Bahn verzichtet auf Schalter-Gebühr von 2,50 Euro

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Berlin (dpa) - Der drohende Schalterzuschlag bleibt Bahnkunden in Deutschland nun doch erspart. Nach einer Welle der Empörung hat die Deutsche Bahn ihre Pläne aufgegeben, beim Kauf von Fernzugtickets die neue Gebühr zu kassieren.

Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee sprach von einer "guten und klaren Entscheidung für alle Bahnkunden". Der Bahnvorstand sei "zur Vernunft gekommen". Auch Fahrgastvertreter, Verkehrsverbände und Bahnfachleute der Parteien in Berlin begrüßten die Rücknahme des Vorhabens.

Trotz des Wirbels sieht die Bundesregierung den geplanten Börsengang nicht beeinträchtigt. Der Vorstand der bundeseigenen Bahn habe eine "eigene Entscheidung getroffen", den Zuschlag doch nicht einzuführen, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm. Die gesellschaftsrechtliche Struktur mit Vorstand und Aufsichtsrat sei auch für künftige Investoren klar. In diesem Herbst sollen 24,9 Prozent der neuen Bahntochter DB Mobility Logistics über die Börse verkauft werden.

Bahnchef Hartmut Mehdorn schrieb in einem dpa vorliegenden Brief an die Mitarbeiter, die "emotionale Diskussion" des Themas in der Öffentlichkeit habe gezeigt, dass der geplante Zuschlag "auf grundsätzliche Ablehnung" stoße. Deshalb habe der Vorstand seine Entscheidung revidiert. Wie es aus Regierungskreisen hieß, entgehen der Bahn dadurch jährlich 50 bis 55 Millionen Euro kalkulierte Mehreinnahmen.

Der Bahn-Aufsichtsrat war nach Darstellung seines Mitglieds Georg Brunnhuber (CDU) bei seiner Sitzung am Mittwoch "sehr skeptisch", was den Bedienzuschlag angehe. Allerdings habe das Kontrollgremium die Gebühr nicht abgelehnt, sondern vom Vorstand verlangt, die Pläne besser zu vermitteln, sagte der Bundestagsabgeordnete im Bayerischen Rundfunk.

Der Vorsitzende des Fahrgastverbands Pro Bahn, Karl-Peter Naumann, sagte der dpa: "Wir sollten die Bahn loben, sie hat auf die Kunden und ihren Eigentümer gehört." Die falsche Entscheidung zur Einführung der Gebühr habe zu einem massiven Imageschaden geführt.

Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) zeigte sich zufrieden. VCD-Verkehrsreferentin Heidi Tischmann befürchtet jedoch, dass die Bahn nun versucht, die Kosten zu senken: "Das bedeutet weiteren Personalabbau bis hin zur Schließung kompletter Schalter an kleineren Bahnhöfen." Die Gewerkschaft Transnet forderte eine Standortgarantie für die Reisezentren und deren Personal.

Die Grünen distanzierten sich deutlich von Mehdorn. "Die Bundesregierung darf einen Bahnchef, der Kundeninteressen vorsätzlich mit Füßen tritt, nicht weiter tolerieren", sagte Fraktionschef Fritz Kuhn der dpa. Die Bahn habe die diskriminierende Gebühr nur unter erheblichem Druck gestrichen. "Mehdorn hat bewiesen, dass er vom geplanten Börsengang völlig verblendet ist."

Der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz der Länder, Sachsen- Anhalts Ressortchef Karl-Heinz Daehre (CDU), reagierte hingegen erleichtert. "Die Vernunft hat gesiegt. Die Bahn war einsichtig, das macht Hoffnung für die weitere Zusammenarbeit", sagte er der dpa in Magdeburg. Die SPD stellte fest, die Bahn habe "noch rechtzeitig die Notbremse gezogen". Der FDP-Verkehrsexperte im Bundestag, Horst Friedrich nannte es gut, dass dieser "absurde Zuschlag" vom Tisch sei. "Das eigentliche Problem bleibt jedoch bestehen: die Monopolstellung der DB im Fernverkehr."

Auf die öffentlichen Proteste hatte die Bahn-Spitze zunächst mit der Ankündigung von Ausnahmeregeln für Senioren mit Bahncard und Schwerbehinderte reagiert. Tiefensee hatte dies als nicht ausreichend bezeichnet und sich nach eigenen Angaben selbst an Mehdorn gewandt. Dass die 2,50 Euro Zuschlag nicht pauschal für eine Beratung am Schalter, sondern für jede Fahrtstrecke fällig werden sollten, hatte der Minister am Donnerstagabend scharf kritisiert. Für eine Hin- und Rückfahrt wären demnach fünf Euro fällig geworden.

Unabhängig von dem Zuschlag wird das Bahnfahren zum 14. Dezember für Millionen Kunden teurer. Die Ticketpreise werden durchschnittlich um 3,9 Prozent erhöht. Die Bahn hatte dies mit stark gestiegenen Kosten für Energie und Personal begründet.

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