WLAN im ICE
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Das Logo auf der Fensterscheibe eines Zugs weist darauf hin, ob WLAN zur Verfügung steht. Leider klebt es längst nicht an allen Zügen.

Totalausfall Digitalisierung

Endstation WLAN: Internet-Ausbau bei der Bahn verspätet sich massiv

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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Eigentlich sollten bis Ende 2021 alle IC-Züge der Deutschen Bahn WLAN haben, doch derzeit tut sich wenig. Der Ausbau verspätet sich massiv, der Grund überrascht.

Berlin – Kein Netz, kein LTE und schon gar kein 5G: Auf Zugreisen ist man in Deutschland oft immer noch von der Außenwelt abgeschnitten. Wann haben endlich alle IC-Züge der Deutschen Bahn WLAN? Das fragen sich nicht nur viele Zugreisende seit Jahren; das wollte jetzt auch der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst jetzt genau wissen. Er stellte deshalb eine Anfrage im Bundestag. Die Antwort dürfte viele enttäuschen.

2016 – mittlerweile ist das ganze fünf Jahre her – begann die Deutsche Bahn mit dem WLAN-Ausbau ihrer Züge. Das sah damals eine neue Vereinbarung von Bund, Bahn und Bahnindustrie vor. WLAN war damals den ICE-Reisenden erster Klasse vorbehalten. Doch was ist seitdem passiert?

WLAN-Ausbau im ICE: Seit fünf Jahren warten Passagiere auf seine Ankunft

Die ernüchternde Antwort bekam FDP-Mann Torsten Herbst vom Bahn-Beauftragten der Bundesregierung, Enak Ferlemann (CDU): „Eine Ausstattung aller für die Zuggattungen Intercity und Eurocity eingesetzten Intercity-Wagen mit WLAN wird nach aktuellem Stand der DB AG coronabedingt erst 2022 abgeschlossen sein.“ Aus dem Politsprech ins Deutsche übersetzt heißt das: Der versprochene WLAN-Ausbau der Deutschen Bahn verzögert sich massiv.

Bisher gab die Bahn das Ziel aus, den Ausbau bis Ende 2021 abzuschließen. Laut Ferlemann sind derzeit aber nur knapp 60 Prozent der rund 1300 IC-Wagen entsprechend umgerüstet. Schuld ist wie so oft in diesen Tagen das Coronavirus: Aufgrund der aktuellen Lage hätten Mitarbeiter anderer Unternehmen, die für den Ausbau zuständig seien, nur bedingt Zugang zu den eigenen Werkstätten gehabt, sagte Personenverkehrsvorstand Berthold Huber am Donnerstag in Berlin. „Deswegen haben wir ganz bewusst aus Infektionsschutzgründen die Ausstattung der IC-Züge etwas nach hinten geschoben, damit wir das Infektionsrisiko in den Werkstätten so klein und gering wie möglich halten“, erklärte er.

WLAN im Zug ist das kleinste Problem der Deutschen Bahn: 5,7 Milliarden Euro Verlust in 2020

Der WLAN-Ausbau ist aktuell allerdings nicht das größte Problem der Deutschen Bahn. Aufgrund der Coronapandemie hat die AG für das vergangene Jahr unter dem Strich ein Minus von 5,7 Milliarden Euro verbucht. Die Zahl der Fahrgäste sank um fast die Hälfte: Nach Jahren der Fahrgastrekorde reisten im DB-Fernverkehr 2020 rund 81 Millionen Menschen - ein Minus von etwa 46 Prozent. Im Regionalverkehr sank die Zahl der Zugreisenden mit gut 38 Prozent etwas weniger stark. Erst ab 2022 rechnet Finanzvorstand Levin Holle wieder mit operativen Gewinnen. Dann sollen endlich auch alle ICs mit WLAN ausgestattet sein.

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