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Ob Schnee oder große Hitze: Die Bahn will sich für verschiedene Extrem-Wetterlagen besser wappnen. Foto: Julian Stratenschulte

Starkregen, Frost, Hitzetage

Bahn will für Extremwetter aufrüsten

Wenn Stürme wie "Friederike", Hitze oder Eiseskälte den Zugverkehr stören, trifft das Tausende Menschen. Die Bahn will sich für extreme Wetterlagen besser wappnen - denn sie könnten häufiger werden.

Berlin (dpa) - Die Deutsche Bahn muss sich laut einer Studie auf starke Regenfälle, mehr Hitzetage und größere Temperaturschwankungen einstellen.

"Solche Extremwetterlagen werden sich immer häufiger auf die Qualität und Robustheit des Bahnverkehrs auswirken", sagte Bahnchef Richard Lutz in Berlin. Dort stellte er eine Untersuchung des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung vor.

"So gut wie jedes Unwetter trifft einen Teil unseres 34 000 Kilometer umfassenden Streckennetzes", sagte Lutz. Das habe man auch im vergangenen Jahr gesehen. Die drei großen Stürme "Paul", "Xavier" und "Herwart" hätten 2017 den Gewinn des Staatsunternehmens um 70 bis 80 Millionen Euro belastet. Das sei ein deutlich höherer Betrag als in den Vorjahren.

Insgesamt gab es im vergangenen Jahr rund 10 500 Züge, die ausfielen oder nur einen Teil der Strecke fuhren. Das waren rund 4000 mehr als 2016.

Ein Grund seien die Unwetter gewesen, sagte eine Bahnsprecherin. Zuvor hatte der Radiosender "hr info" darüber berichtet. Erst im Januar hatte die Bahn wegen des Orkans "Friederike" ihren Zugverkehr erstmals seit Jahren bundesweit eingestellt.

Lutz will gegen Wetterschäden besser vorsorgen. Mehr Geld soll in den Grünschnitt fließen. Von Herbst an sollen Mitarbeiter Bäume suchen, die zwar weiter als sechs Meter von den Schienen stehen, aber umfallen und Oberleitungen und Gleise beschädigen könnten. Dafür würden sie auch mit Grundstückseigentümern und Behörden sprechen.

Der Potsdamer Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber geht davon aus, dass auf Deutschland mehr Hitzewellen zukommen. Die Temperaturen könnten auf bis zu 45 Grad steigen. Für die Bahn sei das wichtig, weil der Ausfall der Klimaanlagen eine der häufigsten Störungen gewesen sei, schreiben die Forscher. Große Hitze könne auch elektronische Schaltelemente und Gleise beeinflussen.

Frosttage werden nach seiner Darstellung seltener, könnten aber heftiger sein. Das erlebe man derzeit. "Die Spanne von Temperaturen, die zu managen ist, wird immer größer." Auch Starkregen sei laut Statistik weltweit häufiger. Das werde auch auf Deutschland zukommen, sagte Schellnhuber. Die Stürme seien nach bisheriger Beobachtung nicht stärker als früher, fielen aber öfter in andere Jahreszeiten. Tragen die Bäume dann noch viel Laub, stürzen sie leichter um. Das gelte auch, wenn der Boden zu trocken oder zu nass sei.

Die Bahn will deshalb für verschiedene Wetterlagen aufrüsten. Die neuen ICE4-Züge hätten bereits zwei Klimaanlagen, falls eine ausfalle, sagte Lutz. "Komplettausfälle" sind damit nach Angaben des Konzerns ausgeschlossen. Die meisten Fernzüge haben dieses System aber noch nicht. Der Staatskonzern hat bereits etwa 50 000 Weichen mit Heiztechnik ausgerüstet, die restlichen 20 000 sollen folgen. Im Mittelrheintal testet die Bahn derzeit auch eine Technik, um rechtzeitig zu erkennen, wenn etwa ein Erdrutsch droht.

Der Fahrgastverband Pro Bahn mahnte, das Programm müsse nun auch konsequent umgesetzt werden. Dafür bedürfe es Geld, aber auch die entsprechende Rahmengesetzgebung, sagte Sprecher Karl-Peter Naumann. Zwischen den Kommunen gebe es oft unterschiedliche Regeln zum Naturschutz, was den Grünschnitt erschwere. Bei Autobahnen dürfe zudem mehr zurückgeschnitten werden. Notwendig sei auch, Kunden ordentlich über Störungen zu informieren - da sei die Bahn aber dran.

Mitteilung der Bahn zur Klimastudie

Informationen zum Forschungsinstitut

Bericht von "hr info" zu Zugausfällen

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