Bahn will noch teurer werden: Bayern kündigt Widerstand an

- München - Die Bahn kommt mit ihrer Finanzplanung nicht hin. Nun sollen die Fahrgäste wegen der gestiegenen Energiekosten mehr zahlen. Gleichzeitig kündigt aber das Unternehmen einen Ausbau von Rabattsystemen an. Die Preisgestaltung wird damit also noch unübersichtlicher. Aus allen politischen Richtungen wurde die Preiserhöhung als Fehlgriff kritisiert.

<P>Nachdem in den letzten Wochen Fluggesellschaften und Reiseveranstalter Energiekosten auf die Kunden umwälzten, springt auch die Bahn auf diesen Zug auf. Hintergrund der Erhöhungen ist aber auch, dass kaum ein Fahrgast mehr den vollen Preis zahlt. Die Kunden nutzen alle Rabatte, die das Tarifsystem so unübersichtlich machen.<BR><BR>Bereits heute ist das Fahrpreissystem ein Buch mit sieben Siegeln: Bahncard25 Bahncard50 oder Bahncard100 lassen sich (aber nur zum Teil) mit den Sparpreisen "25" oder "50" kombinieren. Außerdem gibt es Sonderpreise bei Länder-, Single- und Schönes-Wochenende-Tickets. Laut Bahn liegt das, was tatsächlich gezahlt wird, zwischen 44 und 61 Prozent unter Normalpreis. Dieser soll nun steigen. <BR><BR>Bei Fernverkehrsstrecken von 150 bis 400 Kilometer um durchschnittlich 3,4 %. So kostet ein Ticket von München nach Nürnberg künftig 39 statt 37 Euro, und die Fahrt von München nach Frankfurt 73 statt 69 Euro.<BR><BR>Von 400 bis 750 Kilometer um 2,4 %. Das verteuert die Fahrt München-Berlin von 89 auf 92 Euro.<BR><BR>Bei längeren oder kürzeren Strecken bleiben die Preise konstant. So kostet die Fahrt von München nach Hamburg weiterhin 111 Euro.<BR> <BR>In der ersten Klasse steigt der Aufschlag von 50 auf 55 %.<BR><BR>Bei Zeitkarten wird Bahnfahren in allen Klassen um durchschnittlich 3,3 % teurer.<BR><BR>So weit, so einfach. Doch jetzt wird es kompliziert: Bisher ließ sich der Normalpreis mit einem Mitfahrer-Rabatt kombinieren. Das geht künftig nicht mehr. Wer eine Bahn-Card hat, kann diese Möglichkeit bis Mitte Dezember 2005 weiter nutzen. Auch die Sparpreise 25 und 50 lassen sich mit dem Mitfahrerrabatt kombinieren. Und wer eine Bahncard25 hat, kann diese weiter mit Sparpreisen kombinieren.<BR><BR>Im Nahverkehr will die Bahn ebenfalls zuschlagen: <BR><BR>Bis 100 Kilometer werden 3,9 % Aufschlag geplant.<BR><BR>Von 100 bis 300 Kilometer sind um 3,3 % höhere Preise angestrebt.<BR><BR>Bei Monatskarten (außerhalb von Verbünden) sollen 3,3 % mehr gezahlt werden, bei Wochenkarten 3,9 %.<BR><BR>Allerdings kann die Bahn diese Preise nicht eigenständig erhöhen. Das Regierungspräsidium Darmstadt als Genehmigungsbehörde orientiert sich an der Haltung der Bundesländer. Diese sagen bislang nein. Bayerns Wirtschaftsminister Otto Wiesheu kündigte bereits an, die Erhöhung im Nahverkehr nicht widerspruchslos hinzunehmen. Das Argument höherer Energiekosten weist er zurück. Dafür zahle der Freistaat der Bahn höhere Ausgleichsleistungen.<BR><BR>Doch das letzte Wort im Preispoker hat Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe, der im Beschwerdeverfahren die höheren Tarife durchwinken könnte. Zum Unmut anderer rot-grüner Verkehrspolitiker, die zu den schärfsten Kritikern der Bahn gehören. So spricht Albert Schmidt (Grüne) von der zweiten großen strategischen Fehlentscheidung nach dem missglückten Fahrpreissystem 2003 und dem folgenden Fahrgastschwund. Thomas Beyer (SPD) wirft der Bahn vor, Kunden abzuschrecken. Das Drehen an der Preis-Spirale führe aufs falsche Gleis.</P><P><BR> </P>

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