Bahnindustrie: Auftragseinbrüche

Berlin - Mit einem dramatischen Einbruch des Auftragseingangs wirkt sich die Wirtschaftskrise auf die deutsche Bahnindustrie aus.

Die Auftragseingänge sanken 2009 um 19,5 Prozent auf die Höhe des Umsatzes, wie der Branchenverband VDB am Dienstag mitteilte. Bei den Erlösen hatte die Bahnindustrie im vergangenen Jahr erstmals die Marke von 10 Milliarden Euro übertroffen. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs der Gesamtumsatz um 5,1 Prozent auf 10,4 Milliarden Euro, wie Verbandspräsident Klaus Baur mitteilte. Besonders im Schienengüterverkehr sei die Nachfrage nach Lokomotiven sowie Güterwagen “fast zum Erliegen gekommen“, sagte Baur. Davon werde sich die Branche nur langsam erholen. In den vergangenen Monaten wurden 300 Kündigungen an Leiharbeiter ausgesprochen und “umfangreich auf Kurzarbeit“ zurückgegriffen. 2009 beschäftigte die Bahnindustrie 44 800 Menschen.

Die Stimmung unter den Unternehmen verschlechterte sich, was die Geschäftslage im Inland betrifft: 21 Prozent betrachten sie als “schlecht“, im Jahr zuvor waren es noch 6 Prozent. Insgesamt sprach der Verband allerdings von einer vergleichsweise stabilen Lage bei Umsatzentwicklung und Beschäftigung. Im Ausland waren die Auftragseingänge laut Baur von 7,6 auf 5,1 Milliarden Euro eingebrochen. Während die Nachfrage nach Schienenfahrzeuge stark sank, legte die Nachfrage aus dem Ausland nach Infrastrukturausrüstung zu. Wachstumschancen bieten vor allem der chinesische, indische und südamerikanische Markt. Von der Politik in Deutschland forderte der Verband Finanzierungszusagen. VDB-Hauptgeschäftsführer Ronald Pörner verwies auf eine “finanzielle Deckungslücke“ für die Modernisierung und den Ausbau des Schienennetzes: “Die Eisenbahnstruktur ist mit gut einer Milliarde Euro pro Jahr dramatisch unterfinanziert.“ Das betreffe besonders die internationalen Strecken: Als wichtigste Strecke gilt die Verbindung zwischen Rotterdam und Genua. In den Anrainerstaaten sei die Finanzierung bereits geklärt, nur Deutschland hinke noch hinterher. Die Strecke soll 2015 in Betrieb genommen werden.

dpa

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