Bahn wegen Bedienzuschlag unter Druck

Berlin - Verbraucherschutzminister Horst Seehofer (CSU) hat sich gegen die von der Bahn geplante Einführung einer Extragebühr beim Fahrscheinverkauf am Schalter ausgesprochen.

"Die von der DB AG in Aussicht gestellte Einführung eines Bedienzuschlags in Höhe von 2,50 Euro ... ist nach Prüfung des Verbraucherschutzministeriums ... komplett abzulehnen", erklärte Seehofer am frühen Freitagmorgen in Berlin.

Unterdessen berichtete die Tageszeitung "Die Welt", dass der Bahnvorstand am Morgen zu einer Krisensitzung zusammenkommen wolle, um über die Gebühr zu beraten. Dabei solle geprüft werden, ob man den Zuschlag mit weiteren Ausnahmen retten könne. Ansonsten müssten die Pläne auf Eis gelegt werden, sagte ein Aufsichtsratsmitglied der Zeitung.

Wie "Die Welt" weiter berichtete, habe sich inzwischen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingeschaltet. Sie habe mit Bahnchef Hartmut Mehdorn telefoniert und dabei deutlich ihr Unbehagen über die Bedienzuschläge zum Ausdruck gebracht, hieß es unter Berufung auf Regierungskreise. Noch sei man im Kanzleramt aber nicht entschlossen, Mehdorn massiv zur Aufgabe seiner Gebührenpläne zu drängen.

Nach Ansicht Seehofers würden auch weitere Ausnahmen für bestimmte Personengruppen "die grundsätzlichen Mängel des Vorschlags in keiner Weise" lösen. So führe ein Bedienzuschlag gerade im Regionalverkehr zu erheblichen Preiserhöhungen. "Beim Kauf einer Fahrkarte für 10 Euro und einem Bedienzuschlag von 2,50 Euro wären dies 25 Prozent Preiserhöhung", sagte der Verbraucherschutzminister. Dieses Beispiel zeige, wie wenig durchdacht der Vorschlag sei.

Außerdem meldete Seehofer Zweifel an der Rechtmäßigkeit eines solchen Zuschlags an und verwies auf die Rechtsprechung im Bankenbereich. Dort habe der Bundesgerichtshof "Schaltergebühren" immer wieder für unzulässig erklärt, so Seehofer.

Als positives Beispiel nannte er Regelungen in anderen europäischen Ländern, wo Kunden keine Gebühren abverlangt, sondern Rabatte gewährt würden, wenn sie Fahrkarten nicht am Schalter, sondern an Automaten oder im Internet kauften.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bombardier-Beschäftigte erwarten Tag der Entscheidung
Seit einem Dreivierteljahr zittern die Mitarbeiter bei dem Zugbauer, sie fürchten eine zweite Welle des Personalabbaus. An diesem Donnerstag tagt der Aufsichtsrat - …
Bombardier-Beschäftigte erwarten Tag der Entscheidung
Ekelfunde auch bei Münchner Bäckereien
Fünf Jahre nach dem Müller-Skandal bahnt sich ein neues Unheil für die Bäckereien an. Die Organisation Foodwatch hat Käfer, Mäusekot und Schabenbefall auch bei Bäckern …
Ekelfunde auch bei Münchner Bäckereien
Sorgen vor strafferer Geldpolitik der EZB belasten den Dax
Frankfurt/Main (dpa) - Sorgen über eine Verschärfung der Geldpolitik in Europa haben dem deutschen Aktienmarkt am Dienstag zugesetzt. Zugleich stieg der Euro deutlich.
Sorgen vor strafferer Geldpolitik der EZB belasten den Dax
Neue Vapiano-Aktien starten mit Kursplus in den Handel
Frankfurt/Main (dpa) - Die Restaurantkette Vapiano hat 15 Jahre nach der Gründung den Gang an die Börse gemeistert. Zum Handelsende am Dienstag kosteten die Aktien 24 …
Neue Vapiano-Aktien starten mit Kursplus in den Handel

Kommentare