Bahn rudert zurück: Nur ein Teilumzug nach Hamburg?

- Berlin - Die Bahn prüft nach dem Einschreiten des Bundes gegen eine Verlegung ihrer Zentrale von Berlin nach Hamburg Varianten für einen abgespeckten Umzug. Denkbar könnte allein eine Ansiedlung der Logistiksparte von Frachtvorstand Norbert Bensel mit rund 400 Beschäftigten an der Elbe sein, berichtete die "Financial Times Deutschland".

Zudem könnten Teile der Güterbahn Railion (DB Cargo) aus Mainz und des Logistikers Stinnes aus dem Ruhrgebiet zusammengezogen werden. Rhenus aus Dortmund meldete sich als weiterer möglicher Bahn-Konkurrent für einen Einstieg in den Hamburger Hafen.

Ein Bahnsprecher kommentierte den Bericht nicht. Die Gespräche mit der Hansestadt liefen weiter. Der Hamburger Bürgermeister Ole von Beust (CDU) hatte am Dienstag jedoch bekräftigt, Voraussetzung eines Bahn-Einstiegs im Hafen und bei der Hochbahn sei eine Ansiedlung ihrer Zentrale. Das Bundeskabinett hatte Pläne für einen Umzug zuvor abgelehnt. Die Zentrale müsse aus strukturpolitischen Gründen in Berlin bleiben. Der bisherige Unternehmenssitz ist in der Satzung festgeschrieben, die nur von der Hauptversammlung geändert werden kann. Alleineigentümer der Bahn ist der Bund.

Die Bahn verhandelt über eine stufenweise Beteiligung an der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) und der Hamburger Hochbahn (HHA). Über den Stand der Gespräche will Bahnchef Hartmut Mehdorn seinen Aufsichtsrat am 7. Dezember informieren.

An beiden Landesunternehmen meldete derweil auch der Logistik-Anbieter Rhenus Interesse an. Damit erweitert sich der Kreis der möglichen Bahn-Konkurrenten nochmals, zu dem schon die Verkehrs-Unternehmen Connex und Abellio gehören. "Wir haben großes Interesse an der HHLA und der Hamburger Hochbahn und das nicht erst seit der Bekanntgabe der Pläne der Deutschen Bahn", sagte Rhenus-Vorstand Sven Rutkowsky. Rhenus stehe auch für "eine unabhängigere Lösung für den Markt". Eine Übernahme der Unternehmen durch die Bahn wäre dagegen ein "ordnungspolitischer Sündenfall". Rhenus beschäftigt bei einem Umsatz von rund einer Milliarde Euro 5800 Mitarbeiter.

Die Bahn hatte der Regierung zugesichert, sie "ab sofort" eng in die Entscheidungsprozesse einzubinden. Kanzlerin Angela Merkel und Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee hatten sich nach Informationen der "Passauer Neuen Presse" in der Kabinettssitzung beklagt, nicht informiert worden zu sein.

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