Bahnmitarbeiter im Tarifdschungel

Teure Tickets: - München - Wer sich beim Fahrscheinkauf auf die Angaben der Deutschen Bahn verlässt, ist oft schlecht beraten. Wer sich als Kunde mit Sonderangeboten, Ländertickets und Streckenführungen nicht selbst auskennt, zahlt oft drauf, urteilten die Tester der Stiftung Warentest, die 90 Beratungsgespräche in Reisezentren von 25 Städten führten.

Dabei wurden in aller Regel erst die teuren Tickets angeboten. Auf Sparangebote oder günstigere Intercity- statt ICE-Züge wurde nur selten hingewiesen.

Das Reisezentrum am Münchner Hauptbahnhof schnitt im Vergleich noch relativ gut ab. Die Gesamtnote der Tester, die sich an den Schaltern sowie auch per Telefon, an Automaten und auf den Internet-Seiten der Bahn über bestimmte Verbindungen informiert hatten, lautete "befriedigend". Besser als befriedigend schnitt kein deutscher Bahnhof ab, am schlechtesten kam Magdeburg mit "mangelhaft" weg.

Hier die häufigsten Beratungsfehler, die die Tester feststellten:

- Es wird verschwiegen, wenn der IC auf einer bestimmten Strecke nur unwesentlich langsamer, der ICE aber wesentlich teurer ist.

- Alternative, erheblich preisgünstigere Streckenführungen gab es nur auf Anfrage.

- Mit dem Hinweis auf Sparpreise, zum Beispiel Mitfahrerrabatte oder sonstige Ermäßigungen, wird nur sehr sparsam, wenn überhaupt, hingewiesen.

- Dass die Bahncard 25 sich auch für Fahrgäste lohnen kann, die nur relativ selten Zug fahren, darauf wurde viel zu selten hingewiesen. So kann die Bahncard 25 anders als die Bahncard 50 sogar mit den Ermäßigungen für Sparpreise und Mitfahrer kombiniert werden. Insgesamt bekam die Bahn wie schon im Test vor zwei Jahren nur das Qualitätsurteil "ausreichend" (3,7). Als Gründe für das maue Ergebnis nannte die Stiftung das komplizierte, teils wenig kundenfreundliche Preissystem, unzureichende Technik "und ein Management, das die Missstände seit Jahren nicht beseitigt, sondern sich lieber dem Börsengang widmet", so die Zeitschrift "test". Damit sich Kunden nicht wie viele Bahnmitarbeiter im Tarifdschungel verirren, geben die Tester folgende Tipps:

Nachfragen

Den Preisangaben der Bahn sollte man erst mal misstrauen. Gezielt nachfragen, ob es nicht noch günstiger geht. Oft erfährt man nur auf diese Weise von billigeren Alternativen.

Selber schlau machen

Am besten ist, wenn der Bahn-Kunde genau weiß, was es gibt und was er will. Unter der Internetadresse www.bahn.de finden sich Spartipps, oft unter der Rubrik "Preise und Angebote". Vor dem Ticketkauf sollte man einen Blick auf die Landkarte werfen und sich den direkten Schienenweg suchen.

Schnelle Regio-Züge

Wer gezielt sucht und nachfragt, findet oft gute Alternativen zum teuren ICE. In Regio-Zügen kostet ein Schönes-Wochenende-Ticket ab 33 Euro und ein Länderticket 18 bis 31,50 Euro. Damit können bis zu fünf Personen reisen.

Super-Rabatte

Bis zu 81 Prozent Rabatt kann man mit Sparpreis-Tickets herausholen. Sie sind die einzigen DB-Fahrkarten, bei denen sich Rabatte für Hin- und Rückfahrt (25 bis 50 Prozent), Bahncard 25 und Mitfahrer optimal kombinieren lassen. Das Angebot ist begrenzt, muss mindestens zwei Tage vor Abreise gebucht werden und gilt nur, wenn auch Fernzüge benutzt werden.

Einstellungen ändern

Auf der Internetseite www.bahn.de kann die DB-Voreinstellung "Standardsuche" und "schnelle Verbindungen suchen" teuer werden. Besser: Suchen Sie zum Vergleich auch nach Verbindungen "ohne ICE" oder "nur Nahverkehr".

Vorsicht am Telefon

Die Bahnauskunft per Telefon unter 11861 kostet nach Weiterleitung zum DB-Reiseservice je angefangene Minute 39 Cent. Fünf Minuten machen also etwa zwei Euro. Also: kurz fassen oder noch besser: Bei komplizierten Reisewünschen ins Reisezentrum oder ins Reisebüro gehen.

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