Die Bahn macht beim Transrapid Dampf

- Berlin ­- Im Finanzstreit um den Bau der Münchner Transrapid-Trasse erhöht die Bahn den Druck auf die Bundesregierung: Nach Angaben aus Koalitionskreisen hat Bahnchef Hartmut Mehdorn einen Ausstieg aus dem Projekt prüfen lassen. Offenbar stand die geplante Auflösung der DB Magnetbahn GmbH, die das Vorhaben gemeinsam mit dem Freistaat Bayern plant, sogar schon auf der Tagesordnung der nächsten Bahn-Aufsichtsratssitzung.

Zu der Sitzung wollte eine Bahn-Sprecherin nicht Stellung nehmen. Sie betonte, die Bahn stehe weiterhin zu ihrer Zusage, den Bau der Transrapid-Trasse mit 185 Millionen Euro zu unterstützen. "Der Bund, Bayern und die Bahn wollen das Projekt realisieren. Daran hat sich nichts geändert", hieß es aus der Berliner Konzernzentrale.

 In der Bundesregierung und den Koalitionsfraktionen wird Mehdorns Manöver als Versuch gewertet, die festgefahrenen Verhandlungen über die Finanzierung der Schwebebahn zu beschleunigen. Im Budget fehlt noch mindestens eine halbe Milliarde Euro. Die Gesamtkosten für den Bau der Strecke zwischen Münchner Flughafen und Hauptbahnhof werden auf 1,85 Milliarden Euro geschätzt. Bisher sind im Bundeshaushalt 550 Millionen Euro vorgesehen. Bayern erwartet, dass der Bund bis zu 925 Millionen beisteuert. Der Freistaat selbst will sich mit 300 Millionen beteiligen.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) und sein bayerischer Kollege Erwin Huber (CSU) wollen Anfang 2007 weiter über die Finanzierung verhandeln. Die beteiligten Konzerne Siemens und Thyssen-Krupp haben bereits die Forderung der Verkehrsminister nach einem finanziellen Eigenbeitrag zurückgewiesen. Dennoch erklären Tiefensee und Huber, das Projekt sei "auf gutem Weg". Huber sieht "keine begründeten Zweifel mehr, dass die restlichen Finanzierungsfragen einvernehmlich gelöst werden könnten".

Der CSU-Verkehrsexperte Andreas Scheuer betonte, beim Bau des Transrapid treffe die Politik die Entscheidungen und nicht die Bahn. Das Unternehmen dürfe nicht den Eindruck erwecken, "dass über Bande gespielt und Druck ausgeübt wird", sagte Scheuer. Der FDP-Abgeordnete Rainer Stinner dagegen erklärte, die Bahn mache zu recht Druck: "Es ist schon viel zu viel Zeit sinnlos verspielt worden." Auch der bayerische SPD-Fraktionschef Franz Maget bestärkte den Bahnchef: "Nachdem eine Finanzierung dieses Prestigeprojekts weit und breit nicht in Sicht ist, wäre es nur konsequent, die Vorbereitungsgesellschaft aufzulösen."

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