Bahnbeschäftigte bekommen 4,5 Prozent mehr Geld

Berlin/Frankfurt/Main - Im Tarifkonflikt der Deutschen Bahn ist ein erster Abschluss mit einem kräftigen Einkommensplus erreicht. Dennoch müssen Bahnreisende an diesem Dienstag wieder mit massiven Einschränkungen rechnen.

Die Lokführergewerkschaft GDL rief zum zweiten Mal binnen sieben Tagen zu bundesweiten Warnstreiks auf. Davon sollen von 8.00 bis 11.00 Uhr der Fern-, Nah- und Güterverkehr sowie die S-Bahnen in Großstädten wie Hamburg, Berlin, Frankfurt, München und Stuttgart betroffen sein.

Die Gewerkschaften Transnet und GDBA vereinbarten am Montag mit der Bahn Einkommenserhöhungen von 4,5 Prozent für rund 134 000 Beschäftigte. Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) saß jedoch nicht mit am Tisch.

Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte nach der Einigung in Berlin, dem Kompromiss habe der Konzern trotz großer Bedenken zugestimmt, um im Interesse der Kunden weitere Streiks abzuwenden. Der neue Abschluss hat 19 Monate Laufzeit bis zum 31. Januar 2009. Vor der Anhebung um 4,5 Prozent zum 1. Januar 2008 bekommen die Mitarbeiter zudem 600 Euro als Einmalzahlung für die Zeit von Juli bis Dezember 2007.

Dies sei der höchste Abschluss in der Geschichte der 1994 gegründeten Deutschen Bahn AG, sagte Mehdorn. Es werde nicht ohne weiteres möglich sein, diese Einkommenserhöhung in den Marktpreisen der Bahn unterzubringen.

Die gemeinsame Tarifkommission von Transnet und GDBA stimmte dem Kompromiss nach längerer Diskussion zu. Transnet-Chef Norbert Hansen sprach von einem hervorragenden Abschluss, der die Leistungen der Beschäftigten während der Sanierung honoriere. Das Ergebnis bedeute mehr Kaufkraft für die Mitarbeiter. Es lasse sich vergleichen mit der hervorragenden Bilanz der Bahn im vergangenen Jahr und stärke auch das Vertrauen der Mitarbeiter in den Kurs des Unternehmens. Mit der Einigung in der fünften Gesprächsrunde wurde ein seit dem 19. Juni schwelender Konflikt beigelegt. Transnet und GDBA waren mit der Forderung nach sieben Prozent mehr Geld für zwölf Monate gestartet.

Die kleinste Bahn-Gewerkschaft GDL hatte nicht an den Verhandlungen teilgenommen und hält auch nach der Einigung an den Warnstreikplänen für Dienstag fest. "Unser Fahrplan steht", sagte ein GDL-Sprecher am Montag in Frankfurt. Von den Arbeitsniederlegungen zwischen soll der frühmorgendliche Berufsverkehr vor 8.00 Uhr nicht mehr beeinträchtigt werden. Bei einem ersten Warnstreik hatte die GDL am Dienstag vergangener Woche zwischen 5.00 und 9.00 Uhr bundesweit für erhebliche Störungen gesorgt. Mehdorn sagte, die Bahn bedauere die neuen Warnstreiks und halte sie nicht für richtig.

Der Bahnchef betonte sein Nein zur Forderung der GDL nach einem separaten Tarifvertrag für Lokführer und Zugbegleiter. "Es kann keinen Spartentarifvertrag geben." Man könne auch beim geplanten Treffen mit der GDL an diesem Freitag über alles reden, aber nicht über unterschiedliche Tarifverträge. "Wir wollen keine Mehrklassengesellschaft im Hause einführen". Der GDL-Vorsitzende Manfred Schell bekräftigte die Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag. "Wenn die Bahn uns nicht entgegenkommt, riskiert der Vorstand einen unbefristeten Arbeitskampf", sagte er der "Bild"- Zeitung (Dienstag).

Transnet-Chef Hansen sagte, mit der Einigung auf 4,5 Prozent mehr Geld seien auch für Lokführer deutliche Einkommensverbesserungen erreicht worden. Die GDL-Mitglieder hätten also ein gutes Ergebnis, wenn die Gewerkschaft es annähme. Die Übernahme eines Abschlusses, zwischen der Bahn und den Gewerkschaften Transnet und GDBA hat die GDL bisher abgelehnt. Sie fordert Einkommensverbesserungen von bis zu 31 Prozent.

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