Bahn rüstet sich für Arbeitskampf

München/Berlin - Die Deutsche Bahn will mit Notfallplänen die Folgen des drohenden Lokführer-Ausstands mildern. Streikwillige Fahrer sollen gar nicht erst ins Führerhaus gelangen. Die Gewerkschaft GDL droht mit Aktionen ab heute Nachmittag.

Nach verschiedenen Medienberichten will der Schienen-Konzern im Streikfall Mitglieder der Gewerkschaft der Deutschen Lokführer (GDL) durch unternehmestreue Zuglenker ersetzen. So heißt es im "Spiegel", Angehörige der Gewerkschaften GDBA und Transnet oder verbeamtete Zugführer, die nicht streiken dürfen, könnten einspringen. Die "Bild am Sonntag" zitierte zudem einen Bahn-Manager, der den Einsatz von österreichischen und Schweizer Zugführern nicht ausschloss.

Ein Sprecher des Unternehmens bestätigte auf Nachfrage unserer Zeitung die Existenz von Notfallplänen, äußerte sich aber nicht zu Details. "Wir bereiten uns auf Streiks vor, aber logischerweise können wir nicht alle Lokführer ersetzen", sagte er. Bahn-Personalvorstand Margret Suckale erklärte gegenüber "Welt online": "Die Bahn wird einen eingeschränkten, aber belastbaren Fahrplan anbieten." Angeblich will das Unternehmen sicherstellen, dass bei einem Streik mindestens 50 Prozent aller Züge im Nah- und Fernverkehr fahren.

Hintergrund ist das Auslaufen der von der GDL gegebenen Garantie, bis Ende September auf Streiks zu verzichten. Nach den gescheiterten Vermittlungsgesprächen im Tarifstreit zwischen Bahn und Lokführern will die Gewerkschaft am heutigen Montagvormittag in Frankfurt über ihr weiteres Vorgehen informieren. Ein Arbeitskampf der Lokführer, der zu massiven Behinderungen führen könnte gilt als wahrscheinlich. So hatte noch am Freitag ein GDL-Sprecher gesagt: "Bis dato stehen die Zeichen auf Streik." Am 3. Oktober wollen die Lokführer aber aus Rücksicht auf die zahlreichen Feiertagsreisenden auf Maßnahmen verzichten.

Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell betonte, dass das Fahrpersonal wieder in ganz Deutschland streiken dürfe. Alle einstweiligen Verfügungen, die die Bahn vor Gericht gegen einen Lokführerstreik erwirkt habe, seien nicht mehr wirksam, erklärte er gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Im August hatte die Bahn erreicht, dass die Lokführer zuletzt nur noch bei der S-Bahn in Hamburg und Berlin die Arbeit niederlegen konnten. Zuvor hatte die GDL den Bahnverkehr mit Warnstreikaktionen mehrmals über Stunden lahmgelegt. Schell rechnet aber nicht mit wochenlangen Streiks: "Ich denke, dann wird die Politik irgendwann eingreifen und den Bahnvorstand zur Räson bringen."

Der GDL-Vorsitzende hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn Ende vergangener Woche seine Ablehnung des jüngsten Verhandlungsangebots des Konzerns mitgeteilt. Die Offerte sieht vor, dass die GDL den mit den anderen Gewerkschaften Transnet und GDBA bereits besiegelten Abschluss mit 4,5 Prozent Einkommensplus übernimmt. Angeboten wird zudem, bei Mehrarbeit mehr Geld zu zahlen, woraus weitere Einkommenssteigerungen von bis zu 5,5 Prozent folgen. Insgesamt könne dies auf rund zehn Prozent Verbesserung hinauslaufen.

Unterdessen hat Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) eine rasche Einigung zwischen Bahn und GDL angemahnt. Die Tarifparteien hätten eine "hohe Verantwortung", sagte Tiefensee. Er warnte vor Schäden für die Konjunktur. 

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