Bahn-Zuschlag bleibt Tausenden Kunden erspart

Berlin - Nach heftigen Protesten gegen eine neue Extra-Gebühr von 2,50 Euro beim Ticketkauf am Schalter nimmt die Bahn mehrere hunderttausend Kunden davon aus.

Wer eine Senioren-Bahncard mit 50 Prozent Rabatt besitzt, die es ab einem Alter von 60 Jahren gibt, brauche den Zuschlag nicht zu zahlen, kündigte Bahnchef Hartmut Mehdorn am Mittwoch in Berlin an. Vorgesehen sei eine solche Ausnahme auch für eine neue Senioren-Bahncard mit 25 Prozent Ermäßigung, die Anfang 2009 eingeführt werde.

Verschont bleiben sollen zudem Menschen mit einem Behinderungsgrad ab 50 Prozent, bisher war dies erst von 70 Prozent an vorgesehen. Der "Bedienzuschlag" wird vom 14. Dezember an beim Kauf von Fahrscheinen für Fernzüge (ICE und Intercity) kassiert.

Mehdorn verteidigte den Zuschlag grundsätzlich als unvermeidlich, um den Schalterdienst in den Reisezentren auf dem jetzigen Niveau aufrechtzuerhalten. Viele ältere Menschen seien durchaus in der Lage, ihre Fahrscheine ohne Zuschlag im Internet zu erwerben oder an den neuen Automaten, die leichter zu bedienen seien als früher. "Ich glaube, wir grenzen da niemanden aus." Verkehrs- und Fahrgastverbände sowie Politiker hatten den Zuschlag als kundenfeindlich kritisiert und seine Rücknahme gefordert. Zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember erhöht die Bahn auch ihre Preise um durchschnittlich 3,9 Prozent.

Mehdorn nannte die Anhebung "sehr kommod" angesichts stark gestiegener Energiekosten und auch im Vergleich zu den Mehrausgaben, die Autofahrer leisten müssten. "Die Deutschen fahren billig Bahn - das ist eindeutig so", sagte der Bahnchef. In Frankreich und Großbritannien zahlten Bahnfahrer deutlich mehr. Zum Zeitpunkt der nächsten Preiserhöhung merkte Mehdorn an: "Ich schließe nicht aus, dass wir im Jahr 2009 im Dezember wieder vor der gleichen Frage stehen."

Der Vorstandsvorsitzende bestritt einen Zusammenhang von Fahrpreiserhöhung und Servicegebühr mit den Gewinnerwartungen künftiger Aktionäre: "Es hat überhaupt nichts mit dem Börsengang zu tun", sagte er. Die Bahn will 24,9 Prozent ihrer Verkehrs- und Logistiktochter DB Mobility Logistics an die Börse bringen, dies soll nach Angaben aus Finanzkreisen am 27. Oktober geschehen.

Mehdorn und Finanzvorstand Diethelm Sack beginnen demnächst eine Werbetour bei internationalen Investoren. Geplant sind zwei Runden in jeweils 25 Städten vom deutschen Finanzplatz Frankfurt bis nach Tokio, wie Sack sagte. Auch in Peking, Hongkong, Singapur, Dubai und Kuwait wollen die Manager die künftige Bahn-Aktie vorstellen. Zu den Stationen in Europa gehören London, Paris, Zürich, Mailand, Madrid, Amsterdam und Brüssel. Moskau steht nicht auf dem Plan. Es gebe aber Kontakte zu Investoren aus Russland, hieß es. Interesse gebe es auch bei Staatsfonds aus China und dem Nahen Osten. Sack bekräftigte, dass der Börsengang weiterhin in diesem Herbst geplant sei, ohne den genauen Termin zu nennen.

Im Wettbewerb um Nahverkehrs-Verträge warnte Mehdorn vor Lohndumping, will sich aber auch Ausgliederungen eigener Tochterfirmen offenhalten. Dabei gehe es nicht darum, "die Lohntüte zu verkürzen", sondern in Abstimmung mit den Betriebsräten flexiblere Tarifregeln etwa bei Schichtdiensten zu vereinbaren. "Das Umfeld zwingt uns, so vorzugehen". So träten konkurrierende Bahnen bei der Vergabe von Verkehrsverträgen im Regionalverkehr teils mit 20 Prozent geringeren Löhnen an.

Der neue Bahn-Personalvorstand Norbert Hansen sagte, solche Ausgründungen seien nicht das Ziel, aber auch nicht auszuschließen. Er erwarte, dass der Konzern im Interesse der Arbeitsplätze nicht von vornherein auf Bewerbungen im Regionalverkehr verzichte, sagte der frühere Vorsitzende der Gewerkschaft Transnet.

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