Bahn will bei polnischer Privatbahn einsteigen

Die Deutsche Bahn interessiert sich für einen Einstieg bei der polnischen Privatbahn CTL Logistics. Das sagte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Mittwochabend vor dem Â"Club Hamburger WirtschaftsjournalistenÂ".

Das polnische Unternehmen mit 2500 Mitarbeitern und rund 250 Millionen Euro Umsatz war erst im vergangenen Jahr mehrheitlich vom britischen Bridgepoint-Fonds gekauft worden, doch zu einem offenbar überhöhten Preis. "Wir waren damals interessiert, und wenn das Unternehmen jetzt wieder auf den Markt kommt, werden wir uns das wieder ansehen", sagte Mehdorn. CTL transportiert vor allem Massengüter und könnte für die Deutsche Bahn einen Brückenkopf in Richtung Russland bilden.

Ebenso wolle die Bahn die führende rumänische Spedition Romtrans mit 1300 Beschäftigten übernehmen. "Das ist für uns bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte", sagte Mehdorn. Bei den angestrebten Zukäufen in Osteuropa handele es sich um kleinere Akquisitionen. Er sei auch gefragt worden, ob die Bahn die Hamburger Reederei Hapag- Lloyd kaufen wolle, habe aber abgelehnt. "Selbst wenn es vielleicht strategisch sinnvoll gewesen wäre, hätten wir das in der Phase des Börsengangs nicht machen können", sagte Mehdorn.

Der Bahnchef verteidigte die umstrittene Preiserhöhung um 3,9 Prozent zum Ende des Jahres. Das sei angesichts der Kostensteigerungen für Energie und Personal die untere Grenze des Möglichen gewesen. Der Bedien-Zuschlag von 2,50 Euro für Kunden, die ihre Tickets nicht über das Internet oder am Automaten kaufen, sei notwendig gewesen, um nicht mit den Reisebüros als wichtigstem Vertriebspartner in Konkurrenz zu treten. Die Reisebüros erheben einen Zuschlag auf den Fahrpreis.

"Das ist im Transportgewerbe üblich, zum Beispiel im Luftverkehr", sagte Mehdorn. "Nur bei der Bahn wird es kritisiert." Im Gegenzug würden die Reisezentren der Bahn auf absehbare Zeit erhalten und personell verstärkt, um Wartezeiten zu verkürzen und den Service zu verbessern.

Für den Ende Oktober oder Anfang November geplanten Börsengang der Güter- und Personenverkehrstochter DB Mobility Logistics zeigte sich Mehdorn optimistisch. Es gebe zahlreiche interessierte internationale Investoren für den 24,9-Prozent-Anteil, so dass ein ordentlicher Preis erzielt werden könne. Von dem Erlös werde die Bahn ein Drittel erhalten, das zur Verbesserung der Eigenkapitaldecke eingesetzt werden solle. Ein weiteres Drittel erhalte der Verkehrsminister, der das Geld zur Verbesserung der Bahn-Infrastruktur ausgeben werde. Das letzte Drittel gehe an den Finanzminister.

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