Bahn müht sich, Lokfahrer drohen

Berlin - ­ Die Deutsche Bahn will nach dem Abbruch der Tarifverhandlungen mit der Lokführergewerkschaft GDL den im August drohenden Streik noch verhindern. Das Unternehmen strebt eine Lösung an, in die alle drei Verkehrsgewerkschaften eingebunden sind. Dabei soll es im Wesentlichen um eine neue Einkommensstruktur bei der Bahn gehen, von der auch die Lokführer profitieren können.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) warnte derweil vor einem Streik in der Urlaubssaison und forderte die Tarifpartner auf, wieder in Verhandlungen zu treten.

"Wirtschaft lähmen"

Die GDL will davon unbeeindruckt in der kommenden Woche die Urabstimmung einleiten. Bis zum 6. August werde man auf Warnstreiks verzichten. Dann sei denkbar, dass "über mehrere Tage gestreikt wird", sagte der stellvertretende GDL-Vorsitzende Günther Kinscher der "Süddeutschen Zeitung". "Zwei Tage Stillstand lähmen das ganze deutsche Wirtschaftsleben", sagte er. Bahnchef Hartmut Mehdorn habe es in der Hand, dies zu verhindern.

Die Streikkasse ist nach Informationen des "Handelsblatts" aus Gewerkschaftskreisen gut gefüllt. Es stünden etwa 15 Millionen Euro zur Verfügung. Die Bahn prüft, ob notfalls rechtliche Schritte gegen einen Streik möglich sind.

Die Bahn-Verhandlungsführerin, Personalvorstand Margret Suckale, sagte einen Tag nach dem Scheitern der Gespräche, mit der GDL allein sei keine Lösung zu finden. "Wir fordern, dass alle drei Gewerkschaften gemeinsam an den Tisch kommen." Das sei schon deshalb notwendig, weil nur ein Teil des Fahrpersonals in der GDL, die anderen jedoch bei den Gewerkschaften Transnet und GDBA organisiert seien. Unter dem Begriff Fahrpersonal werden Lokführer, Zugbegleiter und Servicemitarbeiter an Bord zusammengefasst.

Suckale berichtete, die Bahn habe in dem Konflikt vorgeschlagen, die Entgeltstruktur von einem externen Sachverständigen überprüfen zu lassen. Falls dieser zu dem Ergebnis komme, dass die Lokführer in dem Tarifsystem falsch bewertet werden, "unterwerfen wir uns seinem Urteil". "Viel mehr kann man nicht anbieten", so Suckale.

2150 Euro brutto

Die GDL hält das Einkommensniveau der Lokführer für viel zu niedrig und begründet so ihre hohen Forderungen. Sie lagen zunächst bei mehr als 20 Prozent Einkommensplus, seit Donnerstag verlangt sie "mindestens 31 Prozent" mehr Geld für das Fahrpersonal.  Zugführer verdienen maximal 2150 Euro brutto pro Monat zuzüglich 350 Euro an Zuschlägen.

Mit Transnet und GDBA hat die Bahn bereits einen Abschluss erzielt. Er sieht 4,5 Prozent Einkommenserhöhung zum 1. Januar 2008 und eine Einmalzahlung von 600 Euro vor. Die GDL will den Vertrag nicht übernehmen.

In einem Brief bittet die Bahn derzeit die 134 000 betroffenen Mitarbeiter in diesen Tagen, eine Erklärung abzugeben, ob sie als Mitglieder von Transnet oder GDBA oder gewerkschaftlich nicht organisiert mit dem Tarifabschluss einverstanden sind. Nur wer die Erklärung unterzeichnet, soll die Einmalzahlung von 600 Euro im August erhalten.

Verkehrsminister Tiefensee mahnte, "eine Lösung zu finden, die einen guten Kompromiss für die Tarifpartner darstellt, und gleichermaßen das Interesse der Kunden und Reisenden zu beachten". Das schließe auch die Interessen des Güterverkehrs ein. Der Tourismusbeauftragte der Bundesregierung, Ernst Hinsken (CSU), hatte zuvor vor einem Bahnstreik gewarnt: "Die Tarifauseinandersetzung darf nicht auf dem Rücken der Reisenden stattfinden, die sich das ganze Jahr auf ihren Urlaub gefreut haben."

Die meisten Fahrgäste befördert die Bahn nicht im Sommer, sondern im Herbst. "September und Oktober sind die stärksten Monate", sagte Bahnsprecher Achim Stauß. In dieser Zeit fänden viele Tagungen, Kongresse und Messen statt.

mm/dpa

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