Die Bahn möbelt ihre Wagen auf

München - Erste Kritiker witzeln schon über die „brettharten“ Sitze, doch die Deutsche Bahn meint es ernst: Über 250 Millionen Euro steckt der Konzern in den nächsten zweieinhalb Jahren in die Sanierung von 770 Inter- und Eurocity-Wagen.

Die ersten Waggons haben das Werk Nürnberg soeben wieder verlassen. „Damit setzen wird die Modernisierung unserer Fahrzeugflotte konsequent fort“, erklärt Bahnchef Rüdiger Grube.

Der Hintergrund: Die Deutsche Bahn war in den vergangenen Jahren wegen mangelnder Fahrzeugkapazitäten in die Kritik geraten. Grube möchte das offenbar ändern – mit einem Modernisierungsprogramm, das über pure Kosmetik hinausgeht.

Bei den IC/EC-Wagen ist das nicht eben leicht. Denn die Wagenflotte besteht aus 34 Bau- und Unterbauarten in unterschiedlichen Varianten. Zum Teil sind die Wagen 40 Jahre alt und stammen aus den Beständen der Deutschen Bundesbahn bzw. der DDR. „Eine standardisierte Modernisierung ist somit kaum möglich“, so die DB.

Kernpunkt der Sanierung ist der Austausch der Sitze – insgesamt 46 000 Stück. Die 1. Klasse erhält Leder, die 2. Klasse blauen Velourstoff. Es gibt neue Teppiche (42 000 Quadratmeter insgesamt, wie die Bahn ausgerechnet hat) und selbst an neue Dekorfolie für die Böden und Decken der Bistro-Wagen wurde gedacht. Daneben sollen die Klimaanlagen und die Einstiegstüren (zum Teil noch mit Handgriffen) erneuert werden. Auch die Kleinkind-Abteile werden neu gestaltet. Die Anzahl der Wagen mit Fahrradstellplätzen erhöht sich von 129 auf 163 Wagen. Das Design soll sich insgesamt am ICE orientieren. Zum Fahrplanwechsel im Dezember 2012 wird die erste Intercity-Linie komplett auf modernisierte Wagen umgestellt – leider fernab von Bayern auf der Linie Stuttgart-Köln-Hamburg.

Bleibt die unter Bahnfreaks schon eifrig diskutierte Frage, ob sich für die Fahrgäste der Komfort erhöhen wird. Angeblich sollen die neuen Sitze „bretthart“ sein, doch es gibt auch Insider, die das entschieden bestreiten.

Fahrradzüge wieder im Einsatz

Die DB Regio und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) eröffnen die Fahrradsaison. Ab sofort bis Anfang Oktober werden auf verschiedenen Strecken Wagen mit Fahrradabteilen eingesetzt. Die Deutsche Bahn setzt an Wochenenden insgesamt zehn dieser Fahrradzüge ein, die Bayerische Regiobahn und die Agilis je zwei. Unter anderem verkehren die Züge auf den Strecken München-Kempten-Lindau sowie München-Garmisch-Partenkirchen-Mittenwald. Detaillierte Fahrpläne ab Anfang Mai unter www.bahnland-bayern.de/infomaterial

ADFC-Vorstandsmitglied Frank Wessel appellierte an die Radler, ihre Räder platzsparend in den Wagen zu „parken“. „Egoistisches Verhalten nimmt leider zu.“

dw

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

1710 Tonnen: Hälfte des deutschen Goldes nun in heimischen Tresoren
Frankfurt/Main - Die Deutsche Bundesbank hat die Verlagerung ihrer Goldreserven aus dem Ausland gut drei Jahre früher abgeschlossen als geplant.
1710 Tonnen: Hälfte des deutschen Goldes nun in heimischen Tresoren
Rosneft siegt mit Schadenersatzklage in Milliardenhöhe
Rosneft gehört mehrheitlich dem russischen Staat. Zuletzt sorgte die Nachricht für Diskussionen, dass Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) für einen …
Rosneft siegt mit Schadenersatzklage in Milliardenhöhe
Gläubiger lassen Air Berlin vorläufig weitermachen
Erstmals haben die Gläubiger der Air Berlin über das weitere Insolvenzverfahren beraten. Vor einer schnellen Zerschlagung des Unternehmens sind sie einstweilen …
Gläubiger lassen Air Berlin vorläufig weitermachen
Kaiser's Tengelmann: Gericht gibt Kartellamt Rückendeckung
Auch wenn die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann längst Geschichte ist: Der Streit um ihr Ende beschäftigt weiter die Justiz. Es geht um viele Millionen und die …
Kaiser's Tengelmann: Gericht gibt Kartellamt Rückendeckung

Kommentare