Bahn steigert Gewinn und erhöht die Preise

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Frankfurt/Main (dpa) - Kurz vor dem geplanten Börsengang der Bahn müssen sich Millionen Fahrgäste auf teurere Tickets einstellen. Wegen stark gestiegener Energie- und Personalkosten sollen die Preise nach zwölf Monaten zum Fahrplanwechsel im Dezember wieder angehoben werden.

Das kündigte Bahnchef Hartmut Mehdorn bei der Halbjahresbilanz am Montag in Frankfurt an. Die Fahrscheine sollen laut "Financial Times Deutschland" (Dienstag) um bis zu 3,2 Prozent teurer werden. Ein Konzernsprecher sagte dazu, es gebe noch keinen Vorstandsbeschluss, man werde Anfang September über die Details informieren.

Von Fahrgastvertretern und Politik kam heftige Kritik. Finanziell nimmt der bundeseigene Konzern mit einem Gewinnplus im ersten Halbjahr Kurs auf die Teilprivatisierung, die nach wie vor "im Herbst" angestrebt wird. Ein konkreter Termin wurde noch nicht genannt. Erwartet wird die Ankunft am Kapitalmarkt für Anfang November.

"Die Kombination aus explodierenden Energiepreisen und weit überdurchschnittlich steigenden Personalkosten lässt uns keine andere Wahl", sagte Mehdorn zur Preisanhebung. Massiv gestiegene Ausgaben für Strom und Diesel sowie Belastungen aus hohen Tarifabschlüssen mit den drei Gewerkschaften seien nicht allein mit Effizienzsteigerungen auszugleichen. Zuletzt waren Fahrkarten im Nah- und Fernverkehr im Dezember 2007 im Schnitt um 2,9 Prozent teurer geworden. Für 2008 hatte die Bahn eine Preisgarantie gegeben. Mehdorn zeigte sich trotz der Preisanhebung zuversichtlich, mehr Kunden für ein Umsteigen vom Auto in die Züge zu gewinnen.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) beklagte die "turnusmäßig angekündigte Preiserhöhung" dagegen als falsches Signal. Die Bahn müsse vielmehr versuchen, von einer wachsenden Umsteigebereitschaft vieler Autofahrer zu profitieren. Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn warf der Bahn eine "kundenfeindliche Geisterfahrt" vor und forderte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zum Einschreiten auf.

Der Fahrgastverband Pro Bahn reagierte ebenfalls mit Kritik. Die Bahn könnte höhere Kosten auch mit den deutlich gestiegenen Einnahmen auffangen, sagte der Vorsitzende Karl-Peter Naumann dem "Hamburger Abendblatt" (Dienstag). Pro-Bahn-Vorstand Hartmut Buyken sagte der Tageszeitung "B.Z.": "Wir fürchten, dass viele Menschen jetzt trotz gestiegener Benzinpreise doch nicht auf die Bahn umsteigen."

Im ersten Halbjahr 2008 stieg die Zahl der Fahrgäste in den Zügen um 3,1 Prozent auf 941 Millionen. Der Konzerngewinn vor Zinsen, Steuern (EBIT) und ohne positive Sondereffekte aus Verkäufen erhöhte sich um 6,8 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Unter dem Strich kletterte der Gewinn um 5,4 Prozent auf 915 Millionen Euro. Der Umsatz legte um 8,2 Prozent auf 16,6 Milliarden Euro zu, ohne neu hinzugekommene Töchter hätte das Plus bei 4,6 Prozent gelegen.

"Unser Unternehmen ist reif für die Börse", sagte Mehdorn. Er bekräftigte, dass die neu gegründete Tochter DB Mobility Logistics (DB ML) im Herbst zu 24,9 Prozent an Privatanleger verkauft werden soll. Für Verschiebungen gebe es "überhaupt keinen Grund". Trotz einer Abkühlung der Weltkonjunktur habe sich das Geschäftsmodell als robust erwiesen. Für die Börsentochter DB ML, die den Personen- und Güterverkehr sowie Dienstleistungen bündelt, wurde vor Sondereffekten ein EBIT von 1,1 Milliarden Euro (plus 9,7 Prozent) ausgewiesen. Sie vereint 178 000 der insgesamt 241 000 Konzernbeschäftigten.

Die Sparten entwickelten sich im ersten Halbjahr unterschiedlich. Beim wichtigsten Gewinnbringer, dem Regionalverkehr, sank das EBIT um 3,6 Prozent auf 449 Millionen Euro. Dafür legte der Fernverkehr mit ICE und Intercity um 59,3 Prozent auf 172 Millionen Euro zu. Im weltweiten Logistikgeschäft der Speditionstochter Schenker stagnierte der Gewinn bei 178 Millionen Euro.

Angesichts der Sicherheitsdiskussion nach der Entgleisung eines ICE 3 mit einem Achsenbruch Anfang Juli in Köln wies Mehdorn Zweifel und Vorwürfe zurück. "Unsere Züge sind sicher." Bei Investitionen in die Sicherheit von Gleisanlagen und Fahrzeugen sei nicht gespart worden und werde nicht gespart.

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