Bahn will trotz Finanzmarktkrise in vier Wochen an die Börse gehen

Berlin - Die Deutsche Bahn will trotz der internationalen Finanzmarktkrise in vier Wochen an die Börse gehen. Am 27. Oktober ist der erste Handelstag der Aktie geplant, wie der bundeseigene Konzern am Freitag in Berlin erstmals offiziell bestätigte. Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte: "Trotz der angespannten Situation an den internationalen Finanzmärkten gehen wir zuversichtlich in die heiße Phase des Börsengangs."

Vom 13. Oktober an sollen Privatanleger in Deutschland Papiere der künftigen Börsentochter DB Mobility Logistics zeichnen können, die zu 24,9 Prozent verkauft wird. Am selben Tag beginnt eine Werbetour bei institutionellen Investoren im Ausland.

Die Bundesregierung machte deutlich, dass sich die Frage einer Verschiebung des Börsengangs wegen der Kapitalmarktturbulenzen nicht stelle. "Es gibt aus unserer Sicht keinen Grund, von dem Zeitplan abzuweichen", sagte der stellvertretende Regierungssprecher Thomas Steg in Berlin. Bei einem so komplexen Prozess könne nicht nach kurzfristigen opportunistischen Erwägungen vorgegangen werden. Die verantwortlichen Unternehmensgremien der Bahn zielten darauf, dass bei der Aktienplatzierung ein "entsprechend geneigtes Umfeld" und ein "entsprechend positiver Preis" gegeben seien. Das Finanzministerium äußerte sich zuversichtlich, dass der Börsengang erfolgreich laufe.

Mehdorn, der neben dem Mutterkonzern auch die Börsentochter führt, verwies auf "eine Vielzahl erfreulicher Rückmeldungen" bei bisherigen Gesprächen mit potenziellen Investoren. Die Aktien der DB Mobility Logistics, die den Personen- und Güterverkehr sowie Dienstleistungen vereint, sollen im regulierten Markt (Prime Standard) der Frankfurter Wertpapierbörse notiert werden. Dies gilt als Voraussetzung für einen möglichen späteren Aufstieg in die Indizes MDAX oder DAX.

In Deutschland sollen Bahn-Aktien privaten und institutionellen Anlegern öffentlich angeboten werden. Im Ausland stehen vor allem institutionelle Anleger im Blick, zu denen etwa Fonds gehören. Als erster großer Investor hatte die Russische Eisenbahn am Donnerstag signalisiert, einen Einstieg mit etwa fünf Prozent der Anteile zu erwägen. Auch in Japan ist ein Aktien-Angebot für Privatanleger vorgesehen, aber dort keine Börsennotierung. In den USA werden keine Papiere angeboten. Der Verkaufsprospekt mit detaillierten Angaben muss noch von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) gebilligt werden.

Die Bahn bekräftigte, mit den erwarteten Einnahmen das weitere Wachstum als weltweit tätiger Mobilitäts- und Logistikdienstleister forcieren zu wollen. Erwartet wird ein Erlös in Milliardenhöhe. Das Bundesfinanzministerium wollte "Spekulationen über potenziell zu erzielende Preise" nicht kommentieren. Nach Informationen der "Financial Times Deutschland" (Freitag) wird in Finanzkreisen nunmehr mit deutlich weniger als fünf Milliarden Euro gerechnet. Vor einigen Monaten waren Schätzungen von bis zu acht Milliarden Euro genannt worden.

Die DB Mobility Logistics AG vereint 178 000 der insgesamt 241 000 Konzernbeschäftigten. Im ersten Halbjahr kam sie vor Sondereffekten auf einen Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 1,1 Milliarden Euro und 16,1 Milliarden Euro Umsatz.

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