Bahn-Chef Mehdorn fühlt sich gemobbt

- Berlin - Bei der Bahn hängt der Haussegen schief. Es hat ziemlich Krach gegeben, nachdem Politiker jeder Farbe den Verdacht genährt hatten, die Führungsriege um Vorstandschef Hartmut Mehdorn rechne die Bilanzen schön, um einen Börsengang hinzubekommen. Der Konzernchef reagiert gereizt.

"Mehdorn frisiert auf Biegen und Brechen die Bilanz auf Börsentauglichkeit", stichelte der Grünen-Verkehrspolitiker Albert Schmidt. Der Aufsichtsrats-Vize und Gewerkschafter Norbert Hansen trat nach. Er fordert eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung der Bahn Mitte Oktober. Mit den Worten "Der Fisch stinkt vom Kopfe" grenzte er den Kreis der Verdächtigen deutlich ein - in Gegenwart des Bahnchefs. Mehdorn bekannte, er fühle sich gemobbt.<BR><BR>Hansen sagte, eigentlich könne es Mehdorn nur recht sein, wenn endlich die Berichterstattung versachlicht würde. Ohnehin stehe schon ein Abbau von knapp 40 000 der zurzeit 205 000 Arbeitsplätze im Raum. Käme die derzeit befürchtete Verringerung der Investitionen um vier Milliarden bis 2007 hinzu, werde es noch schlimmer.<BR><BR>Vor allem solle endlich Schluss gemacht werden mit irritierenden Äußerungen zum Börsengang. "Erhöht das Gerede den Druck, sich ausschließlich auf rentable Unternehmensteile zu konzentrieren? Mindert das die Verpflichtung des Bundes zur Daseinsvorsorge?", fragte Hansen. Auf jeden Fall stehe im Raum, dass die Bahn mit Tricks eine Erfolgsstory zimmere, die Investoren ein falsches Bild vermittele. Dazu müsse der Vorstand einen Fragenkatalog abarbeiten.<BR><BR>Immerhin bekam der genervte Mehdorn etwas Trost von Umweltminister Jürgen Trittin. Der Grüne sagte zu, die Mehrwertsteuer auf Fernverkehrstickets von 16 auf 7 % zu senken; die Fahrscheine würden dann billiger. Gleichzeitig wurde eine Untersuchung vorgestellt, laut der die Bahn deutlich umweltverträglicher als alle anderen Verkehrsmittel ist.

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