GDL will erneut Arbeit niederlegen

91 Stunden: Droht jetzt der Mega-Streik?

Berlin - Die Nervenprobe geht weiter: Deutschlands Bahnfahrer müssen sich erneut auf Lokführerstreiks einstellen. Nur über den Zeitpunkt schweigt sich die GLD noch aus.

Dieser Bescheid der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) gefiel der Bahn überhaupt nicht. Nachdem nochmals ein Versuch gescheitert war, zumindest in die Nähe einer Tarifeinigung zu kommen, folgte am Montag nicht etwa der erwartete Streikaufruf. Nein - die GDL ließ die Deutsche Bahn erst einmal zappeln.

Über weitere Arbeitskämpfe werde man „rechtzeitig informieren“, hieß es lediglich. Damit ließen die Lokführer zwar kaum einen Zweifel, dass demnächst wieder gestreikt wird - nur wann, sagten sie eben nicht.

Es wäre der sechste Streik im aktuellen Konflikt. Nach Informationen der „Bild“-Zeitung berieten Hauptvorstand und Tarifkommission, ob sie noch einmal aufstocken sollten - von 61 Stunden, die der Streik Mitte Oktober gedauert hatte, auf 91 Stunden, also fast vier ganze Tage. Noch konnten sich die Spitzengremien offensichtlich nicht dazu durchringen. Hinter dem Zögern könnte auch Taktik stehen.

Die Deutsche Bahn jedenfalls reagierte genervt. Die GDL lasse „Millionen Bahnkunden in Deutschland weiterhin im Ungewissen“, mache sie zu ihrem Spielball. Erst habe sie am Sonntagabend „aus unbegreiflichen Gründen“ die Verhandlungen kurz vor dem Durchbruch platzen lassen. Jetzt verweigere die GDL-Spitze „jede Aussage, wie es weitergeht“. Das sei „unverantwortlich und schadet den Bahnkunden, der Wirtschaft und nicht zuletzt der großen Mehrheit der DB-Mitarbeiter“, schimpfte der Konzern.

Die GDL teilte am Montagnachmittag mit, die Bahn habe versucht, der Gewerkschaft "die Nichtzuständigkeit für einen Teil ihrer Mitglieder" und einen Verzicht auf das Streikrecht zu diktieren. Die GDL-Gremien seien nicht bereit, "die Interessen ihrer Mitglieder zu verraten, um eine Scheinzuständigkeit für Zugbegleiter zu akzeptieren". Hauptvorstand und Tarifkommission der GDL hätten den Tarifvertragsentwurf daher einstimmig abgelehnt.

Zu dem, was bei den zunächst geheimen Gesprächen am Wochenende geschehen war, gab es am Montag erstaunlich unterschiedliche Darstellungen. Die Bahn sprach wie schon bei früherer Gelegenheit davon, sehr nah an einer Verständigung mit der GDL gewesen zu sein. Die habe aber eine überraschende Kehrtwende vollzogen. Der vorgeschlagene Tarifvertrag hätte der GDL ermöglicht, wie gewünscht auch für Zugbegleiter einen eigenständigen Tarifvertrag zu bekommen.

GDL-Chef Claus Weselsky interpretierte den von der Bahn vorgelegten Entwurf ganz anders. Unterm Strich habe eben doch die rivalisierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) das Sagen. Es bleibe dabei: Die Bahn wolle einem Teil der GDL-Mitglieder das Recht nehmen zu streiken - eben jenen Beschäftigten, die keine Lokführer sind.

Tarifkonflikt quasi wieder am Anfang

So befindet sich der Tarifkonflikt nach mehr als vier Monaten quasi wieder am Anfang - mit dem Unterschied, dass inzwischen eine viel höhere Eskalationsstufe erreicht ist. Nach der bisherigen Logik dürfte die GDL die Dauer der Streiks verlängern. Der jüngste Ausstand hatte im Personenverkehr 50 Stunden gedauert. Die Lokführer legten die Arbeit an einem Wochenende nieder - und zum Start der Herbstferien in vielen Bundesländern.

Kurz vor einem kleinen Gewerkschaftstag am Dienstag in Fulda bot die EVG der kleineren Konkurrenz erneut gemeinsame Verhandlungen an. „Kommt in die Verhandlungskommission und lasst uns gemeinsam mit der Bahn verhandeln. Davon profitieren alle unsere Mitglieder“, warb der EVG-Vorsitzende Alexander Kirchner im „Focus“. Nach dem Misserfolg vom Wochenende scheint ein solches Zusammengehen ferner denn je.

Derweil wächst in der Lokführergewerkschaft selbst der Widerstand gegen den Vorsitzenden Claus Weselsky. Der Sprecher der Initiative für mehr Demokratie und Rechtsstaatlichkeit in der GDL, Volker Siewke, warf der Führung um Weselsky Versäumnisse vor.

Außerdem wurde ihm bereits vorgeworfen, bei der Urabstimmung bei den letzten Bahn-Streiks Unstimmigkeiten ignoriert zu haben. "Rechtens und absolut wasserdicht" seien sie gewesen.

AFP/dpa

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