Bahn-Tickets: Internet statt Automat

München - Handy schlägt Automat: Die Deutsche Bahn will mit der Zeit gehen und den Online-Verkauf der Tickets ausbauen. Die Fahrkartenautomaten hingegen sind wohl ein Auslaufmodell.

Die Zahlen sprechen für sich: 6,7 Millionen registrierte Onlinekunden besuchen 1,5 Millionen Mal pro Tag die DB-Homepage und holen sich fünf Millionen Reiseauskünfte. Über Mobiltelefone laufen bereits 22 Millionen mobile Auskünfte und 118 000 Ticketbuchungen pro Monat. Der Onlinevertrieb generiert bereits 27 Prozent der gesamten Fahrkarteneinnahmen, beim Fernverkehr sind es sogar 44 Prozent. Und für 2012 erwartet die DB einen Online-Umsatz von 1,85 Milliarden Euro. Das ist ungefähr das 20-fache des Umsatzes, der vor zehn Jahren zustande kam. Die neue DB-Ticket-App für das iPhone wurde seit Einführung Anfang des Jahres 2,8 Millionen Mal, für Androids 2,5 Millionen Mal herunter geladen.

„Das Smartphone wird perspektivisch der Reisebegleiter für den Bahnkunden sein“, prophezeite Karina Kaestner, Leiterin Marketing/Onlinevertrieb der Deutschen Bahn, bei einem Pressegespräch in München. Und DB-Vertriebschef für Bayern, Klaus Leben, ist sich sicher: „Bis 2020 wird der Kunde den Automaten in der Hosentasche tragen.“

Das hat Folgen: Derzeit gibt es 1406 Ticketautomaten in Bayern. Ihre Zahl wird sicher nicht steigen, eher sinken. Ab 2020, so heißt es bei der Bahn, könnte die Zahl um 20 bis 30 Prozent abnehmen. Die 63 Reisezentren in Bayern, die als Ersatz für die vielerorts abgebauten Fahrkartenschalter geschaffen wurden, sollen jedoch alle erhalten bleiben. „Es wird immer einen Anteil von Fahrgästen geben, die Beratung wünschen“, erklärt die Pressestelle.

Ansonsten jedoch: alles Multimedia. Von der Verspätungsinformation per E-Mail bis zur Verkehrsmittelwahl-Werbung auf Routenplaner-, Airline- und Mitfahrportalen. Bald sollen flächendeckend Handytickets sowie Touch- und Traveltickets eingeführt werden. Beides hat aber Tücken: Wenn der Handy-Akku leer ist und das Ladegerät zu Hause liegt, oder man vergisst, beim Aussteigen am Zielbahnhof sich mit seinem Mobile am Touch- und Travelticket-Registriergerät abzumelden, wird man ganz schnell zum Schwarzfahrer.

Tücken gibt es auch speziell für S-Bahn-Fahrer in der Region München. Noch gibt es kein MVV-Ticket, das per Handy geordert werden könnte. Der MVV peilt das Jahr 2013 als Zielmarke für die Einführung an. Doch noch scheitert dies an der städtischen Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die den Kauf spezieller Lesegeräte für ihre Kontrolleure als unrentabel einstuft. Hinzu kommt, dass das vom MVV geplante System nicht mit dem der Deutschen Bahn identisch ist.

von K.-H. Dix und D. Walter

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