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Die Züge werden tagelang still stehen.

Jetzt trifft es die Reisenden richtig hart

GDL streikt fast eine Woche lang - Bahn: "Maßlos!"

Frankfurt/Main - Die Lokführer streiken wieder bundesweit. Es ist der achte Ausstand im festgefahrenen Tarifkonflikt bei der Bahn - und der bisher längste.

Update vom 19. Mai 2015: Die Wut der Pendler auf GDL-Chef Claus Weselsky ist mittlerweile nahezu unendlich. Ab Mittwoch wollen die Lokführer erneut die Arbeit niederlegen. Auch die Kita-Mitarbeiter bestreiken ihre Betriebe, ebenso wie die Bediensteten der Post. Wir halten Sie über alle Streik-Entwicklungen bei GDL, Post und Kita auf dem Laufenden.

Update vom 4. Mai 2015: Noch nie haben Tarifverhandlungen so lange gedauert wie diesmal. Die Lokführer wollen den Güter- und Personenverkehr praktisch zum Erliegen bringen - die Bahn will eigenen Angaben nach zumindest 30 Prozent ihrer Fernverbindungen aufrechthalten, im Nahverkehr sollen es 15 bis 60 Prozent sein. Alle Infos zum Streik der GDL erfahren Sie hier.

Bahnreisende müssen sich von Dienstag an auf den bisher längsten Streik der Lokführer im Tarifkonflikt bei der Bahn einstellen. Der Ausstand soll im Personenverkehr sechs Tage dauern, teilte die Gewerkschaft GDL am Sonntag in Frankfurt am Main mit. Er soll am 5. Mai um 2.00 Uhr morgens starten und erst am 10. Mai um 9.00 Uhr enden. Im Güterverkehr soll bereits ab Montag um 15.00 Uhr gestreikt werden. Es wäre bereits der achte Streik in dem Tarifkonflikt.

„Erneut zwingt die Deutsche Bahn die eigenen Lokomotivführer, Lokrangierführer und Zugbegleiter zum Arbeitskampf“, erklärte die GDL. Ihr Vorsitzender Claus Weselsky wollte sich am Montag in Berlin zu dem geplanten Ausstand äußern.

Bahn: "Absolut unangemessen und maßlos"

Die Deutsche Bahn nannte den angekündigten Streik "absolut unangemessen und maßlos". Der Streik der Lokführer wird nach Einschätzung der Bahn zu massiven Beeinträchtigungen des Zugverkehrs führen. „Damit schadet die GDL nicht nur massiv den Bahnkunden, der DB und ihren Mitarbeitern, sondern auch der deutschen Wirtschaft und der Sozialpartnerschaft“, teilte die Bahn am Sonntag mit.

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) kritisierte die Streik-Ankündigung: "Ich habe Verständnis dafür, dass viele Bürger über das Ausmaß des Streiks verärgert sind", sagte er der "Bild"-Zeitung (Montagsausgabe). „Die Grenze der Akzeptanz dieser Tarifauseinandersetzung in der Bevölkerung ist zunehmend erreicht. Das sollten auch die Verhandlungsführer erkennen.“

"Ein nicht mehr erträglicher Zustand"

Der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Norbert Barthle (CDU), sagte der "Welt" (Montagsausgabe), es sei "sehr bedenklich, wenn eine einzelne Spartengesellschaft die gesamte Mobilität lahmlegt. Es ist ein nicht mehr erträglicher Zustand".

Die Bahn kündigte am Sonntag an, sie werde alles tun, um die Auswirkungen des Streiks für die Kunden so gering wie möglich zu halten. Es müsse aber mit einer starken Beeinträchtigung des Zugverkehrs gerechnet werden.

Die Gewerkschaft hatte am Donnerstag das neue Tarifangebot des Unternehmens zurückgewiesen und einen weiteren, langen Arbeitskampf angekündigt. Die Bahn hatte angeboten, die Löhne sollten vom 1. Juli an in zwei Stufen um insgesamt 4,7 Prozent steigen. Dazu komme eine Einmalzahlung von insgesamt 1000 Euro bis zum 30. Juni.

Die GDL fordert für die Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld und eine Stunde weniger Arbeitszeit pro Woche. Den Knackpunkt in den Tarifverhandlungen sieht die GDL bei der Einstufung der Rangierlokführer im Tarifgefüge der Bahn.

Der Konflikt ist so schwierig, weil die GDL mit der größeren Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) um Einfluss im Konzern ringt. Beide wollen zum Teil für dieselben Berufsgruppen verhandeln. Die Bahn will in getrennten Verhandlungen vergleichbare Ergebnisse erzielen.

Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber hatte am Sonntag erneut eine Schlichtung ins Spiel gebracht. „Wir fordern die GDL zu einer Schlichtung auf, weil wir rasch Ergebnisse wollen“, erklärte er in Berlin. Darüber hatte zuvor auch die „Bild am Sonntag“ berichtet. „Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir eine neutrale Instanz hinzuziehen müssen.“

Am Sonntag erklärte die GDL, die Bahn verlange "die Unterwerfung" der GDL unter die Tarifregelungen der EVG. Damit trete die Deutsche Bahn "die grundgesetzlich geschützten Rechte der GDL-Mitglieder mit Füßen". Die Gewerkschaft warf der Bahn zudem erneut vor, mit Blick auf das im Sommer in Kraft tretende Tarifeinheitsgesetz auf Zeit zu spielen. Mit dem Gesetz will die Bundesregierung Konflikte lösen, die entstehen können, wenn mehrere Gewerkschaften innerhalb eines Betriebs Tarifverträge für eine Berufsgruppe aushandeln.

Die Gewerkschaft hat in dem Tarifkonflikt bereits sieben Mal den Güter- oder Personenverkehr bestreikt. Zuletzt hatten die Lokführer von 21. bis 23. April gestreikt. Eine Schlichtung hatte die Gewerkschaft bislang abgelehnt.

dpa/AFP

 

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