz von gut 33 Euro im Monat.</P><P>Zustimmung kam auch vom Verkehrsclub Deutschland (VCD). "Wer in einem Jahr vier Mal von Köln nach Berlin hin und zurück fährt, für den lohnt sich auch bei 200 Euro diese Bahncard schon", sagte VCDSprecher Daniel Kluge im WDR. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND begrüßte die Änderungen ebenfalls. Die Bahn sei jetzt "preislich so attraktiv wie nie zuvor", sagte BUNDVerkehrsexperte Tilman Heuser. <BR></P>

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